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Rosa Luxemburg – Die geschichtliche Verantwortung (1918)

Nach dem Waffenstillstand ist der Sonderfriede zwischen Deutschland und Rußland nur noch eine Zeitfrage. Die künftige Geschichte wird sicher unter anderen Momentbildern aus dem Weltkriege auch die Grimassen des deutschen Halbabsolutismus festhalten, mit denen er die »Schnorrer und Verschwörer« als »legale Machthaber« anerkennt, feierlich den Grundsatz der Nichteinmischung in fremde Staatsangelegenheiten proklamiert und die Umstürzler an der Newa vor den »Verleumdungen der Entente« in Schutz nimmt. Der Königsberger Prozeß, die Spitzelhetze hinter den Russen, die Schergendienste an den Zarismus – alles vergessen. Weshalb auch nicht? Wenn die deutsche Sozialdemokratie das Erfurter Programm vergessen hat, warum soll die deutsche Regierung Bagatellen wie den Königsberger Prozeß nicht vergessen? Das eine bedingt das andere.
Nur im felsenfesten Vertrauen auf den unerschütterlichen Stumpfsinn der deutschen Volksmassen konnte sich die deutsche Reaktion das gewagte Experiment leisten, in die Hand der Petersburger »Mordbrenner«, die eben erst Thron, Altar, Zinsenzahlung auf auswärtige Anleihen, Stände, Titel und diverse andere sakrosankte Sachen auf den Müllhaufen geworfen haben, die widerspenstige Höchstkommandierende zum Fenster des Eisenbahnwagens heraushängen und lästige Prinzen von Geblüt ins Loch stecken – in diese »ruchlose« Hand einzuschlagen. Der preußischdeutsche Halbabsolutismus in traulichen Verhandlungen mit den Lenin und Trotzki, die erst vor ein paar Jahren um das Berliner Polizeipräsidium einen weiten Bogen machen mußten! – Wer erinnert sich da nicht an die köstliche Szene in »Mein Onkel Benjamin«, wo der stolze und hochmütige Herr Graf, dem eine Fischgräte im Halse steckengeblieben ist, den verachteten bürgerlichen Doktor auf einen für gewöhnlich bedeckten Körperteil küßt, nur um sich seine rettende Hilfe zu sichern. Not kennt kein Gebot, sagte schon Reichskanzler Bethmann Hollweg. Wieviel lieber würden die Hindenburg und Ludendorff ihre »Dicke Berta« mit der »Bande« in Petersburg reden lassen ! – Doch stille! Solche Herzenswünsche müssen einer späteren Gelegenheit vorbehalten bleiben. Vorläufig kommt die Petersburger »Bande« höchst gelegen, und ihr umstürzlerisches Friedensevangelium klingt dem deutschen Imperialismus wie reine Himmelsmusik.
Trotzki hat nach Presseberichten im Zentralausschuß der Sowjets mehrfach Reden über die internationale Lage gehalten, worin er die Wirkungen des russischen Friedensangebots auf alle Länder in rosigstem Lichte schilderte. Das westliche Europa zeige, daß die »kühnsten Hoffnungen« der russischen Sowjets in Erfüllung gegangen und der allgemeine Frieden auf dem besten Wege zur Verwirklichung sei.
Wenn diese Presseberichte stimmen, dann muß allerdings in Trotzkis schäumenden Wein viel Wasser gegossen werden. Es ist psychologisch begreiflich, daß die Bolschewisten in ihrer Situation jetzt das Bedürfnis haben, in der entscheidenden Frage, der des Friedens, ihre Politik als vom Erfolge gekrönt anzusehen und sie auch so vor dem russischen Volke hinzustellen. Nüchterne Betrachtung der Dinge zeigt sie in anderem Lichte.
Die nächste Wirkung des Waffenstillstandes im Osten wird nur die sein, daß deutsche Truppen vom Osten nach dem Westen dirigiert werden. Vielmehr, sie sind es schon. Mochten Trotzki und Genossen wiederum sich und den Sowjet damit trösten, daß sie als Bedingung des Waffenstillstandes die Verpflichtung erwirken wollten, keine Truppenverschiebungen vorzunehmen, um den Westmächten nicht in den Rücken zu fallen. Die deutschen Militärs dürften sich bei dieser Ankündigung ins Fäustchen gelacht haben, da sie jedenfalls auch wissen, wo Bartel den Most holt. Zu Hunderttausenden sind deutsche Truppen noch vor der Unterzeichnung des Waffenstillstandes von Rußland nach Italien und Flandern verladen worden. Die letzten blutigen deutschen Vorstöße bei Cambrai und im Süden die neuen »glänzenden« Erfolge in Italien sind bereits Wirkungen des bolschewistischen Novemberumsturzes in Petersburg.
Noch warm von Verbrüderungsszenen mit russischen revolutionären Soldaten, von gemeinsamen photographischen Gruppenaufnahmen, Gesängen und Hochs auf die Internationale, stürzen sich bereits die deutschen »Genossen« mit aufgekrempelten Ärmeln in heldenmütigen Massenaktionen ins Feuer, um ihrerseits französische, englische und italienische Proletarier abzuschlachten. Durch die frische Massenzufuhr deutschen Kanonenfutters wird das Gemetzel an der ganzen West- und Südfront mit zehnfacher Kraft auflodern. Daß Frankreich, England und Amerika dadurch zu äußersten, verzweifelten Anstrengungen veranlaßt werden, liegt auf der Hand. Und so ergeben sich als nächste Wirkungen des russischen Waffenstillstands und des ihm auf dem Fuße folgenden Sonderfriedens im Osten nicht die Beschleunigung des allgemeinen Friedens, sondern erstens die Verlängerung des Völkermordens und ungeheuere Steigerung seines blutigen Charakters, was auf beiden Seiten Opfer fordern wird, gegen die alles bisherige erblassen dürfte; zweitens eine enorme Stärkung der militärischen Position Deutschlands und damit seiner verwegensten Annexionspläne und Appetite.
Im Osten ist die Annexion Polens, Litauens und Kurlands, sei es in offener oder vorerst noch verschleierter Form, zwischen den Mittelmächten eine abgemachte Sache, und der deutsche Imperialismus rechnet natürlich angesichts der tatsächlichen Stellung Rußlands mit dessen ernstem Widerstand bei den Sonderfriedensverhandlungen überhaupt nicht mehr.
Aber auch im Westen gedenkt er nunmehr, jeder Sorge im Osten entledigt und mit frischen Reserven versehen, ganz anders aufzuspielen als früher. Die durch seine bisherige prekäre Lage erzwungene Maske der tugendhaften Enthaltsamkeit wird er nächstens lachend den Scheidemännern in den Schoß schmeißen, und, wenn Gott gibt, der ja bekanntlich mit den stärksten Bataillonen ist, einen »deutschen Frieden« diktieren. In ihren jüngsten Reden pfeifen auch bereits die Czernin und Konsorten aus einem ganz anderen Loch als zur Zeit der päpstlichen Friedensnote.
So liegen die Dinge, und die Bolschewisten begehen eine Selbsttäuschung, wenn sie im Lichte ihres Sonderfriedens auch den Himmel des allgemeinen Friedens voller Baßgeigen hängen sehen. Die »dritten Lachenden« bei der russischen Revolution sind bis jetzt einzig und allein -Hindenburg und die Alldeutschen.
Wenn sich jedoch so Dinge und Wirkungen in ihr Gegenteil verkehren, so ist die Schuld keineswegs in erster Linie auf seiten der Russen zu suchen. Sie waren von vornherein in der fatalen Lage, zwischen zwei Trachten Prügel wählen zu müssen: entweder der Entente Vorspanndienste zu leisten oder dem deutschen Imperialismus. Das erstere erheischte aber die Fortsetzung des Krieges, das zweite – den Friedensschluß. Was Wunder, daß sie schließlich das letztere wählten!
Die ganze Rechnung des russischen Friedenskampfes beruhte nämlich auf der stillschweigenden Voraussetzung, daß die Revolution in Rußland das Signal zur revolutionären Erhebung des Proletariats im Westen: in Frankreich, England und Italien, vor allem aber in Deutschland, werden sollte. In diesem Falle allein, dann aber unzweifelhaft, wäre die russische Revolution der Anfang zum allgemeinen Frieden geworden. Dies blieb bis jetzt aus. Die russische Revolution ist, abgesehen von einigen tapferen Anstrengungen des italienischen Proletariats, von den Proletariern aller Länder im Stich gelassen worden. Die Klassenpolitik des Proletariats, von Hause aus und in ihrem Kernwesen international, wie sie ist, kann aber nur international verwirklicht werden. Bleibt sie nur auf ein Land beschränkt, während die Arbeiterschaft anderer Länder bürgerliche Politik treibt, dann wird auch die Aktion des revolutionären Vortrupps in ihren weiteren Folgen auf den Kopf gestellt. Und so ist auch die einzige bisherige internationale Wirkung der russischen Revolution eine gewaltige Machtstärkung des deutschen Imperialismus und eine allgemeine Verschärfung des Weltkriegs. Die Schuld an diesem tragischen geschichtlichen Quidproquo fällt in erster Linie auf das deutsche Proletariat. Auf ihm ruht die Hauptverantwortung vor der Geschichte für die ungeheuren Blutströme, die nunmehr vergossen werden, wie für die sozialen und politischen Folgen einer möglichen Niederringung der Weststaaten durch den triumphierenden deutschen Imperialismus. Denn nur die standhafte Kadaverhaltung des deutschen Proletariats hat die russischen Revolutionäre dazu gedrängt, mit dem deutschen Imperialismus als der einzigen herrschenden Macht in Deutschland einen Frieden zu schließen. Und nur dieselbe Kadaverhaltung hat es dem deutschen Imperialismus ermöglicht, die russische Revolution für sich auszunützen.
Ob die deutschen Arbeiter die Ohrfeige nicht spüren, die für sie darin liegt, daß ihre Machthaber so ungescheut vor der roten Jakobinermütze in Petersburg salutieren in demselben Augenblick, wo sie die deutsche, mit Verlaub zu sagen, Volksvertretung wie einen Hund in die Bude geschickt und dem deutschen Volke den Maulkorb nochmals befestigt haben? Die deutschen »Arbeiterführer« scheinen allerdings die Liebkosung nicht zu merken. Sie beharren dabei – auch die »Unabhängigen« –, der deutschen Regierung noch kräftig zuzureden, daß sie ja die gute Gelegenheit nicht verpasse, sich nicht spröde zeige, die »russische Friedenshand« nicht zurückweise. Unbesorgt, ihr guten Leute – die Gelegenheit, sich von den Petersburger Jakobinern Kastanien aus dem Feuer holen zu lassen, läßt sich der deutsche Imperialismus sicher nicht entgehen. Die »Arbeiterführer« brauchen sich da gar nicht in Unkosten zu stürzen.
Und angesichts dieser Wendung, die aus einem Friedensschluß die Verlängerung des Krieges, aus dem revolutionären Siege des russischen Proletariats die größte Machtstärkung des deutschen Halbabsolutismus macht, finden auch die »Arbeitsgemeinschaftler« nichts Dringenderes, als die Bekanntgabe der »Kriegsziele« der deutschen Regierung zu fordern! »Wo bleiben die deutschen Kriegsziele?« ruft die »Leipziger Volkszeitung«. Die »unabhängigen« Grammophone haben nun einmal nur diese eine Platte und können sie nur immer wieder herunterleiern. »Wenn die deutsche Regierung bei ihrer bisherigen Politik beharrt, so droht diese Gefahr (die Fortsetzung des Krieges bis zum Weißbluten, bis zur völligen Katastrophe Europas – R. L.) – trotz der Friedensbereitschaft der Russen!« So schließt drohend das Leipziger Parteiorgan seine hundertste Ermahnung an die deutsche Regierung.
Ach, du lieber Himmel, die deutsche Regierung wird natürlich bei »ihrer bisherigen Politik« weiter beharren. Wir wüßten auch nicht, daß sie als »geschäftsführender Ausschuß der herrschenden Klassen« ihre Politik irgend zu andern Grund hätte. Wer die bisherige Politik zu andern allen Anlaß hat, ist die deutsche Arbeiterklasse. An ihr liegt es – soll der Krieg nicht zum allgemeinen Untergang oder zum Triumph der krassesten deutschen Reaktion führen –, die »bisherige Politik«, nämlich die Politik des Kanonenfutters, abzuschütteln und ihre »Kriegsziele« gegen den Imperialismus öffentlich »bekanntzugeben«.
Der allgemeine Friede läßt sich ohne Umsturz der herrschenden Macht in Deutschland nicht erreichen. Nur mit der Fackel der Revolution, nur im offenen Massenkampfe um die politische Macht, um die Volksherrschaft und die Republik in Deutschland, läßt sich jetzt das erneute Auflodern des Völkermordens und der Triumph der deutschen Annexionisten im Osten und Westen verhindern. Die deutschen Arbeiter sind jetzt berufen, die Botschaft der Revolution und des Friedens vom Osten nach dem Westen zu tragen. Hier hilft kein Mundspitzen, hier muß gepfiffen werden.

Rosa Luxemburg, « Die geschichtliche Verantwortung », Spartakus Nr. 8 (Januar 1918), in: Spartakusbriefe, Berlin, 1958, S. 406-411.

L’Ouvrier Communiste – Faut-il conqué­rir les syndicats ou les détruire ? (1929)

Dans le siècle passé, au début du mouvement de la classe ouvrière, Karl Marx fut porté à considérer dans les organismes syndicaux, les formes par lesquelles la lutte de classe avait abouti à une lutte politique et révolutionnaire. Les expériences du chartisme en particulier contribuèrent à étayer historiquement l’opinion de Marx suivant laquelle les syndicats, école du socialisme, seraient l’arène de la Révolution. Ce jugement ne peut pas être condamné si l’on considère la période historique, où il fut formulé. Mais si l’on se reporte à l’époque actuelle, il faut constater que les syndicalistes ont indignement spéculé sur l’ancienne opinion de Karl Marx, pour attribuer aux formes syndicales l’exclusivité du rôle révolutionnaire. C’est un fait généralement ignoré en France et en Italie, que Marx, en observateur scrupuleux du développement de la lutte des classes, et en adversaire inlassable de toute conclusion dogmatique n’a nullement manqué de réviser son point de vue à la lumière de l’expérience historique. Il se rendit compte que les syndicats enlisés dans les sables de la résistance économique n’étaient plus les organes naturels de la lutte de classe, comme l’affirment encore les épigones de l’école léniniste, (Trotskistes, Bordiguistes, Brandleristes, etc.) mais que leur fonction se limitait à résister à la tendance des capitalistes de réduire au minimum possible les frais d’existence du capitalisme.

Il est avéré que cette résistance des syndicats ne saurait amener aucune amélioration réelle et générale dans la situation ouvrière. La lutte économique dans les limites de la société capitaliste ne permettrait à l’ouvrier que de perpétuer sa vie d’esclavage lors même que les crises de chômage ne viendraient pas enlever à de larges masses leurs moyens d’existence.
D’autre part Marx remarqua que les syndicats manquaient au rôle d’éducateurs révolutionnaires du prolétariat. Et c’était là, pour lui, l’élément essentiel de développement de la lutte de classe vers la victoire du socialisme. Il va de soi qu’aucun révolutionnaire ne saurait perdre de vue le point de vue fondamental qui contient en soi la libération du prolétariat et de la société toute entière. Ce que Marx ne pouvait encore voir, c’est la fin des organisations syndicales dans le marais de la collaboration de classe. C’est ce que nous avons vu pendant et après la guerre.

Après la guerre mondiale et la révolution russe, deux tendances se trouvèrent en face dans le mouvement communiste, deux tendances qui donnaient au problème syndical des solutions complètement différentes. Les uns, les Léninistes, préconisaient la nécessité de conquérir les syndicats, c’est- à- dire de remplacer les chefs réformistes par des chefs communistes, ou bien de révolutionner les syndicats réformistes. Les autres, extrémistes d’Allemagne, tribunistes de Hollande, préconisaient la destruction des syndicats. Aux syndicats, comme instruments de lutte directe de la classe prolétarienne, étaient opposés les conseils révolutionnaires surgis spontanément en Allemagne au cours des mouvements insurrectionnels de 1918- 1919.

Il va de soi que ces deux tendances ne se manifestaient pas sans degrés intermédiaires. Il y avait encore des éléments soit communistes, soit syndicalistes qui préconisaient la sortie des syndicats réformistes, pour former des syndicats révolutionnaires. Il faut remarquer que le léninisme avait déjà rendu compte, surtout pendant la guerre, de la nature contre- révolutionnaire des syndicats et de la nature bourgeoise de leur bureaucratisme. Il est bien étrange que cette étude ne l’ait pas poussé sur des positions radicales. C’est qu’en 1920 l’école léniniste a senti le besoin de capter la sympathie des masses et c’est ainsi qu’elle a amené le mouvement révolutionnaire dans le cercle vicieux de la conquête des syndicats. En fait, la théorie d’après laquelle les syndicats seraient les organes naturels du prolétariat n’avait aucune justification historique. Si même ces organes avaient été tels dans leur origine, ils avaient donné déjà la preuve de leur dégénérescence pendant et après la guerre. Ils n’étaient plus seulement des organes non- révolutionnaires, ainsi que Marx les avaient définis, ils étaient aussi des organes qui avaient mené à la collaboration de classe, à la victoire des forces contre- révolutionnaires. Et ce n’est pas sans déplaisir que nous lisons dans le discours de Bordiga au 2ème congrès du Komintern sur la question parlementaire que «le syndicat même quand il est corrompu reste toujours un centre ouvrier!». Cette affirmation est si enfantine, que n’importe qui peut en saisir 1’évidente inconséquence. Bordiga, qui veut légitimer la théorie de la conquête léniniste, légitime la possibilité de cette conquête même par les organes syndicaux réactionnaires, même par les corporations fascistes. Cette manière d’envisager le problème syndical est d’ailleurs abstraite et anti-historique. Si les syndicats sont corrompus, ce n’est pas certes à cause de l’existence du réformisme. Le réformisme est au contraire un produit de l’évolution des syndicats dans le sens contre-révolutionnaire. Le révisionnisme en Allemagne se développe dans la social- démocratie et la domine, mais il a ses racines, sa force dans les syndicats. La théorie de la conquête, qui admet la régénérescence syndicale, part évidemment du point de vue que des forces extérieures ont corrompu les organismes de la résistance prolétarienne et qu’il faut les chasser pour mettre à leur place des forces révolutionnaires. Si on part de ce point de vue, que la corruption syndicale comme phénomène historique trouve sa raison d’être dans la nature du syndicat, il ne peut être question de vouloir concilier les nouvelles formes révolutionnaires avec les vieilles formes surannées corrompues de la lutte de classe. Cependant les élites politiques révolutionnaires, dont l’embryon se trouvait déjà dans la social- démocratie internationale avant et pendant la guerre et qui se manifestèrent dans les noyaux et partis communistes de l’immédiat après- guerre sont, d’après la théorie de la conquête, les organes surgis pour révolutionner les masses dans le vieil organisme syndical. Mais on va plus loin! Les conseils d’usines, qui ne sont pas le produit d’une action de conquête des masses, les conseils d’usine qui se formèrent surtout en Allemagne après la guerre et qui entrent dans leur forme et activité révolutionnaire en conflit avec les syndicats n’ont aucune importance pour les théoriciens de la théorie de la conquête. En effet la théorie de la conquête, en s’aveuglant sur le conflit entre les syndicats et les conseils, a ravalé ces derniers au niveau d’organes légalisés, subordonnés à la ligne contre- révolutionnaire de la CGT allemande. Ainsi la nature anti-dialectique de la conquête se dégage de l’expérience historique du mouvement allemand. Elle nie le conflit entre les conseils révolutionnaires et les syndicats, c’est-à-dire entre les forces prolétariennes à l’usine et la bureaucratie syndicale. Elle prétend d’employer les nouvelles forces politiques pour régénérer les syndicats; mais toute l’activité des conquérants n’empêche pas ces formes à régénérer de se corrompre de plus en plus. Elle n’empêche pas l’application de l’arbitrage obligatoire: bien mieux les forces de la conquête sont obligées de manœuvrer dans le milieu de la collaboration de classe. Le léninisme qui s’est flatté toujours d’être surtout sur le terrain de la destruction de l’Etat n’a pas compris que les organes corrompus étaient aussi à détruire. Vis- à- vis des syndicats il s’est manifesté totalement réformiste, sinon réactionnaire. L’activité révolutionnaire des élites politiques du prolétariat ne devrait jamais les mettre en travers du processus historique, ne devrait jamais consister à cacher les conflits et à prétendre les résoudre par un système de stratégie à rebours. La faillite de cette stratégie léninienne nous paraît aujourd’hui incontestable. Personne ne saurait le nier si on considère les résultats que nous venons de souligner. Et c’est le comble de l’inconséquence, lorsque les conquérants s’accrochent encore comme à une planche de sauvetage à cette théorie que l’expérience historique a définitivement condamnée. On ne conquiert pas les organisations corrompues, on les détruit. L’extrémisme infantile, contre qui le léninisme, enhardi par ces succès temporaires, dirige en 1920 les traits de son ironie, ne se laissa pas ébranler dans sa théorie de la destruction par la vague d’enthousiasme qui, à ce moment- là, aveugla l’esprit de bien des révolutionnaires. Ce n’était pas là une théorie abstraite et anti- dialectique, qui voulait appliquer à l’histoire des systèmes anodins. Le léninisme, à travers la grande diffusion de ses théories, de ses conceptions, a réussi à répandre une caricature de l’extrémisme. Et Bordiga lui- même contribue à défigurer l’extrémisme, lorsque dans son discours au IIème congrès du Komintern il l’assimile au syndicalisme. Or la théorie «destructive» de l’extrémisme est justement antisyndicaliste. Le syndicalisme idéalise les formes syndicales, il voit en elles éternellement le renouvellement des forces révolutionnaires. Dans le syndicat le socialisme atteint son but, ses formes parfaites.

En résumé pour cette théorie le syndicat est la seule forme, la forme éternelle, qui rajeunit toujours dans la lutte de classe. Le syndicalisme identifie ainsi la lutte des classes avec le syndicat, Et en cela, il ne serait pas bien loin du léninisme, si la question du parti n’était pas là pour les séparer.

Le radicalisme ou extrémisme se rendit compte des modifications que le processus historique a apportées aux formes de la lutte de classe. Il voit bien que ce qui est corrompu ne pourra jamais être guéri. Il est le produit des expériences de l’histoire de la lutte des classes en Allemagne; il est une force vivante qui ressort du développement de la révolution. Ce n’est pas une théorie abstraite, comme le syndicalisme, ce n’est pas un anachronisme dans la révolution prolétarienne de l’Europe occidentale, comme le léninisme. En Allemagne le révisionnisme avait préconisé la collaboration de classe, et ayant ses racines dans les organisations syndicales, avait envahi tous les milieux social-démocrates. La guerre éclatée, le révisionnisme triomphe. La bureaucratie syndicale, l’aristocratie ouvrière avait déjà infecté la social- démocratie et les syndicats. Elles étaient le produit du développement capitaliste et en même temps des formes purement économiques que la lutte de classe avait assumées. Ces formes purement économiques de lutte pour les revendications partielles avaient alimenté au sein de la classe ouvrière le social- chauvinisme, la croyance que les améliorations du prolétariat étaient possibles sous le régime capitaliste. Il va de soi que ce préjugé menait les ouvriers à croire que leur bien- être tenait surtout à la suprématie de leur patrie capitaliste (ce préjugé est encore aujourd’hui très répandu parmi les ouvriers français). Ainsi la lutte pour les moyens d’existence avait dans ses formes syndicales mené sur le seuil de la collaboration de classe. La guerre intégra l’appareil bureaucratique des syndicats dans l’appareil gouvernemental de la bourgeoisie (ce qui arriva même en France pour la CGT). La collaboration de classe fut proclamée officiellement par les organes syndicaux qui nièrent la possibilité de la lutte de classe pendant la guerre, qui poussèrent les ouvriers à la guerre capitaliste, en fidèles valets de l’impérialisme.

La classe ouvrière allemande se trouva ainsi en face d’un phénomène historique qui faisait d’organes originairement classistes, des armes dociles aux mains du capitalisme. Certes les syndicats avaient lutté pour les huit heures, pour les augmentations de salaires, ils avaient su profiter des moments de conjoncture économique pour arracher au capitalisme des concessions qu’on fit respecter même pendant les périodes de crise. Mais ces concessions n’étaient que relatives, quand on considère le gigantesque développement du capitalisme et de ses profits. Elles étaient, comme les événements ultérieurs l’ont montré, extrêmement précaires. Les résultats de la lutte pour les moyens d’existence menèrent à la formation de syndicats, qui englobaient des millions d’ouvriers. Au sommet de ces organismes se forme un appareil bureaucratique centralisé et nombreux. Cette couche bureaucratique, qui puisait ses forces surtout dans la partie la plus privilégiée de la classe ouvrière, l’aristocratie ouvrière, qui n’a jamais compris les aspirations des couches inférieures du prolétariat, ne pouvait pas conserver l’esprit révolutionnaire et classiste. Au contraire elle se détacha totalement dans ses habitudes et ses idées de la classe, d’où elle avait origine. Son idéologie devint ainsi capitaliste et conservatrice. En effet la conservation de cette couche sociale n’était, n’est toujours possible que par la perpétuation du régime capitaliste. La révolution prolétarienne a comme but la suppression de tout ce qui est parasitaire dans la société. Or le bureaucratisme n’est qu’un phénomène parasitaire, que l’essor du capitalisme a développé, que les classes exploiteuses ont, dans leur intérêt, favorisé et étayé. Le bureaucratisme étatique a eu une croissance formidable sous la domination bourgeoise même dans les pays où au début, il n’était qu’un élément négligeable. Le bureaucratisme syndical a marché, dans son développement, de compagnie avec le bureaucratisme d’Etat. En Allemagne, en Angleterre et aux Etats-Unis, ces deux éléments sociaux n’ont aucune différence entre eux. Il n’est pas extraordinaire que le bureaucratisme syndical ait absorbé l’idéologie bourgeoise; qu’il ait essayé, avec succès parfois, la mystification de l’idéologie prolétarienne et la corruption de la classe ouvrière elle-même. Dans son éloignement de la classe ouvrière, comme force historique révolutionnaire, dans sa collaboration avec le capitalisme, la bureaucratie syndicale a idéalisé sa condition sociale dans une théorie de collaboration interclassiste. Il était naturel qu’elle étendit cette théorie à la classe ouvrière tout entière.

Il y a des gens qui expliquent le phénomène de collaboration entre syndicats et Etats comme phénomène transitoire, comme une conséquence d’une accalmie dans la lutte des classes. Ces éléments idéalisent le syndicat; ils font du syndicat une forme éternelle de la lutte de classe. Ils ne saisissent pas la différence qui existe entre le processus tout entier de la lutte de classe et ses formes qui ne sont pas toujours les mêmes. Ces gens sont portés à croire même que, comme nous nions l’idéalisation des formes (qui leur est propre), nous nions même la lutte des classes!

Trotsky, lui- même, ne s’est pas rendu compte que les formes naturelles de la lutte de classe ne sont plus depuis quelque temps, les syndicats. Il affirme dans son document sur 1917, que dans d’autres pays que la Russie les organes de la révolution seront probablement les comités d’usines et même les syndicats. C’est là une confusion évidente. Chez Trotsky l’éclectisme est poussé jusqu’à admettre que ces deux formes de la lutte de classe sont identiques. Dans cette conception le syndicalisme pur est mélangé avec le radicalisme; l’antithèse historique de ces deux formes disparaît, et l’idéologie bureaucratique est assimilée à l’idéologie purement prolétarienne. Le réformisme fait front unique avec la révolution. Il est d’ailleurs étonnant que les éléments de la «Révolution prolétarienne» ne se soient encore aperçus de cet argument que Léon Trotsky leur prête avec tant de légèreté. Ces éléments, par le canal de l’idéalisation des syndicats, en sont arrivés aujourd’hui à l’idéalisation du travaillisme. Louzon, le leader théorique de la ligue syndicaliste, est arrivé, sur la base d’un déterminisme géographique (qui n’a rien à faire avec le déterminisme historique et matérialiste), à trouver le point de ralliement de l’économique et du politique dans le travaillisme anglais et belge. Il a résolu pratiquement et conséquemment, sur le terrain idéologique de la ligue syndicaliste, les problèmes de la révolution que Loriot a théoriquement posés dans sa brochure. Il a donné une forme vivante au fantôme idéologique de Loriot. Chambeland a fait plus. Il a rapproché pratiquement la ligue syndicaliste du travaillisme. Il a fait une apologie très diplomatique de la conciliation obligatoire, a posteriori. Pierre Naville, qui n’a pas encore trouvé une forme précise pour son surréalisme révolutionnaire ajoute une note apologétique à ce tableau travailliste: l’honnêteté révolutionnaire! On ne saurait imaginer rien de plus grotesque que ce rôle de direction dans la révolution attribué au syndicat. Le syndicat qui a brisé tous les mouvements révolutionnaires, avec son bureaucratisme colossal et infect!

Le syndicat qui, en Russie, est aujourd’hui l’arme de l’Etat bonapartiste pour maintenir le régime du triangle dans les usines soviétiques! Le syndicat qui, en Italie, n’a plus de place que dans les formes de la pure oppression du prolétariat, dans les corporations!

Les gens qui ont idéalisé le syndicat jusqu’à en faire l’organe le plus sensible, même le plus révolutionnaire pendant la dictature du prolétariat, n’ont pas considéré les résultats d’un siècle de lutte de classe. Ils n’ont pas vu et ils ne voient pas aujourd’hui encore que la lutte de classe, si d’une part a créé le syndicat, aujourd’hui pour atteindre des formes plus élevées, des formes révolutionnaires, ne peut plus trouver son expression dans les organisations syndicales. Ils ne comprennent pas que, si le point de départ de la lutte de classe est purement économique, le développement de la conscience prolétarienne dépasse historiquement l’impulsion purement économique. La conception de ces gens ravale la dialectique matérialiste au niveau d’une théorie purement utilitariste. Elle n’a pas compris que les formes économiques de la lutte de classe entrent en contraste avec les formes révolutionnaires, justement parce que les premières tendent à donner une limite aux secondes. Certes la lutte économique a offert et elle offre encore un terrain d’expérience qui se restreint d’ailleurs de plus en plus. Les agitations économiques sont même très souvent le point de départ des agitations révolutionnaires (pas toujours). Cette tendance des mouvements économiques à devenir des mouvements politiques est un phénomène, qui trouve sa raison dans la nature des classes. Mais cette tendance spontanée ne pouvait servir par elle- même à la réalisation de la révolution. Sans cela la révolution serait déjà accomplie depuis longtemps. L’élément de spontanéité révolutionnaire trouvait ses limites dans le manque d’expérience de la classe ouvrière. Et ces limites ramenaient les masses sur les positions économiques initiales. Les syndicats ont été et sont l’expression organisée de ces limites. Certes la spontanéité de la lutte de classe, ses mouvements tendent à se généraliser, ses degrés de puissance sont pendant certaines périodes en un crescendo de plus en plus accentué. Et cette spontanéité a mené, en Allemagne et en Italie (au moment de l’effervescence révolutionnaire la plus intense), à la formation plus ou moins incomplète des conseils d’usine. En Italie, la spontanéité du mouvement révolutionnaire a revêtu une forme originelle au point de vue historique. Dans l’occupation des fabriques la spontanéité du mouvement a poussé la classe ouvrière jusqu’à l’expropriation directe des usines réalisée non par un arrêté d’un gouvernement constitué, mais par l’action des masses ouvrières les plus avancées. Il ne faut d’ailleurs pas confondre cette action révolutionnaire avec l’action purement syndicale, qui n’est jamais allée au delà de l’échelle mobile, et d’une politique de tarifs, qui était un non-sens au point de vue révolutionnaire. Le mouvement des métallurgistes italiens dépasse justement les limites de ce qu’il est convenu d’appeler l’économique. Ici on pourrait nous faire remarquer qu’il n’y a pas de pur économique au point de vue marxiste, que tout mouvement économique est un mouvement politique embryonnaire. Nous avons déjà fait remarquer qu’il existe une tendance dans tout mouvement économique du prolétariat à devenir un mouvement politique, mais nous avons remarqué qu’il y a des forces qui ramènent ces mouvements dans les limites de l’économique. C’est-à-dire que l’élément économique a un double aspect. Il se déroule sur la base d’un dilemme: la lutte pour les moyens d’existence ou la lutte pour la révolution. Jusqu’à présent il n’y a que très peu d’exemples, que ce dilemme ait trouvé une solution historique révolutionnaire, et cela est arrivé toujours en dehors des formes d’organisation syndicale. L’exemple de l’occupation des fabriques nous montre le chemin que la révolution prendra dans le prochain avenir en Italie. Il dépasse dans sa spontanéité toutes les méthodes précédentes de lutte. En outre il se présente comme un phénomène d’unité réelle: il faut remarquer que ce mouvement au début, fut une initiative de la catégorie des métallurgistes, se répandit parmi les autres catégories. Et si ce mouvement n’avait pas été arrêté, il aurait atteint la totalité de la classe ouvrière. Beau¬coup de monde croit qu’il fut le produit de l’action syndicale de la fédération métallurgiste. Angelica Balabanoff dans ses mémoires prétend diminuer l’importance de ce mouvement, lorsqu’elle fait allusion à un mouvement analogue, qui aurait été provoqué en vérité par les fascistes avant l’occupation des fabriques en septembre 1920. Elle ne donne aucune importance au grand mouvement de septembre et n’essaie d’aucune façon d’en analyser les causes et développement. Il est évident que pour elle ainsi que pour autant d’autres, il s’agit d’une action purement syndicale. Il faut d’abord remarquer que l’occupation de septembre fut précédée par deux mouvements très significatifs. Le mouvement des conseils d’usines à Turin et l’occupation de la Kliani et Silvestri à Naples. Le premier fut poussé sur un terrain purement réformiste par les éléments communistes de l’Ordine Nuovo, sur le terrain du contrôle de la production. L’occupation de la Fliani et Silvestri, fut dans son isolement, si on considère qu’il se produisit à Naples, un peu plus loin du véritable centre industriel, un symptôme très significatif des tendances révolutionnaires qui agitaient les masses italiennes. Il se résolut par la résistance des ouvriers aux forces de police et par l’assassinat d’un membre du Soviet, qui s’était constitué à l’intérieur de l’usine occupée. La grande occupation de septembre 1920 fut provoquée par l’occupation spontanée de la part des ouvriers de quelques usines de Ligurie et de Milan. Ce fut à la suite de ces mouvements spontanés que la Fédération des Métallurgistes prit l’initiative de l’occupation des fabriques, qui se serait développée d’ailleurs au-dessus de la volonté des dirigeants du mouvement syndical. Et ce ne furent pas seulement les ouvriers de cette organisation, mais la totalité des ouvriers métallurgistes, qui participèrent à ce mouvement… Les dirigeants de la Fédération déclarèrent que le caractère du mouvement était purement économique. Le mouvement des conseils, qui se développa au cours de l’occupation des fabriques préoccupait extrêmement les fonctionnaires syndicaux, qui lui proposèrent comme les Ordinovistes à Turin un rôle réformiste de contrôle sur la production. Il est bien étrange et contradictoire que Bordiga ait empoigné cet argument non pas seulement pour condamner l’«Ordinovisme», mais pour revendiquer le rôle classique de la CGT italienne. Bordiga prouve dans cette circonstance de n’avoir pas saisi la réalité du conflit, qui s’est déroulé pendant l’occupation des fabriques en Italie. Évidemment pour lui la tradition classiste de la CGT italienne l’emporte sur les conseils, qui lui paraissent même des organes réformistes. Il va de soi que la forme que les ordinovistes et les réformistes italiens essayèrent de prêter aux comités d’usine était réformiste. Mais leur forme réelle n’était pas la forme que les réformistes ont essayé de leur prêter. Leur forme réelle tendait à se réaliser en hégémonie politique et en cela elle était révolutionnaire. Le développement ultérieur de l’occupation des fabriques aurait donné aux conseils d’usines le rôle de direction politique. Mais les limites de l’économique, représentées non pas seulement par la Fédération Métallurgiste et par la CGT italienne, mais par toutes les organisations syndicales (Union Syndicale Italienne, Fédération des Dockers, Syndicat des Cheminots, etc.), toutes les organisations politiques imposèrent au mouvement des limites économiques ou bien les acceptèrent sans opposer une résistance quelconque, ce qui revient au même. Parmi eux se trouvaient aussi les éléments qui fondèrent le Parti Communiste, quatre mois après à Livourne.

Le mouvement de septembre 1920 en Italie prouve une fois de plus, que si le point de départ économique peut mener le prolétariat jusqu’à des positions spontanément révolutionnaires, les syndicats tendent à le ramener sur le point de départ. La victoire des conseils en Italie était la fin des organisations syndicales. Et pourtant il faut remarquer que le développement de l’aristocratie ouvrière avait été extrêmement faible en Italie. Et la bureaucratie syndicale était vis- à- vis de celle des autres pays, relativement limitée, bien qu’elle ne fut ni moins corrompue, ni moins astucieuse.

Les organisations syndicales qui avaient à leur tête des socialistes d’extrême gauche, des anarchistes, des syndicalistes révolutionnaires ne furent pas moins que les autres des organes qui s’opposèrent à la marche de la révolution, qui la ramenèrent dans les limites de l’économique, qui provoquèrent l’offensive réactionnaire et la défaite du prolétariat. Ces organisations, où le maximalisme verbal des chefs exprimait en général la crainte des masses révolutionnaires, ont été dans le processus révolutionnaire de la lutte des classes en Italie des organismes contre- révolutionnaires. Le chemin de la révolution en Italie comme ailleurs n’est pas celui des syndicats. La tentative d’un renouvellement de l’expérience syndicale, après la fin ignominieuse de ce mouvement est un anachronisme contre- révolutionnaire. Collaborer à restaurer des organes en qui la révolution a déjà découvert des ennemis, signifie travailler dans le sens de la contre-révolution.

«Prométéo» a constaté justement que nous nions toute forme d’organisation de masse en Italie. Nous ferons remarquer que depuis notre départ de la fraction bordiguiste, nous avons commencé à penser, à réfléchir avec un cerveau plus libre. Sans aucun engagement disciplinaire, qui nous força au crétinisme dogmatique, nous avons dû regarder la réalité en face. Elle nous a paru un peu différente de celle qu’on nous avait fait voir. Et la réalité que nous avons vue et examinée n’est pas le rêve de notre pensée, c’est bien l’histoire du mouvement classiste en Italie. II y a bien, nous le savons, des organisations de masses en Italie: ce sont les corporations fascistes qui sont, aussi bien que les syndicats en Allemagne, en Russie, etc., les geôles de la conscience de classe, de l’esprit prolétarien. Les corporations sont vis-à-vis des syndicats, ce que le fascisme est vis-à-vis du réformisme. C’est- à- dire deux choses parfaitement analogues et complémentaires. Tels sont les derniers éléments d’expérience dans le spontané: là, où les syndicats n’ont pas, à travers une évolution et corruption graduelle, due à une très forte aristocratie ouvrière et bureaucratie syndicale, atteint progressivement la collaboration de classe ou le fascisme économique, ils n’en ont pas moins joué un rôle contre- révolutionnaire.

Pour trancher le problème de la nécessité de détruire les syndicats, pour mettre en relief l’importance et la signification historique du conflit entre syndicats et conseils révolutionnaires, il n’est pas inutile de se rendre compte de l’énorme influence qui fut exercée par le mouvement des conseils d’usine sur les courants idéologiques d’Allemagne.

Reconnaissons d’abord que, même avant la guerre, Rosa Luxembourg avait déjà envisagé le conflit entre la lutte pour le morceau de pain et la lutte pour la révolution (en particulier dans la brochure «Sozialreform oder Revolution»). Seulement la théorie n’a pas le pouvoir de réaliser les problèmes à priori et Luxembourg ne pouvait prévoir les formes concrètes de cette lutte. Au contraire les conseils en se développant dans les usines comme les organes de la lutte révolutionnaire apportaient la solution historique, et cela, non parce qu’ils étaient tout simplement des organismes préférables aux syndicats par leur structure organisatoire, mais parce qu’ils étaient le produit d’un niveau élevé de conscience historique.

On méconnaît ou l’on ignore en France l’influence que le mouvement des conseils exerça sur les meilleurs théoriciens et combattants révolutionnaires, sur Rosa Luxembourg et Karl Liebknecht. Nous lisons dans le «Discours sur le Programme», prononcé le 30 décembre 1918 par Rosa au Congrès de fondation du Spartacusbund, et dont on trouvera la traduction dans les numéros 11 et 12 de la «Lutte de Classes», l’appréciation suivante du mouvement des conseils révolutionnaires:

«Camarades, c’est là un champ énorme à labourer. Il faut préparer d’en bas aux conseils d’ouvriers et soldats un tel pouvoir, que quand le gouvernement Ebert-Scheidemann ou n’importe quel gouvernement semblable sera renversé, ce ne sera que le dernier acte.»

(…) «Nous devons prendre le pouvoir, nous devons poser la question de la prise du pouvoir de cette manière: que fait, que peut faire, que doit faire chaque conseil d’ouvriers et de soldats dans toute l’Allemagne?»

(…) «La direction des luttes économiques et l’amplification de ces luttes dans des voies de plus en plus larges doit être entre les mains des conseils ouvriers.» En attribuant aux conseils d’usine même la direction de la lutte économique, Rosa Luxembourg ne niait- elle pas le rôle des syndicats dans la lutte de classe, ne tirait-elle pas la leçon de la grande guerre et de la collaboration ouverte des syndicats avec le gouvernement, de leurs déclarations «pas de lutte de classe en temps de guerre»? Ne voyait- elle pas dans les conseils l’expression directe de l’universalité de la classe ouvrière guidée par ses éléments les plus exploités et les plus révolutionnaires, se substituant comme organisme de classe à la représentation par un appareil de bonzes syndicaux alimentés par les privilèges corporatifs? Et Karl Liebknecht n’était-il pas d’accord avec elle lorsqu’il s’écriait:

«La social-démocratie et les syndicats allemands se sont souillés dans leurs chefs depuis la tête jusqu’aux pieds… Ils ont anéanti l’édifice, jadis si superbe, des organisations ouvrières. Ils ont placé le mouvement prolétarien en face de la nécessité d’une lutte intestine meurtrière qui durera des années… Une lutte qui ne paralysera pas les forces révolutionnaires du prolétariat, qui ne les affaiblira pas non plus, car les forces des éléments révoltés, délivrés du fétiche disciplinaire et de l’organisation bureaucratique forceront la marche vers la révolution…»

Et plus tard, à la veille de sa mort, le héros prolétarien, flétrissant dans les «Annotations politiques» les réformistes Legien et Kirdorf, écrivait ceci: «Unité de l’esprit de lutte – oui, et pour toujours- unité de la forme morte, qui tuerait l’esprit de lutte, jamais. La destruction d’une organisation qui représente une chaîne pour la classe ouvrière» (il s’agit de la Confédération allemande du Travail) «aboutit à rendre à la classe ouvrière sa force de combat. Conserver et renforcer cette chaîne, aboutit à précipiter la classe ouvrière dans le malheur.»

Ici, la pensée de Karl Liebknecht ne proclame pas seulement la nécessité de la destruction des syndicats réformistes, elle frappe par avance les partisans de la conquête. Lorsque Lénine raillait d’un air méprisant l’»Infantilisme « allemand, c’est aussi sur Liebknecht et sur Rosa que tombaient ces railleries, destinées aux représentants les plus clairvoyants et les plus courageux de la partie la plus consciente du prolétariat mondial. L’histoire a déjà fait justice dans son développement inexorable. Ce sont les Léninistes eux- mêmes, qui à la dernière session de l’Exécutif du Kommintern ont dû reconnaître la faillite de la conquête. Ils admettent aujourd’hui que les syndicats réformistes sont entièrement soudés avec l’appareil étatique de la bourgeoisie, que les millions d’adhérents de la Confédération allemande du Travail sont sous la domination absolue, numérique et idéologique, de l’aristocratie ouvrière. Les léninistes de la IIIème Internationale reconnaissent cela non parce qu’ils sont des révolutionnaire sincères en train de reconnaître leurs erreurs, mais parce que l’Etat bonapartiste russe ne peut chercher un terrain d’influence dans la classe ouvrière internationale que parmi les éléments qui ne sont pas liés par leur situation et leur organisation aux divers Etats nationaux des autres bourgeoisies d’une manière profonde et renforcée, comme c’est le cas pour les aristocrates ouvriers et la bureaucratie réformiste. Le Stalinisme abandonne des positions sur lesquelles il n’avait plus aucune possibilité de manoeuvre; ce n’est pas la dernière des surprises que le néo-capitalisme russe nous prépare, que ce cours à gauche dans lequel il est réservé à la bureaucratie soviétique de liquider le léninisme, dont elle se réclame, comme une tactique définitivement dépassée par les événements sur le terrain de l’Europe occidentale.

Aujourd’hui les théoriciens et les apologistes de la conquête, les défenseurs de la tradition et de l’unité syndicale ont pour base le mécontentement des éléments aristocratisés et réformistes des sections occidentales de la IIIème Internationale, leur aspiration à une collaboration plus fructueuse que celle qui les enchaîne à Moscou, à une collaboration avec leur propre bourgeoisie et leur propre gouvernement. Les droitiers de tous les pays, guidés par les bureaucrates dégommés du léninisme, exaltent la neutralité syndicale, aspirent au travaillisme. Cela nous vaut la bonne fortune de retrouver dans l’opposition de droite, à la dernière étape d’une longue dégénérescence, l’ancien gauchiste Paul Frölich qui proclamait en 1919 dans la «Correspondance Communiste des Conseils» (n°11):

«Les syndicats n’ont ni aujourd’hui, ni demain, le moindre rôle à remplir. Ils sont devenus une entrave à la révolution par conséquent il ne reste qu’à les détruire… L’organisation nécessaire pour la lutte révolutionnaire c’est l’organisation sur la base d’usine, que le PC allemand devra édifier.»

Il est absolument impossible de ne pas reconnaître que la situation en Allemagne en 1919 exigeait une rupture complète avec la Confédération Générale du Travail et un travail révolutionnaire sur la base des conseils d’usine. Telle fut en effet l’orientation primitive du Spartacusbund et du Parti Communiste. Dans le 3° «Bulletin de Combat» du Parti (6 mai 1920), il était proclamé que les Conseils d’Ouvriers ne pouvaient maintenir de lien avec les organisations (la Confédération générale) qui servent le patronat contre la classe ouvrière révolutionnaire. A la réunion plénière des conseils d’usines de la banlieue berlinoise (octobre 1920), il fut voté à l’unanimité et sous l’influence prépondérante du Parti Communiste une résolution affirmant entre autres «qu’aucune place ne pouvait être accordée aux organisations qui n’étaient pas fondée sur la base du pur système des conseils d’usines.» Utilisant contre ce courant spontané de la conscience révolutionnaire en Allemagne l’autorité des héros d’Octobre, les hésitations des masses, l’appui des ralliés social- démocrates, et surtout le prestige illimité de la Révolution russe, l’Internationale, sous la direction de Lénine, imposa au Parti Communiste Allemand un complet changement de route. On entre dans l’organisation réformiste pour la conquérir, et l’on déserta les conseils comme base d’action. Le divorce entre le mouvement des conseils et le Parti Communiste, le rattachement des conseils au mouvement réformiste et à l’Etat avec la complicité des communistes officiels, l’isolement des noyaux de résistance révolutionnaire et prolétarienne qui subsistèrent et se prolongent encore actuellement sur la base des usines, tout cela déroula à partir de 1921 une phase de dégénérescence d’où les conseils ouvriers sortirent légalisés, syndicalisés, vidés de leur contenu révolutionnaire originel. La démonstration fut faite une fois de plus qu’aucune organisation ne saurait être garantie contre la dégénérescence par la nature de son origine ou de sa structure. Les syndicats ont eu, eux aussi leur époque de travail sain et utile, mais tandis qu’ils furent protégés artificiellement contre la montée révolutionnaire des masses par les dirigeants communistes eux- mêmes, les conseils au contraire ont été, en Allemagne, artificiellement conduits à la dégénérescence par ces mêmes communistes.
La naissance du mouvement pour les conseils révolutionnaires n’est pas encore vieille de douze années, et a été un trait caractéristique de l’ascension et de la culminance révolutionnaire en Europe occidentale. Rien n’autorise à nier que ce même mouvement sous des formes différentes, mais analogues, ne soit pas destiné à réaliser dans un avenir rapproché la tâche révolutionnaire qu’il s’était fixé en 1919: destruction des syndicats et prise du pouvoir sous la forme de la dictature directe de la classe ouvrière.

C’est pour préparer les voies au prochain élan de la classe ouvrière européenne que l’élite des lutteurs prolétariens allemands, groupés dans le Parti Communiste Ouvrier et dans quelques autres organisations comme l’Union Générale Ouvrière (qui ont malheureusement, semble-t-il, abdiqué une part de leur intransigeance), continuent la lutte depuis dix ans, face au léninisme, sur la base des organismes d’usines et sur la «terrain du marxisme révolutionnaire.
Quant à nous, nous ne revendiquons pour notre position aucune originalité: nous avons participé à une expérience révolutionnaire moins complète que celle de nos camarades allemands, et ils nous a naturellement été particulièrement difficile de nous assimiler les conclusions de l’histoire dans la mesure où elles ne s’étaient pas imposées à nous par la pratique, et en particulier de nous dégager de l’autorité et de la discipline des chefs. Ancrés à la tradition bordiguiste, il nous a fallu de longs efforts pour chasser de notre pensée le système de préjugés qui nous cachait encore cette réalité, puisée directement dans la lutte de nos camarades allemands. C’est une grande joie pour nous d’y être parvenus.

Comme nous l’avons fait entrevoir précédemment, le développement révolutionnaire en Italie s’est manifesté sur la base d’un conflit entre syndicat et usine, mais n’a pas trouvé d’expression énergique dans le mouvement idéologique. En Allemagne, il a dépassé les limites du pur objectif ou spontané et s’est reflété dans l’idéologie avec une particulière énergie. Le conseil ouvrier domine et dans la lutte révolutionnaire et dans la pensée des idéologues prolétariens. Il n’y a chez ces derniers aucun dogmatisme, aucun aspect de stabilité définitive, ces évolutions de la pensée marxiste étant précisément le reflet d’une réalité révolutionnaire et prolétarienne pure qui explique précisément le conflit avec l’éclectisme léniniste.

L’origine du mouvement syndical est caractérisé comme suit par Karl Marx: «La tendance générale de la production capitaliste ne se traduit pas par la hausse, mais par la baisse du salaire normal moyen». Pour se défendre contre «l’agression du capital» dirigée contre le niveau d’existence de la classe ouvrière, le prolétariat est porté à opposer une résistance à la tendance générale du capitalisme. Pour Marx, en 1864, cette résistance économique du prolétariat menait à des résultats positifs, en ce sens que le relèvement des salaires ne modifie pas dans son en¬semble le prix des marchandises, et correspond par conséquent à une réduction générale des profits capitalistes. Marx, en effet, a combattu la thèse de l’anglais Weston selon laquelle les salaires règlent le prix des marchandises (si les salaires montent, les prix montent, disait Weston), en constatant que cette thèse se réduit à une tautologie et en lui opposant sa théorie de la valeur d’échange. Il est évident que ceci est pleinement valable pour un marché «libre». Mais si Marx avait raison en 1864 quand le monopole n’était qu’une simple tendance, il n’en est pas moins vrai que le capitalisme monopoliste et trustifié (qui n’est pas le capitalisme sans concurrence de Boukharine) a entre ses mains le moyen de s’opposer à la baisse des prix, ou de s’opposer par leur hausse à une diminution du profit en cas de hausse des salaires nominaux. En fait l’augmentation des salaires réels n’existe plus depuis de longues années pour l’ensemble des couches ouvrières. La lut¬te pour les tarifs a cessé de représenter un objectif positif commun à tous les ouvriers. Elle ne donne de résultats que pour des couches ouvrières limitées, et cela dans la mesure même où elle n’entraîne pas par la généralisation du succès, la réaction du capitalisme sous la forme de la hausse des prix… (coalition, inflation)…

Pour le prolétariat, comme classe, le mouvement syndical est une impasse dans l’état actuel du capitalisme. Alors que les syndicats au siècle dernier représentaient les organes d’unification du prolétariat dans la résistance à la baisse des salaires, ils représentent, aujourd’hui , des organismes par lesquels s’introduit une inégalité de conditions et de situa¬tions dans la classe prolétarienne. Pour le grand nombre ils sont un instrument inutile, pour d’autres, un moyen pour se constituer des privilèges et les sauve¬garder par des compromis de classe…

En lui- même le mouvement syndical ne peut être ni toute «la lutte de classe», ni toute «l’école du socialisme». Cela a été signalé par Marx lui- même dans l’ouvrage déjà cité: les syndicats «manquent à leur but général, car ils se limitent à une guérilla contre les effets immédiats du système actuel, au lieu de travailler à son renversement, au lieu d’employer à son émancipation définitive, c’est-à-dire à la suppression du salariat, la force organisée de la classe ouvrière». Aujourd’hui que l’évolution de la situation a fait des syndicats des organismes dont on ne peut voiler le rôle réactionnaire en face de la révolution mondiale, les droitiers se raccrochent à une explication portant sur la nature même du fait syndical, comme mouvement «élémentaire» des masses ouvrières. Au lieu de considérer que les formes idéologiques d’une époque ne sont valables que pour elle, et deviennent ensuite contre- révolutionnaires – et que tel est le cas du syndicalisme qui a subi une régression continuelle depuis sa légalisation à la fin du siècle dernier – ils prétendent faire de la faillite des syndicats la faillite de l’initiative et de la spontanéité ouvrière, ils identifient l’économique au spontané, la structure archibureaucratique des syndicats à une création autonome du prolétariat… Ils prétendent avec Lénine que «la classe ouvrière livrée à ses seules forces ne peut arriver qu’à la conscience trade-unioniste.». Ainsi donc le prolétariat ne serait sensible qu’à une des faces de la réalité, il ne réagirait qu’à certains éléments de sa propre condition, il ne systématiserait ses réactions que d’une manière si incomplète qu’elle impliquerait une impuissance définitive, n’était l’intervention providentielle du «révolutionnaire professionnel». Dans «Que faire» Lénine sépare l’idéologie politique communiste du développement historique du prolétariat. Pour lui, la conscience révolutionnaire du prolétariat est un reflet de l’idéologie socialiste, qui est «le résultat naturel et fatal du développement de la pensée chez les intellectuels socialistes-révolutionnaires». Pour Lénine le socialisme est donc «un élément importé du dehors et non quelque chose qui en surgit spontanément».

Sur cette base théorique on comprend très bien pourquoi Lénine est arrivé en 1919 à la théorie de la conquête. Il a voulu introduire du dehors dans les syndicats l’idéologie, la conscience socialiste. Lénine ne voit donc pas de degrés de la conscience révolutionnaire. Cette conscience est un a priori, qui n’évolue pas au fur et à mesure que la lutte de classe évolue. Dans sa substance l’idéologie socialiste reste quelque chose d’immobile. En effet, si Lénine avait simplement envisagé les deux processus de l’idéologie socialiste et de la lutte de classe comme séparés (ce serait là une erreur aussi), évoluant parallèlement, il n’aurait pas pu parler d’un élément importé du dehors. Comment peut- on imposer un élément du dehors s’il n’est pas précis, s’il revient toujours? Mais on voit clairement que chez Lénine la pensée socialiste est déjà quelque chose de complet, une science exacte à laquelle le prolétariat ne contribue d’aucune manière. Le degré de conscience révolutionnaire est donc écarté chez les masses. Celles- ci auraient simplement la possibilité d’absorber en degrés la conscience socialiste qui plane sur leur tête. Lénine n’a pas vu qu’il y a un rapport entre le développement de la lutte de classe et l’idéologie socialiste, qui a juste¬ment des degrés, de la conscience prolétarienne qui évolue et qui influe sur le développement de l’idéologie socialiste. Lénine tombe ainsi dans la métaphysique et dans les vérités absolues. C’est là du reste le fond de sa pensée philosophique! Dans son livre «L’Empirio-Criticisme» où il avance des arguments très justes contre le Machisme, il ignore la relativité de la réalité actuelle dans le subjectif et l’objectif. Il peut seulement sembler contradictoire que dans ce livre c’est surtout l’objectif qui est condamné à l’immobilité. Il en est de même dans «Que faire?». L’erreur fondamentale de la théorie de la conquête est là. Elle découle de cette rigidité métaphysique de la pensée de Lénine qui, à son tour, résulte des conditions objectives de la Russie, où la révolution ne pouvait être purement prolétarienne. Ce sont là des traces évidentes de la nature équivoque de l’idéologie de Lénine, semi- bourgeoise et semi-prolétarienne.

La base marxiste n’a que ceci de définitif: la liquidation du définitif, de l’immobilité métaphysique. Elle n’envisage pas une conquête par en haut de la masse prolétarienne. Elle étudie les formes de la lutte de classe et en tire des conclusions, qui n’ont rien à faire avec la soi- disant stratégie a priori du léninisme. Elle ne nous impose pas des formules dogmatiques, qui deviennent ensuite des armes de réaction. Au demeurant, pour Marx, la classe ouvrière ne peut briser ses chaînes que par sa propre initiative et par sa seule force. Il est évident que Marx identifiait le développement de l’idéologie prolétarienne à cette force. L’idéologie communiste n’est pas une simple tradition d’intellectuels bourgeois, qui ont analysé et condamné la structure économique et politique de la société bourgeoise, mais une force qui se développe toujours, qui s’enrichit toujours de nouveaux éléments. Ces progrès de l’idéologie révolutionnaire sont subordonnés au développement de la lutte de classe. Il n’est pas vrai que la classe ouvrière livrée à ses propres forces ne puisse arriver qu’à la conscience trade-unioniste. L’exemple italien où toutes les forces politiques qui se réclamaient de la classe ouvrière jouèrent un rôle contre-révolutionnaire, prouve que la spontanéité de la classe ouvrière a dépassé dans l’action tous les éléments idéologiques. En Allemagne, en Russie même, les conseils en sont une preuve frappante. Et la constitution artificielle de partis communistes en France et ailleurs n’a d’aucune sorte élevé le niveau idéologique du prolétariat. L’idéologie subit les influences de la lutte prolétarienne, elle est conditionnée par la dialectique des forces antagonistes. Que la classe prolétarienne soit agressive, que ses attaques deviennent de plus en plus furieuses et on assistera à un nouvel épanouissement de l’idéologie socialiste. Certes la force, le dynamisme des masses se fait encore ressentir dans la période de reflux des forces révolutionnaires où l’arme de la critique continue son investigation incessante. Mais si le reflux devient une longue période de stagnation, nous assistons à une décomposition de plus en plus accentuée dans les orga¬nisations politiques, à un effritement de celles- ci.

Mais pourquoi, si l’idéologie, si les formes politiques de la lutte de classe, sont une simple partie du développement révolutionnaire, le prolétariat n’a-t-il pas vaincu dans sa dernière offensive contre le capitalisme? Nous avons déjà répondu ailleurs à cette question. Parce que le prolétariat n’avait pas atteint un degré suffisant d’expérience, de conscience révolutionnaire. Ce n’est pas parce qu’un parti vraiment révolutionnaire manquait, mais c’est justement parce qu’il manquait les prémisses de ce parti. Faut- il admettre comme impossible la formation d’une conscience politique au sein de la classe ouvrière? Rosa Luxembourg envisage ce problème dans un article écrit avant la guerre et répond négativement: il n’est pas possible que le prolétariat puisse atteindre comme classe le niveau idéologique atteint par la bourgeoisie française avant la révolution. Le prolétariat n’a pas les moyens économiques pour y arriver. Certes, le prolétariat n’a pas encore les moyens matériels pour arriver à développer la science ainsi que l’a fait la bourgeoisie avant la révolution, il n’a pas la possibilité d’épanouir ses forces intellectuelles jusqu’au point à en faire un levier pour un nouveau bouleversement technique et social de la société. Mais cette constatation ne doit pas nous mener à une négation totale des forces spirituelles du prolétariat qui ont déjà donné la preuve de leur puissance. Déjà, dans son discours sur le programme, Rosa Luxembourg commence à voir clairement que les énergies révolutionnaires trouvent leur racine dans la masse vivante du prolétariat. Elle a condamné aussi la «conquête». C’est qu’un siècle de lutte économique nous a donné une base d’expérience suffisante pour comprendre que cette méthode, étant donné le développement international du capitalisme, n’offre pas en elle-même une solution, que les organisations basées sur cette méthode ne peuvent qu’aboutir à la collaboration de classe.

Un nouvel aspect de structure n’est pas une sauvegarde éternelle contre le glissement dans l’opportunisme. Si du reste ces organismes se proposent en effet de transformer les luttes économiques du prolétariat, en mouvement révolutionnaire, que ne le font- ils sans conduire le prolétariat au compromis avec le patronat. La participation à toute lutte partielle du prolétariat est indéniablement nécessaire, mais la constitution d’organismes permanents basés sur les formes inférieures de la conscience et de la lutte classistes n’a plus de raison d’être en un temps où la révolution doit pouvoir surgir d’un moment à l’autre. Tout organe qui cherche dans une voie trompeuse le salut de la classe ouvrière, à l’heure où celui- ci ne peut être trouvé que dans la prise du pouvoir, est, par cela même, un agent de la contre-révolution. C’est justement pourquoi la méthode léniniste qui con¬siste à se tromper avec les masses, à les aider à se tromper, pour obtenir d’elles une confiance (bien mal placée) et se mettre à leur tête, est une méthode réactionnaire, enchaînant la conscience ouvrière aux erreurs du passé, et fournissant des remparts à la contre-révolution. Nous savons bien qu’on nous objectera que même le réformisme syndical est en avant des masses, que les masses sont passives et ne peuvent être amenées directement sur le terrain de la lutte politique. C’est supposer que les masses ne peuvent pas s’ébranler d’elles-mêmes pour l’assaut, sous le choc des événements. Car alors les remparts qu’on bâtit «en avant des masses» ne seront que des obstacles sous leurs pas, à l’heure de la révolution. Si les partis politiques et les syndicats actuels ont surtout pour con-tenu la partie du prolétariat qui peut obtenir actuellement quelque chose du ca¬pitalisme, ou qui se figure pouvoir l’obtenir, pourquoi les couches inférieures et profondes de la classe ouvrières, qui n’ont rien à espérer, et qui le sentent obscurément, viendraient-elles aujourd’hui à l’organisation? Pour qu’elles y viennent, il faut qu’on leur mente, qu’on leur fasse croire qu’elles attraperont quelque chose en luttant dans le sens réformiste, d’une façon conciliante, ou même d’une façon agressive. Pourquoi ne pas leur dire tout de suite la vérité? Pourquoi ne pas leur dire que les syndicats sont les organes de l’aristocratie ouvrière, que les partis sont corrompus par leur adaptation au régime qu’ils se proposent d’abolir, que la classe prolétarienne pendant la crise mortelle du capitalisme, doit concrétiser dans les organisations d’usines les résultats de son expérience, prendre conscience par elle- même des développements historique accélérés qui la mettent en face de sa tâche ou de son suicide, et se lancer à corps perdu dans une mêlée où les prolétaires «ont un monde à gagner, et tout au plus des chaînes à perdre».

L’Ouvrier Communiste, février, octobre et novembre 1929.

Rosa Luxemburg – Tolstoi als sozialer Denker (1908)

In dem genialsten Romanschriftsteller der Gegenwart lebte von Anfang an neben dem rastlosen Künstler ein rastloser sozialer Denker. Die Grundfragen des menschlichen Lebens, der Beziehungen der Menschen zueinander, der gesellschaftlichen Verhältnisse beschäftigten seit jeher tief das innerste Wesen Tolstois, und sein ganzes langes Leben und Schaffen war zugleich ein unermüdliches Grübeln über »die Wahrheit« im Menschenleben. Dasselbe rastlose Suchen nach Wahrheit wird gewöhnlich auch einem anderen berühmten Zeitgenossen Tolstois, Ibsen, nachgesagt. Während aber in den Ibsenschen Dramen der große Ideenkampf der Gegenwart in dem großspurigen, meistens kaum verständlichen Puppenspiel zwerghafter Gestalten grotesken Ausdruck findet, wobei der Künstler Ibsen unter den unzureichenden Anstrengungen des Denkers Ibsen kläglich erliegt, vermag die Denkarbeit Tolstois seinem künstlerischen Genie nichts anzuhaben. In jedem seiner Romane fällt diese Arbeit irgendeiner Person zu, die mitten in dem Getümmel lebenstrotzender Gestalten die etwas linkische, ein wenig lächerliche Rolle eines verträumten Räsoneurs und Wahrheitsuchers spielt, wie Pierre Besuchow in »Krieg und Frieden«, wie Lewin in »Anna Karenina«, wie Fürst Nechljudow in der »Auferstehung«. Diese Personen, die immer die eigenen Gedanken, Zweifel und Probleme Tolstois in Worte kleiden, sind in der Regel künstlerisch am schwächsten, schemenhaftesten gezeichnet, sie sind mehr Beobachter des Lebens als mitwirkende Teilnehmer. Allein die Gestaltungskraft Tolstois ist so gewaltig, daß er selbst nicht imstande ist, die eigenen Werke zu verpfuschen, wie sehr er sie in der Sorglosigkeit eines gottbegnadeten Schöpfers mißhandeln mag. Und als der Denker Tolstoi mit der Zeit über den Künstler den Sieg davongetragen hatte, so geschah es nicht, weil das künstlerische Genie Tolstois versiegte, sondern weil ihm der tiefe Ernst des Denkers Schweigen gebot. Wenn Tolstoi in dem letzten Jahrzehnt statt herrlicher Romane nunmehr künstlerisch oft trostlose Traktate und Traktätchen über Religion, Kunst, Moral, Ehe, Erziehung, Arbeiterfrage schrieb, so war es, weil er mit seinem Grübeln und Denken zu Ergebnissen gelangt ist, die ihm sein eigenes künstlerisches Schaffen als eine frivole Spielerei erscheinen ließen.
Welches sind nun diese Ergebnisse, welche Ideen verfocht und verficht jetzt noch bis zum letzten Atemzuge der greise Dichter? Kurz gefaßt, ist die Ideenrichtung Tolstois bekannt als eine Abkehr von den bestehenden Verhältnissen mitsamt dem sozialen Kampf in jeglicher Gestalt zu einem »wahren Christentum«. Schon auf den ersten Blick mutet diese geistige Richtung reaktionär an. Gegen den Verdacht freilich, als hätte das von ihm gepredigte Christentum irgend etwas mit dem bestehenden offiziellen Kirchenglauben zu tun, ist Tolstoi schon durch den öffentlichen Bannstrahl geschützt, mit dem ihn die russische orthodoxe Staatskirche getroffen hat. Allein auch eine Opposition gegen das Bestehende schillert in reaktionären Farben, wenn sie sich in mystische Formen kleidet. Doppelt verdächtig erscheint aber ein christlicher Mystizismus, der jeden Kampf und jede Form der Gewaltanwendung verabscheut und die Lehre von der »Nichtvergeltung« predigt, in einem sozialen und politischen Milieu wie dem des absolutistischen Rußland. Tatsächlich äußerte sich der Einfluß der Tolstoischen Lehren auf die junge russische Intelligenz – ein Einfluß, der übrigens nie weittragend war und sich nur auf kleine Zirkel erstreckte – Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre, d. h. in der Periode des Stillstands des revolutionären Kampfes, in der Verbreitung einer indolenten ethisch-individualistischen Strömung, die eine direkte Gefahr für die revolutionäre Bewegung hätte werden können, wäre sie nicht räumlich wie zeitlich bloß eine Episode geblieben. Und endlich unmittelbar vor das geschichtliche Schauspiel der russischen Revolution gestellt, wendet sich Tolstoi offen gegen die Revolution, wie er bereits in seinen Schriften schroff und ausdrücklich gegen den Sozialismus Stellung genommen, speziell die Marxsche Lehre als eine ungeheure Verblendung und Verirrung bekämpft hat.
Gewiß, Tolstoi war und ist kein Sozialdemokrat, und für die Sozialdemokratie, für die moderne Arbeiterbewegung hat er nicht das geringste Verständnis. Allein, es ist ein hoffnungsloses Verfahren, an eine geistige Erscheinung von der Größe und von der Eigenart Tolstois mit dem armseligen steifen Schulmaß herantreten und ihn danach beurteilen zu wollen. Die ablehnende Haltung zum Sozialismus als einer Bewegung und einem Lehrsystem kann unter Umständen nicht von der Schwäche, sondern von der Stärke eines Intellekts herrühren, und dies ist gerade bei Tolstoi der Fall.
Einerseits herangewachsen noch in dem alten leibeigenen Rußland Nikolaus‘ I., in einer Zeit, wo es im Zarenreich weder eine moderne Arbeiterbewegung noch auch die nötige wirtschaftliche und soziale Vorbedingung dazu, eine kräftige kapitalistische Entwicklung, gab, war er in seinem kräftigsten Mannesalter Zeuge des Versagens zuerst der schwächlichen Anläufe einer liberalen Bewegung, dann auch der revolutionären Bewegung in der Form der terroristischen »Narodnaja Wolja«, um erst im Alter fast eines Siebzigjährigen die ersten kräftigen Schritte des industriellen Proletariats und schließlich als hochbetagter Greis die Revolution zu erleben. So ist es kein Wunder, daß für Tolstoi das moderne russische Proletariat mit seinem geistigen Leben und Streben nicht existiert, daß ihm der Bauer, und zwar der ehemalige tief gläubige und passiv duldende russische Bauer, der nur eine Sehnsucht kennt – mehr Land zu besitzen, ein für allemal das Volk schlechthin bedeutet.
Anderseits aber gehört Tolstoi, der alle kritischen Phasen und den ganzen qualvollen Werdegang des russischen öffentlichen Gedankens miterlebt hat, zu jenen selbständigen, genialen Geistern, die sich sehr viel schwerer in fremde Denkformen, in fertige Lehrsysteme fügen als Durchschnittsintelligenzen. Sozusagen geborener Autodidakt – nicht in bezug auf die formale Bildung und das Wissen, sondern in bezug auf das Denken –, muß er zu jedem Gedanken auf einem eigenen Wege gelangen. Und sind die Wege für andere meist unbegreiflich und die Resultate bizarr, so erreicht der kühne Einzelgänger dabei doch Ausblicke von überwältigender Weite.
Wie bei allen Geistern dieser Art, liegt die Stärke Tolstois und das Schwergewicht seiner Gedankenarbeit nicht in der positiven Propaganda, sondern in der Kritik des Bestehenden. Und hier erreicht er eine Vielseitigkeit, Gründlichkeit und Kühnheit, die an die alten Utopistenklassiker des Sozialismus, an Saint-Simon, Fourier und Owen, erinnern. Es gibt nicht eine von den hergebrachten geheiligten Institutionen der bestehenden Gesellschaftsordnung, die er nicht unbarmherzig zerpflückt, ihre Verlogenheit, Verkehrtheit und Verderblichkeit aufgezeigt hätte. Kirche und Staat, Krieg und Militarismus, Ehe und Erziehung, Reichtum und Müßiggang, physische und geistige Degradation der Arbeitenden, Ausbeutung und Unterdrückung der Volksmassen, das Verhältnis der Geschlechter, Kunst und Wissenschaft in ihrer heutigen Gestalt – alles unterzieht er einer schonungslosen, vernichtenden Kritik, und zwar stets vom Standpunkt der Gesamtinteressen und des Kulturfortschritts der großen Masse. Liest man z. B. die Anfangssätze seiner »Arbeiterfrage«, so meint man, eine populäre sozialistische Agitationsschrift in der Hand zu haben:
»In der ganzen Welt gibt es mehr als eine Milliarde, Tausende Millionen Arbeiter. Das ganze Getreide, sämtliche Waren der ganzen Welt, alles, wovon die Menschen leben und was ihren Reichtum ausmacht, ist das Produkt des arbeitenden Volkes. Allein nicht das arbeitende Volk, sondern die Regierung und die Reichen genießen alles, was es erzeugt. Das werktätige Volk aber lebt in ewiger Not, Unwissenheit, Sklaverei und Verachtung bei allen denjenigen, die es kleidet, nährt, für die es baut und denen es dient. Das Land ist ihm weggenommen worden, und es ist das Eigentum derer, die nicht arbeiten, so daß der Arbeiter alles das machen muß, was die Grundbesitzer von ihm verlangen, um vom Grund und Boden leben zu können. Verläßt aber der Arbeiter das Land und geht in die Werkstatt, so gerät er in die Sklaverei bei den Reichen, bei welchen er das ganze Leben 10, 12, 14 und noch mehr Stunden am Tag eine fremde, eintönige und oft für das Leben schädliche Arbeit ausführen muß. Kann er sich aber auf dem Lande oder bei der fremden Arbeit so einrichten, um nur in Not leben zu können, so läßt man ihn nicht in Ruhe, sondern verlangt von ihm Steuern, zieht ihn selbst für drei, für fünf Jahre zum Soldatendienst heran und zwingt ihn, für das Kriegswerk besondere Steuern zu zahlen. Will er aber den Boden benutzen, ohne Rente zu zahlen, einen Streit anfangen oder die Arbeitswilligen verhindern, seine Stelle einzunehmen, oder die Steuern verweigern, so schickt man gegen ihn das Militär, das ihn verwundet, tötet und mit Gewalt zwingt, nach wie vor zu arbeiten und zu zahlen … Und so leben die meisten Menschen in der ganzen Welt, nicht bloß in Rußland, sondern auch in Frankreich, Deutschland, England, China, Indien, Afrika, überall.«
Seine Kritik des Militarismus, des Patriotismus, der Ehe wird an Schärfe von der sozialistischen Kritik kaum übertroffen und bewegt sich in derselben Richtlinie wie diese. Wie originell und tief die soziale Analyse Tolstois ist, zeigt z. B. der Vergleich seiner Ansicht über die Bedeutung und den sittlichen Wert der Arbeit mit der Ansicht Zolas. Während dieser die Arbeit als solche in echt kleinbürgerlichem Geiste auf das Piedestal erhebt, wofür er bei manchen hervorragenden französischen und anderen Sozialdemokraten in den Geruch eines Sozialisten von reinstem Wasser gekommen ist, bemerkt Tolstoi ruhig, indem er mit wenigen Worten den Nagel auf den Kopf trifft:
»Herr Zola sagt, daß die Arbeit den Menschen gut mache; ich habe immer das Gegenteil bemerkt: Die Arbeit als solche, der Stolz der Ameise auf ihre Arbeit, macht nicht nur die Ameise, sondern auch die Menschen grausam … Aber wenn sogar die Arbeitsamkeit kein erklärtes Laster ist, so kann sie in keinem Falle eine Tugend sein. Die Arbeit kann ebensowenig eine Tugend sein wie das Sichernähren. Die Arbeit ist ein Bedürfnis, das, wenn es nicht befriedigt wird, ein Leiden und nicht eine Tugend ausmacht. Die Erhebung der Arbeit zu einer Tugend ist ebenso verkehrt wie die Erhebung des Sichernährens des Menschen zu einer Würde und Tugend. Die Arbeit konnte die Bedeutung, die man ihr in unsrer Gesellschaft zuschreibt, nur als eine Reaktion gegen den Müßiggang gewinnen, den man zum Merkmal des Adels erhoben hat und den man noch als Merkmal der Würde in reichen und wenig gebildeten Klassen hält … Die Arbeit ist nicht bloß keine Tugend, sondern sie ist in unsrer falsch geordneten Gesellschaft zum größten Teil ein das sittliche Empfindungsvermögen ertötendes Mittel.«
Wozu zwei Worte aus dem »Kapital« das knappe Gegenstück bilden: »Das Leben des Proletariats beginnt, wo seine Arbeit aufhört.« Bei der obigen Zusammenstellung der beiden Urteile über die Arbeit zeigt sich übrigens genau das Verhältnis Zolas zu Tolstoi im Denken wie im künstlerischen Schaffen: das eines biederen und talentvollen Handwerkers zum schöpferischen Genie.
Tolstoi kritisiert alles Bestehende, erklärt, daß alles wert sei, zugrunde zu gehen, und er predigt: Abschaffung der Ausbeutung, allgemeine Arbeitspflicht, ökonomische Gleichheit, Abschaffung des Zwanges in der Staatsorganisation wie im Verhältnis der Geschlechter, völlige Gleichheit der Menschen, der Geschlechter, der Nationen und die Völkerverbrüderung. Welcher Weg soll uns aber zu dieser radikalen Umwälzung der sozialen Organisation führen? Die Rückkehr der Menschen zu dem einzigen und einfachen Grundsatze des Christentums: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Man sieht, Tolstoi ist hier reiner Idealist. Durch sittliche Wiedergeburt der Menschen will er sie zur Umkrempelung ihrer sozialen Verhältnisse bringen, und die Wiedergeburt will er durch laute Predigt und durch Beispiel erreichen. Und er wird nicht müde, die Notwendigkeit und Nützlichkeit dieser sittlichen »Auferstehung« zu wiederholen mit einer Zähigkeit, einer gewissen Dürftigkeit der Mittel und einer naivschlauen Überredungskunst, die lebhaft an die ewigen Wendungen Fouriers von dem Eigennutz der Menschen erinnern, den er in verschiedensten Formen für seine sozialen Pläne zu interessieren suchte.
Das soziale Ideal Tolstois ist also nichts anderes als Sozialismus. Will man aber den sozialen Kern und die Tiefe seiner Ideen in schlagendster Weise erkennen, so muß man sich nicht sowohl an seine Traktate über ökonomische und politische Fragen, sondern an seine Schriften über die Kunst wenden, die übrigens auch in Rußland zu den am wenigsten bekannten gehören. (1) Der Gedankengang, den Tolstoi hier in glänzender Form entwickelt, ist folgender: Die Kunst ist – entgegen allen ästhetischen und philosophischen Schulmeinungen – nicht ein Luxusmittel, in schönen Seelen die Gefühle der Schönheit, der Freude oder dergleichen auszulösen, sondern eine wichtige geschichtliche Form des gesellschaftlichen Verkehrs der Menschen untereinander wie die Sprache. Nachdem er durch eine köstliche Abschlachtung aller Kunstdefinitionen von Winckelmann und Kant bis Taine diesen echt materialistisch-historischen Maßstab gewonnen hat, tritt Tolstoi mit demselben in der Hand an die gegenwärtige Kunst heran und findet, daß der Maßstab in keinem Gebiet und in keinem Stück auf die Wirklichkeit paßt; die gesamte bestehende Kunst ist – mit einigen ganz geringen Ausnahmen – der großen Masse der Gesellschaft, nämlich dem arbeitenden Volke, unverständlich. Statt daraus mit der landläufigen Meinung auf die geistige Roheit der großen Masse und die Notwendigkeit ihrer »Hebung« zum Verständnis der heutigen Kunst zu schließen, zieht Tolstoi den umgekehrten Schluß: Er erklärt die gesamte bestehende Kunst für »falsche Kunst«. Und die Frage, wie ist es denn gekommen, daß wir seit Jahrhunderten eine »falsche« statt einer »wahren«, d. h. volkstümlichen Kunst haben, führt ihn zu einem weiteren kühnen Ausblick: eine wahre Kunst hätte es in den uralten Zeiten gegeben, wo das gesamte Volk eine gemeinsame Weltanschauung – Tolstoi nennt sie »Religion« – hatte; aus dieser seien solche Werke wie Homers Epos oder die Evangelien entstanden. Seit jedoch die Gesellschaft in eine ausgebeutete große Masse und eine kleine herrschende Minderheit zerklüftet sei, diene die Kunst nur dazu, die Gefühle der reichen und müßigen Minderheit auszudrücken, da dieser aber heute jede Weltanschauung überhaupt abhanden gekommen sei, so hätten wir den Verfall und die Ausartung, die die moderne Kunst charakterisieren. Zu einer »wahren Kunst« kann es nach Tolstoi nur dann kommen, wenn sie aus einem Ausdrucksmittel der herrschenden Klassen wieder zur Volkskunst, d. h. zum Ausdruck einer gemeinsamen Weltanschauung der arbeitenden Gesellschaft, wird. Und mit starker Faust schleudert er in das Verdammnis der »schlechten, falschen Kunst« die größten und kleinen Werke der berühmtesten Sterne der Musik, der Malerei, der Dichtkunst hinab und zum Schluß – seine sämtlichen eigenen herrlichen Werke. »Sie stürzt, sie zerfällt, die schöne Welt, ein Halbgott hat sie zerschlagen.« Nur noch einen letzten Roman – »Auferstehung« – schrieb er seitdem, sonst hielt er es nur für wert, einfache, kurze Volksmärchen und Traktätchen zu schreiben, »die jedermann verständlich sind«.
Der schwache Punkt Tolstois: die Auffassung der ganzen Klassengesellschaft als einer »Verirrung« statt einer historischen Notwendigkeit, die die beiden Endpunkte seiner geschichtlichen Perspektive, den Urkommunismus und die sozialistische Zukunft, verbindet, liegt auf der Hand. Wie alle Idealisten, glaubt er ja auch an die Allmacht der Gewalt und erklärt die ganze Klassenorganisation der Gesellschaft als das bloße Produkt einer langen Kette nackter Gewaltakte. Aber eine wahrhaft klassische Größe liegt in dem Gedanken über die Zukunft der Kunst, die Tolstoi zugleich in der Vereinigung der Kunst als Ausdrucksmittel mit dem sozialen Empfinden der arbeitenden Menschheit und der Ausübung der Kunst, d. h. der Künstlerlaufbahn, mit dem normalen Leben eines arbeitenden Gesellschaftsgliedes erblickt. Die Sätze, in denen Tolstoi das Abnorme in der Lebensweise des heutigen Künstlers geißelt, der nichts anderes tat als »seiner Kunst leben«, sind von lapidarer Wucht, und es liegt ein echt revolutionärer Radikalismus darin, wenn er die Hoffnungen zerschlägt, eine Verkürzung der Arbeitszeit und Hebung der Bildung in den Massen werde ihnen das Verständnis für die Kunst, wie sie heute gestaltet ist, verschaffen:
»Das alles sagen die Verteidiger der heutigen Kunst mit Vorliebe, doch bin ich überzeugt, daß sie selbst nicht glauben, was sie sagen. Sie wissen wohl, daß die Kunst, wie sie sie auffassen, die Unterdrückung der Massen zur notwendigen Bedingung hat und sich auch durch die Aufrechterhaltung dieser Unterdrückung selbst aufrechterhalten kann. Es ist unerläßlich, daß sich Massen von Arbeitern in der Arbeit erschöpfen, damit unsre Künstler, Schriftsteller, Musiker, Sänger und Maler auf den Grund der Vollkommenheit gelangen, der ihnen gestattet, uns Vergnügen zu bereiten … Doch selbst angenommen, daß diese Unmöglichkeit möglich ist und daß man ein Mittel fände, die Kunst, wie man sie auffaßt, dem Volke zugänglich zu machen, so drängt sich eine Betrachtung auf, die beweist, daß diese Kunst nicht eine universelle sein könnte: nämlich der Umstand, daß sie für das Volk völlig unverständlich ist. Früher schrieben die Dichter lateinisch, doch jetzt sind die künstlerischen Erzeugnisse unsrer Dichter ebenso unverständlich für den gemeinen Menschen als wären sie in Sanskrit geschrieben.
Man wird nun antworten, die Schuld liege an dem Mangel von Kultur und Entwicklung des gemeinen Menschen, und unsre Kunst werde von allen dann verstanden werden, wenn sie eine genügende Erziehung genossen haben. Das ist wieder eine unsinnige Antwort, denn wir sehen, daß die Kunst der höheren Klassen zu jeder Zeit nur ein einfacher Zeitvertreib für diese Klassen selbst gewesen ist, ohne daß die übrige Menschheit etwas davon begriffen hat. Die unteren Klassen mögen sich noch so sehr zivilisieren, die Kunst, die von Anfang an nicht für sie geschaffen war, wird ihnen stets unzugänglich bleiben … Für den denkenden und aufrichtigen Menschen ist es eine unbestreitbare Tatsache, daß die Kunst der höheren Klassen nie die Kunst der ganzen Nation werden kann.«
Der das schrieb, ist in jedem Zoll mehr Sozialist und auch historischer Materialist als jene Parteigepossen, die, in der neuerdings aufgekommenen Kunstfexerei machend, mit gedankenloser Geschäftigkeit die sozialdemokratische Arbeiterschaft zum Verständnis für die dekadente Kleckserei eines Sievogt oder eines Hodler »erziehen« wollen.
So muß Tolstoi in seiner Stärke wie in seinen Schwächen, im tiefen und scharfen Blick seiner Kritik, im kühnen Radikalismus seiner Perspektiven wie im idealistischen Glauben an die Macht des subjektiven Bewußtseins in die Reihe der großen Utopisten des Sozialismus gestellt werden. Es ist nicht seine Schuld, sondern sein historisches Pech, daß er mit seinem langen Leben von der Schwelle des 19. Jahrhunderts, an der die Saint-Simon, Fourier und Owen als Vorläufer des modernen Proletariats standen, bis an die Schwelle des 20. reicht, wo er als Einzelgänger dem jungen Riesen verständnislos gegenübersteht. Aber die reife revolutionäre Arbeiterklasse kann ihrerseits dem großen Künstler und dem kühnen Revolutionär und Sozialisten trotz seiner selbst mit verständnisinnigem Lächeln heute die ehrliche Hand drücken, die die guten Worte geschrieben hat:
»Jeder kommt auf seinem Wege zur Wahrheit, eins aber muß ich sagen: Das, was ich schreibe, sind nicht nur Worte, sondern ich lebe danach, darin ist mein Glück, und damit werde ich sterben.«

(1)»Was ist Kunst?« und »Über die Kunst« sowie andere Abhandlungen Tolstois sind deutsch – in einer sehr liederlichen Ausgabe – bei Hugo Steinitz, Berlin, erschienen.

Leipziger Volkszeitung, Nr. 209, 9. September 1908.
Rosa Luxemburg, Gesammelte Werke, Berlin 1972, Band 2, S. 246-253.

J. Peter Nettl – Rosa Luxemburgs Theorie der Massenaktion (1965)

Als Rosa Luxemburg 1906 aus Rußland zurückkam, war es bald offensichtlich, daß man die revolutionäre Periode ohne irgendeinen Versuch, sie auszunützen, hatte auslaufen lassen; daß die Beschäftigung der Partei mit Fragen der Organisation und des Umfangs Faktoren waren, die zur Unbeweglichkeit führten, also Schwäche bedeuteten und keine Anzeichen von Stärke waren. In einem Pamphlet, in dem sie den taktischen Wert von Massenstreiks auf Grund ihrer russischen Erfahrung analysierte, kam Rosa Luxemburg in der Entwicklung einer Doktrin ein großes Stück weiter, die den Begriff der Aktion und Bewegung nicht als eine wünschenswerte Führungspolitik, sondern als eine neue Organisationstheorie aufstellte (1). In seinem Verlauf stellte sie die von der gesamten Zweiten Internationalen akzeptierte Doktrin auf den Kopf, daß jede sozialistische Partei gegen die von der Gesellschaft mobilisierten Kräfte nur dann Erfolge verzeichnen könnte, wenn sie über eine starke Organisation, volle Kassen und kluge Führung verfügte. Ganz im Gegenteil. Sie versuchte zu zeigen, daß in der russischen Revolution die Aktion in Wirklichkeit die Organisation geschaffen hatte; daß eine unorganisierte und schwache Sozialdemokratie ohne jede gewerkschaftliche Organisation aus dem aktiven Kampf mit starken und mächtigen Partei- und Gewerkschaftsorganisationen hervorgegangen sei. Damit dieses Beispiel nicht zu spezifisch russisch sein sollte – was es in deutschen Augen verworfen hätte und tatsächlich verwarf –, bemühte sich Rosa Luxemburg zu zeigen, daß die Gewerk schaftsorganisation in Deutschland sehr viel stärker als eine Reaktion auf die Sozialistengesetze gewachsen war als in der folgenden Periode der Freiheit und Toleranz (2).

Der nächste Schritt in der Entwicklung dieser Doktrin kam während der Wahlrechtskrise von 1910, als zum ersten Mal die Parteiführung speziell als Hindernis auf dem Weg der Revolution identifiziert wurde. Der Vorstand versagte nicht nur bei seiner Arbeit, sondern verstand seine Funktion falsch, die darin bestand, revolutionäre Perioden zu erkennen, in jeder gegebenen Situation die richtigen Waffen zu wählen und zu erklären – nicht die Aktion zu befehlen oder zu verbieten – und vor allem Ziele in der genau richtigen Höhe zu stecken, oder vielleicht einen Bruchteil höher (3). Es gab starke Anzeichen für eine sozialistische Doktrin des ultra vires in der Abhandlung über das bremsende Verhalten des Vorstandes in der Wahlrechtsagitation. Zum ersten Mal wurde 1910 das Organisationsproblem in einer neuen Form gestellt; wofür gibt es Organisationen? Etwas war ernstlich falsch, wenn sie nicht für etwas da waren, wenn es sie nur gab, um zu wachsen.
Nun war Rosa Luxemburg mit Nachdruck keine Anarchistin und fuhr fort, zwischen »abstrakter Hirngymnastik«, die willkürlich die »blaue Luft« beschwor, und ihrer eigenen Position zu unterscheiden (4). Als eine Antithese zu den »Führern« forderte sie »Massen«, nicht so sehr im demokratischen Sinn einer Volkskontrolle der Exekutive, sondern als einen Faktor der Bewegung (5). Niemand konnte behaupten, daß die Parteiführung entgegen den Beschlüssen der Parteitage handelte; es gab keine Bürokratisierungstheorien, die sowieso nicht in das heuristische Werkzeug marxistischer Analyse paßten. Die Suche nach Mitteln zur Überwindung der selbstgenügsamen Tendenzen der Führung mußte daher eine geläufige und orthodoxe (keine anar-chistische) Terminologie gebrauchen, obwohl das der Klärung der Probleme nicht immer dienlich war. Aus diesem Grund hat der Begriff »Massen« Sozialdemokraten veranlaßt, nach der kommunistisch-sozialistischen Spaltung die Unterstützung von Rosa Luxemburg für eine Art Mehrheitsdemokratie gegen bolschewistische Willkür in Anspruch zu nehmen. Ähnlich hat er spätere kommunistische Historiker dazu gebracht, ihr den Begriff der Spontaneität anzulasten, was sich aus dem gleichen Mißverständnis ergibt, daß die spontanen Mehrheitsentscheidungen der Massen die oberste Richtlinie der Sozialdemokratie waren. Eine sorgfältige Analyse von Rosa Luxemburgs Schriften zeigt dagegen, daß das Wort »Massen« in Wirklichkeit als Synonym für »Aktion« gebraucht wurde, während »Führer« Unbeweglichkeit und Selbstgenügsamkeit symbolisierte.
Dies war die Grundlage der Aktionslehre von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Es war eine dynamische, dialektische Doktrin; Organisation und Aktion belebten sich gegenseitig und regten zum Wachstum an. Nur der Gebrauch von Organisationen konnte sie befruchten. Die Grenzen dieser Doktrin wurden in den Jahren vor dem Krieg ausgedehnt und natürlich zwischen 1914 und 1918 noch weiter entwickelt, was in dem Versuch seinen Höhepunkt erreichte, sie während der deutschen Revolution in der Praxis anzuwenden. Man betonte die Aktion nicht nur gegen die Unbeweglichkeit des Vorstandes, sondern hob ihre prophylaktische Wirkung auf die Sozialdemokratie hervor. In Rosa Luxemburgs Augen half eine aktive Politik, das Klassenbewußtsein des Proletariats zu artikulieren, und stellte für die taktische wie auch theoretische Bildung eine bessere Werkstatt zur Verfügung als jeder Aufwand an Schriften, Vorträgen oder Organisation. So übernahm die Aktion sowohl soziale als auch politische Aufgaben und reichte in all die Winkel und Ecken, in denen die SPD-Organisation Fuß gefaßt hatte. Es kann gut sein, daß es grundlegende Ähnlichkeiten mit dem Anarchismus gab, insofern sich alle Aktionsdoktrinen untereinander ähneln. Ein starker Wind der Aktion und Bewegung blies zu jener Zeit durch alle Bereiche der europäischen Kultur, sowohl in der Kunst und Literatur als auch in dem mehr politischen Zusammenhang von Sorel und den italienischen Futuristen. Die Analogie zu den Anarchisten allein ist daher nicht sinnvoll. Die deutsche Linke verließ niemals den selbstgesteckten Rahmen des Marxismus; ihre Vorstellungen von Aktion entwickelten sich unter ganz anderen Umständen als die der Anarchisten, als ein spezielles Korrektiv und nicht als vollkommene Ablehnung von Organisation und Führerschaft. Am bedeutsamsten ist, daß Rosa Luxemburg sich im besonderen auf eine russische Erfahrung stützte, die sich von dem intellektuellen Individualismus von Bakunin, Nieuwenhuis und dem zeitgenössischen Anarchismus scharf unterschied. Sie betonte die Selbstdisziplin immer als einen Teil der Aktion – das Gegenteil der Doktrin der Selbstbefreiung, die die Anarchisten mit anderen europäischen Philosophien der Tat teilten. Auf jeden Fall tendieren Ideen unter dem Druck der Opposition zum Extremismus, ebenso wie sie solange verwässert bleiben, wie Hoffnung auf Erfolg besteht; wir brauchen die Ideen der deutschen radikalen Linken nicht von den romantischen Übertreibungen von Pannekoek oder der Selbstaufopferung von Karl Liebknecht her zu beurteilen (6). Wiederholt behauptete Rosa Luxemburg, daß ihre Idee nicht als ein endgültiger Aufstand mit spezifischen Ergebnissen für die Gesellschaft gedacht war, sondern als eine Tendenz, als eine Art zu denken, als einigender Faktor zur Überwindung der Widerstände und starren Kategorien, die sich daraus ergeben hatten, daß sich die Parteiführung ausschließlich mit Fragen des Wachstums beschäftigte. Aktion war sowohl Lockerung wie Einigung. Außerdem betonte Rosa Luxemburg immer, daß jede erfolgreiche Massenaktion das Bestehen einer revolutionären Periode voraussetzte und niemals bloß das Ergebnis einer einzelnen Entscheidung sein konnte.

Wie konnte dann eine revolutionäre Periode als gegeben angenommen werden? Hier lieferte die Imperialismusdoktrin die nötigen Mittel. Nach Kautskys Theorie waren revolutionäre Perioden nicht-existent geworden – sie konnten sich nicht entwickeln, solange die Gesellschaft und die Sozialdemokratie nicht in engem Kontakt und Handlungsaustausch standen. Imperialismus war nur ein Wort, das die fortgeschrittene soziale Auflösung in Deutschland bezeichnete. Rosa Luxemburg und Karl Radek gebrauchten Imperialismus im genau entgegengesetzten Sinn. Nachdem sie vergeblich versucht hatten, den Massenstreik als ein Instrument zur Galvanisierung des Parteidenkens zu propagieren, begann Rosa Luxemburg, von der Gesellschaft die nötige Lösung zu erwarten. Wie Canning brachte sie die eine Welt ins Spiel, um das Gleichgewicht der anderen wiederherzustellen; in diesem Fall die alte Welt der Gesellschaft, um die Übel der Sozialdemokratie zu heilen. In ihren Schriften seit 1912 und in denen von Radek, Mehring und Marchlewski wurde eine Doktrin des Imperialismus entwickelt und diesem Zweck angepaßt, während Leute wie Pannekoek, Liebknecht und Julian Borchardt daraus eine extrem persönliche Ideologie entwickelten (7). Die Grenze zwischen ihnen war undeutlich; am deutlichsten zeigte sie sich in einigen Augenblicken wie der Konfrontation von Radek und seinem früheren Bremer Kollegen Johann Knief nach dem Krieg (8).

So entstand seit Anfang 1912 auf der äußersten Linken ein plötzliches, starkes, neues Interesse an dem Tun der Gesellschaft. Nach einem fast zehnjährigen Desinteresse an solchen Problemen beschäftigte sich Rosa Luxemburg stark mit Berichten über die Gesellschaft. Aber jeder Artikel über irgendeinen einzelnen Skandal zeigte jetzt deutlich auf das eine erwünschte Ziel – den wachsenden Druck des Imperialismus und die Notwendigkeit, ihn mit Aktionen zu beantworten (9). Der Unterschied zwischen der kapitalistischen und der imperialistischen Gesellschaft wurde in praktischen Bezügen der Grad des Druckes auf die Sozialdemokratie. Rosa Luxemburg versuchte zu zeigen, daß die durch die bewußte Isolierung der Partei entstandene Kluft in Wirklichkeit nicht bestand, daß die Gesellschaft auf der ganzen Linie unbarmherzig Druck auf den Sozialismus ausübte. Ohne die Gesamtheit des Problems aus den Augen zu verlieren, die für die marxistische Konzeption der zwei sich bekriegenden totalen Welten lebenswichtig war, griff sie alle möglichen Beispiele heraus, mit denen sich die Unmittelbarkeit des Druckes beweisen ließ. Ob es ein Streik der Gewerkschaften war, die schlechte Behandlung der Rekruten in der Armee, die Auswüchse der Militärs gegenüber der Zivilbevölkerung in Zabern oder ein Fall von Vergiftung in einem Altenwohnheim, die Schlußfolgerung war immer die gleiche. Mit Liebknecht war sie besonders deswegen nicht einer Meinung, weil er sich keine totale Perspektive erhalten konnte, denn die Hervorhebung jedes einzelnen Aspekts des Imperialismus mußte zu einer Verzerrung dieses Teils führen anstatt zu einer permanenten Konfrontation mit dem Ganzen.

»Die Fragen des Militarismus und Imperialismus stellen heute die Zentralachse des politischen Lebens dar, in ihnen und nicht etwa in der Frage der Ministerverantwortlichkeit und anderen rein parlamentarischen Forderungen liegt der Schlüssel zur politischen Lage . . . Die politische Situation ist dieselbe geblieben, sie ist nur reifer geworden. Wir haben nicht einen Rückgang, sondern einen gewaltigen Aufschwung des Imperialismus und damit eine immer größere Zuspitzung der Klassengegensätze zu gewärtigen. Und dementsprechend haben wir auch als Signatur der Lage . . . den alten Gegensatz der gesamten bürgerlichen Parteien zur Sozialdemokratie . . . Die Sache des Sozialismus muß vorwärts gebracht werden« (10).
Beharrlich sprach sie von »den großen Zeiten, in denen wir leben«, nicht als ein Stück leere Rhetorik, sondern um den nahe bevorstehenden Kampf zu feiern – »Arm in Arm, Auge an Auge, Brust an Brust« – im Gegensatz zur bequemen Isolierung, die die Haltung des Vorstandes implizierte. Obwohl sie die Manifestationen einzelner Probleme der Politik wie die Wahlen von 1912 auswählte, um daran ihre Doktrin aufzuhängen, ist das Beharren auf ein und demselben Grund und daher auf einer einzigen Lösung ein klarer, beinahe monotoner Beweis für eine im Grunde einfache Doktrin hinter der intellektuellen Verfeinerung ihrer Behandlung der Fragen.

In einem Sinn folgte die radikale Opposition den Spuren der Revisionisten: beide konnten sie die Trennung von der Gesellschaft nicht dulden. Beide machten einen energischen Versuch, die alte Entfremdung zu überwinden. Jede Beziehung zerstört die Entfremdung, ob sie nun positiv oder negativ ist; jeder Versuch, sich mit der bestehenden Umwelt zu arrangieren oder aktiv gegen sie zu kämpfen. Folglich müssen wir in der radikalen Opposition innerhalb der SPD genauso wie in der Politik der Revisionisten den Wunsch sehen, engere Beziehungen zwischen dem Sozialismus und der Gesellschaft herzustellen. Es gab gelegentliche, sonderbar sympathisierende Übereinstimmungen zwischen der rechten und linken Kritik am Vorstand zwischen 1910 und 1914, die von Kautsky nicht übersehen wurden (11).

Aber was die Revisionisten von den Radikalen unterschied, war eine andere Art von Polarität, in Bezug auf eine andere Variable – Aktion-Organisation. Die Revisionisten stellten niemals die Konzentration der Partei auf ihr organisatorisches Wachstum in Frage; sie waren die Hauptbeteiligten daran. Und natürlich begrüßten sie das wachsende Gewicht der Parlamentsarbeit und der Reichstagsfraktion. Auf die drängende Forderung der Radikalen nach Aktion zahlten sie eine Stichelei von 1899 zurück und nannten sie »Impossibilismus« (12). Für die Revisionisten war es ganz klar unmöglich, Organisation und Aktion in eine kausale oder komplementäre Beziehung zu bringen.
Die deutsche Linke entwickelte eine besondere Theorie der Aktion. Wir haben zu zeigen versucht, daß die Entwicklung und Zuspitzung dieser Idee sich auf Grund und innerhalb des Vakuums ereignete, daß die bewußte und unbewußte Politik der SPD-Führung geschaffen und aufrechterhalten hatte. Dies war eine direkte Folge des Sieges im Revisionismusstreit. Anstatt zu helfen, die Partei revolutionär zu erhalten, wie man es zu der Zeit glaubte, erreichte die Niederlage – in der Abstimmung, nicht in der Praxis – der Revisionisten das Gegenteil. Durch die Isolierung der SPD und durch den Zustand der allgemeinen und wachsenden Entfremdung von der Gesellschaft wurden die Möglichkeiten der revolutionären Anregung blockiert, da diese nur durch den Kontakt mit der Gesellschaft gegeben werden konnten. Außerdem bewirkte die Isolierung die politische Kultur, in der die Selbsttäuschung allgemein und vollkommen wurde, da die Möglichkeiten zerstört wurden, die bestehenden revolutionären Mythen an den wirklichen Erfolgen zu messen. Unter diesen Bedingungen wurde eine neue Philosophie (die von Kautsky) entwickelt, die den revolutionären Marxismus seines dynamischen Inhalts beraubte und letzten Endes den Zusammenbruch der Gesellschaft von der Politik und den Aktivitäten der Sozialdemokratie schied, es sei denn in einem rein formalen Sinn. Es war daher natürlich, daß jeder, der dieses Konzept bekämpfte, zunächst fordern würde, die Partei aus ihrer Isolierung und Selbstgenügsamkeit herauszubrechen.
Woanders, aber gleichzeitig war Lenin dabei, eine völlig andere Aktionstheorie zu entwickeln. Sie sprach der Rolle der Organisation eine positive Bedeutung zu. Aber auch diese Doktrin wurde unter den Bedingungen der Isolierung von der Gesellschaft entwickelt. Die bolschewistische Führung befand sich, außer in einer kurzen Periode der ersten russischen Revolution, in der Emigration, und auch Lenins Ideen waren das Produkt seiner unmittelbaren Umgebung, der russischen sozialdemokratischen Partei, genauso wie das Denken der deutschen Linken von Bedingungen innerhalb der SPD beherrscht wurde. Die Wege der Revolution wurden nicht durch Konflikt mit der Gesellschaft, gegen die sich die Revolution richtete, entwickelt, sondern im Rahmen einer sozialistischen Partei, deren Organisation und Politik man für unzulänglich hielt. Lenin brachte nicht den Imperialismus ins Spiel, um sich zu helfen, die bolschewistische Isolierung war bewußt und selbstgewählt; er wollte die russische Sozialdemokratie von einem gesunden Kern von außen galvanisieren, nicht vom Imperialismus her von innen. Wo die deutsche Linke die Aktion gegenüber der Organisation betonte, predigte Lenin Organisation als einen Weg zur Aktion. Aber Aktion war beiden gemeinsam – und es war diese Betonung der Aktion, die die deutsche Linke und die russischen Bolschewisten schließlich trotz so vieler ernsthafter Meinungsverschiedenheiten ins gleiche Lager brachte. In ihrer Beschreibung der bolschewistischen Revolution, im September 1918 geschrieben, hob Rosa Luxemburg diese Hingabe an die Aktion besonders lobend hervor. Hier sah sie ein starkes, verwandtes Echo ihrer eigenen Ideen und analysierte sie genau in den eigenen Begriffen:
»Durch die Machtübernahme . . . und die Sicherung des Fortgangs der Revolution . . . haben die Bolschewiki die berühmte Frage nach der »Mehrheit des Volkes« gelöst, die den deutschen Sozialdemokraten seit jeher wie ein Alp auf der Brust liegt . . . nicht durch Mehrheit zur revolutionären Taktik, sondern durch revolutionäre Taktik zur Mehrheit . . .« (13).
Damit, daß Aktion der Grund und nicht die Folge der Massenbeteiligung war, sah sie die Bolschewisten ihre Ideen in der Praxis anwenden – und liefert uns nebenbei klare Beweise dafür, was sie meinte, wenn sie von Mehrheit und Massen sprach. Trotz anderer harter Kritik an der bolschewistischen Politik, war es die Lösung dieses Problems durch die Bolschewisten, die ihnen schließlich die Unterstützung der deutschen Linken sicherte.
Es ist nicht schwierig, den Einfluß dieser Zwillingsfaktoren von Organisation und Aktion in der folgenden Geschichte der UdSSR zu analysieren. Lenins Hauptbeschäftigung mit dem Primat der Organisation brachte eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber dem weiteren Begriff der Gesellschaft hervor, genauso wie es in der SPD geschehen war. So war der rasche Wandel der Politik vom Kriegskommunismus zur NEP (Neue ökonomische Politik), ja die Bereitschaft, eine teilweise kapitalistische Gesellschaft gedeihen zu lassen, letzten Endes auf die Überzeugung zurückzuführen, daß man die Gesellschaft im Augenblick sich selbst überlassen könnte, solange eine korrekte Organisation und richtige theoretische Disziplin im Kern der Partei erhalten wurden; die Mängel der Gesellschaft konnten die Partei nicht beeinträchtigen. Nach Lenin war die funktionale Beziehung zwischen Partei und Gesellschaft immer äußerlich; wenn der Kern gesund war, war der Zustand der Peripherie weniger wichtig. In dieser Beziehung ähnelte seine Analyse der Ideologie der SPD, aber unterschied sich vollkommen von der deutschen Linken, die es vor und nach dem Krieg notwendig fand, die Gesellschaft als Mittel zur Galvanisierung der Partei zu gebrau¬chen. Die ganze Lehre, die Macht nur am Ende eines langen Prozesses revolutionärer Entwicklung zu übernehmen, die Rosa Luxemburg als Programm für die junge deutsche Kommunistische Partei forderte, basierte auf Voraussetzungen, die denen von Lenin genau widersprachen, nämlich daß nur große Veränderungen in der Gesellschaft in sozialistischer Richtung die Herrschaft einer wirklich sozialistischen Partei möglich machen könnten (14).

ANMERKUNGEN

1. Massenstreik, Partei und Gewerkschaften, Hamburg 1906, Neudruck in: Rosa Luxemburg, Gesammelte Werke, Berlin 1928, Bd. IV, S. 410-479.
2. Ebd., S. 453.
3. Die Theorie und die Praxis, ebd., S. 589f.
4. Massenstreik, ebd., S. 410-418.
5. Vgl. zum Beispiel: Wieder Masse und Führer, Leipziger Volkszeitung, 29. August 1911.
6. Vgl. Anton Pannekoek, Neue Zeit, 1911/12, Bd. II, S. 548, 810ff. Für Liebknecht siehe Politische Aufzeichnungen aus seinem Nachlaß, Berlin 1921.
7. Vgl. die Äußerung der Internationalen Sozialisten in Deutschland in Arbeiterpolitik, 10. März 1917, abgedruckt in Dokumente und Materialien zur Geschichte der deutschen Arbeiter-bewegung, Berlin(-Ost) 1958, Bd. I, S. 574.
8. Vgl. Radeks Tagebuch in Otto Ernst Schüddekopf, Karl Radek in Berlin, Archiv für Sozialgeschichte, II, 1962, S. 135f.
9. Vgl. zum Beispiel: Im Asyl, Die Gleichheit, 1. Januar 1912; Neudruck in Gesammelte Werke, Bd. IV, S. 160.
10. Die Gleichheit, 5. Februar 1912.
11. Vgl. seinen Artikel: Zwischen Baden und Luxemburg, Neue Zeit, 1909/10, Bd. II, S. 667.
12. Max Schippel, Die neuesten Vorstöße unserer Impossibilisten, Sozialistische Monats¬hefte XVI, 1912, S. 280.
13. Die Russische Revolution, hrsg. v. Ossip K. Flechtheim, Frankfurt 1963, S. 54; Hervor-hebung von mir.
14. Vgl. Bericht über den Gründungsparteitag der KPD (Spartakusbund), Berlin o. J., S. 56.

Auszug aus dem Aufsatz von J. P. Nettl, The German Social Democratic Party 1890-1914 as a Political Model. World Copyright: The Past and Present Society, Corpus Christi College Oxford. Druck mit freundicher Genehmigung der Society aus: Past and Present, A Journal of Historical Studies, Nr. 30, April 1965, S. 87-93. Übersetzung von Angelika Jaeger.

(G. Ritter et al., Deutsche Parteien vor 1918, Köln, Kiepenheuer & Witsch, 1973, S. 358-364.)

Nachlass Helmut Hirsch (Leo Baeck Institute)

Biographie

Inventar 1 (Archive.org)

Inventar 2 (Leo Baeck Institute)

u.a.

Briefwechsel mit Georges Haupt (1968, 1976)

Briefwechsel mit Willy Huhn (1950-1955)

Briefwechsel mit Henry Jacoby (1949-1971)

Briefwechsel mit Karl und Hedda Korsch (1943-1947)

Briefwechsel mit Maximilien Rubel (1951-1980)
(Teil. 2)
NB. Siehe in diesem Zusammenhang auch: Maximilien Rubel – Die Marx-Legende oder Engels als Begründer (1970)

Manuskript: Sozialismus: Ideal von Gestern oder Heute? Zum Lebenswerk von Henry Jacoby (Westdeutscher Rundfunk, Sendung vom 9.10.1974, 21.15-22.00 Uhr)

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Lettre de Georges Haupt à Helmut Hirsch, Paris, 28 novembre 1968.

Mon cher collègue,

J’ai lu avec beaucoup d’intérêt votre passionnant manuscrit (1) et je pense que vous avez atteint l’objectif recherché : présenter au public allemand une biographie vivante d’un personnage fascinant. Je ne m’étendrai pas sur les éloges. Je voudrais vous communiquer certaines de mes observations critiques. Elles ont de deux natures, concernant d’une part ce qui existe, d’autre part ce qui est absent.

1) ce qui existe :

p. 14 Il me semble que vous interprétez de manière totalement erronée les divergences de Rosa avec le PPS concernant l’indépendance de la Pologne. C’est loin d’être un simple cheval de Troie pour entrer dans les rangs du SPD : nous touchons ici un des points essentiels : la conception de Rosa du problème national. Je pense que ce serait là la place où accorder une page à ce problème crucial qui fait totalement défaut à votre manuscrit (en passant je vous signale que vous pourrez même trouver des éléments pittoresques dans la correspondance d’un des leaders du PPS, Jedrzejowski, avec Labriola que j’ai publiée dans les Annali Istituto Feltrinelli, III, 1960, p. 226-230.

p. 62 Au lieu d’essayer de donner un résumé de la portée théorique de l’ouvrage de Rosa, L’accumulation du Capital, vous présentez un compte-rendu du livre de Nettl, à la fois dans la forme et le contenu. Je pense que les appréciations du livre de Nettl qui sont valables et auxquelles je souscris totalement sont ici inutiles.

p. 100 Votre présentation de Rosa – de son Rutspa, est erronée dans la mesure où hélas vous avez passé sous silence l’aspect le plus important de l’activité de Rosa dans le SPD d’avant 1914 (1911-1914). Les divergences avec le Vorstand y compris Kautsky deviennent d’une importance capitale et concernent cette fois-ci non plus la tactique mais toute une vision stratégique. Rosa devient le chef des Linksradikalen et il suffit de lire la correspondance de Kautsky, Ebert, etc. pour se rendre compte des dimensions de ces divergences et de l’inquiétude que provoquèrent les « Rosa Leute ».

2) Maintenant quelques observations sur ce qui, je pense, manque dans le livre.
D’abord, et cette remarque me semble essentielle, vous avez laissé presque complètement dans l’ombre la pensée théorique et politique de Rosa, bref ce qui fut codifié sous le nom de luxemburgisme (par ex. : sa vision de l’action de masse, de la spontanéité, spontanéité et organisation, etc.) Or, en ce moment précis, à la lumière des préoccupations du SDS en Allemagne, ces problèmes sont d’une grande acuité.
Vous parler [sic] de la participation de Rosa Luxemburg à la vie de l’Internationale mais vous ne mentionnez pas qu’elle est devenue à la veille de 1914 l’un des leaders les plus notoires dans l’Internationale. A ce propos, vous ne pouvez pas passer sous silence ses relations tendues et complexes avec Lénine et les Bolcheviks.

[…]

(1) Il s’agit du livre qui paraîtra l’année suivante chez Rowohlt sous le titre : Rosa Luxemburg in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten.