Archiv der Kategorie 'Karl Korsch'

Der Briefwechsel zwischen Paul Mattick und Roman Rosdolsky (Felix Klopotek)


[Radio Corax, 29.04.2016]

Am 02. Mai wird Felix Klopotek in Erfurt einen Vortrag über diesen Briefwechsel halten. Beginn 18:30 Uhr, Thälmannstr. 26, 99085 Erfurt.

Falken Erfurt

Zur Aktualität von Karl Korsch

Die hier vorgelegten Beiträge über Aspekte des theoretischen Werkes von Karl Korsch stehen in der Tradition einer mittlerweile über dreißig Jahre alten Debatte, die mit dem Zerfall der Studentenbewegung und dem Bedürfnis nach einer längerfristigen Standortbestimmung begann. Diese erste, intensivere wissenschaftliche Auseinandersetzung über die Schriften Korschs in Deutschland fand zu Beginn der 70er Jahre statt.
Der Anlass für die Neuaufnahme dieser Diskussionen war eine Tagung anläßlich des 60. Geburtstags von Michael Buckmiller, dessen wissenschaftliches Werk nicht nur mit der Herausgabe der Schriften von Karl Korsch, sondern auch mit seiner Denkweise eng verbunden ist. Diese Denkweise ist gekennzeichnet durch ein wechselseitiges Verhältnis von wissenschaftlicher Analyse und zeitgeschichtlicher Deutung und eine auf gesellschaftliche Entwicklungen einwirkende Praxis. Theoretisches Nachdenken ist, bezogen auf die „geistige Aktion“, die wissenschaftlich fundierte politische Intervention.

Joachim Perels: Einleitung

Jürgen Seifert: Zum Stellenwert der juristischen Aktion bei Karl Korsch

Heinz Brüggemann: Das Geschlossene und das Offene – Dialektik bei Korsch und Brecht

Michael R. Krätke: Karl Korschs Marx-Kritik – Selbstzweifel und Selbstreflexion im Marxismus

Oskar Negt: Michael Buckmiller und Karl Korsch – Wahlverwandtschaftliches Denken.

Gert Schäfer: Zum Verhältnis von Theorie und Praxis bei Karl Korsch

Michael Vester: Korschs Kritik am Jakobinismus und der Verelendungstheorie im Marxismus der II. Internationale

Das Buch als pdf-Datei: Zur Aktualität von Karl Korsch

Kritische Justiz (Online-Archiv, 1968-2007)

Seit einiger Zeit online ist das gesamte Heftarchiv der „Kritischen Justiz“ (bis 2007).

U.v.a.

Lutz Unterseher: Bürgerliches Arbeitsrecht oder die Zerstörung der formalen Rationalität (2/1968)

Jürgen Seifert: Verrechtlichte Politik und die Dialektik der marxistischen Rechtstheorie (2/1971)

Karl Korsch: Jus belli ac pacis im Arbeitsrecht/J. Seifert: Anmerkung zu Korschs Rechtstheorie (2/1972)

Norbert Reich: Marxistische Rechtstheorie zwischen Revolution und Stalinismus – Das Beispiel Pašukanis (2/1972)

Erhard Lucas: Ausnahmezustand in den ersten Jahren der Weimarer Republik (I) (2/1972)

Erhard Lucas: Ausnahmezustand in den ersten Jahren der Weimarer Republik (II) (4/1972)

Falco Werkentin: Karl Marx über die ‚positiven‘ Seiten des Verbrechens – oder die Folgen einer Glosse in der westlichen Kriminalsoziologie (4/1972)

Roderich Wahsner: Das Arbeitsrechtskartell – Die Restauration des kapitalistischen Arbeitsrechts in Westdeutschland nach 1945 (4/1974)

Bernhard Blanke: Der deutsche Faschismus als Doppelstaat (3/1975)

Thomas Blanke: Rechtstheorie und Propaganda. Notizen zu Aufsätzen von E. Pašukanis aus der Stalin-Ära (4/1979)

Alfred Söllner: Ein (un)deutsches Juristenleben – Franz Neumann zum 80. Geburtstag (4/1980)

Jürgen Seifert: Theoretiker der Gegenrevolution – Carl Schmitt 1888-1985 (5/1985)

Forces productives I

Korsch fait remarquer que le célèbre passage de Marx : « Jamais une formation sociale ne disparait avant que soient développées toutes les forces productives qu’elle est assez large pour contenir, et jamais des rapports de production supérieurs ne se mettent en place avant que les conditions matérielles de leur existence aient muri au sein même de l’ancienne société » est la forme plus abstraite de l’idée que Marx avait formulée dans sa polémique contre Proudhon : « De tous les instruments de production, le plus grand pouvoir productif, c’est la classe révolutionnaire elle-même. L’organisation des éléments révolutionnaires comme classe suppose l’existence de toutes les forces productives qui pouvaient s’engendrer dans le sein de la société ancienne. » (K. Korsch, Karl Marx, Paris, 1971, p. 246) Ce qui permet, ainsi entendu, de faire disparaitre une certaine incohérence dans la théorie marxienne de la révolution : « … cette théorie présente la révolution tantôt comme un phénomène absolument conditionné par le développement objectif des forces productives, tantôt – et d’une façon tout aussi péremptoire – comme l’action bien réelle d’hommes concrets et unis au sein d’une classe sociale déterminée, en lutte contre d’autres classes sociales, avec toutes les chances et tous les risques qu’une telle action pratique comporte. » (Korsch, op. cit., p. 245)

Voir : Michael Mauke, Die Klassentheorie von Marx und Engels, Francfort/Main, 1970.

Karl Korsch – Arbeitsrecht für Betriebsräte (1922)

Vorwort
Als ich vor etwa einem halben Jahre zum ersten Male den Plan erwog, meine bisher nur mündlich in Gewerkschafts-, Betriebsräte- und Volkshochschulkursen in vielen thüringischen Städten vorgetragene Darstellung der Grundzüge des neuen deutschen Arbeitsrechts auch in Buchform der proletarischen Öffentlichkeit zu unterbreiten, schwebte mir als Buchtitel zunächst die Überschrift „Der Betriebsrat im Klassenkampf“ vor. Diese Überschrift sollte, zusammen mit dem gleichfalls schon damals ins Auge gefaßten Motto, den Grundgedanken zum Ausdruck bringen, dessen Ausführung das ganze Werk dient. Es handelte sich darum, nicht mehr bloß in abstrakter Weise zu sagen, daß alles Recht Klassenrecht sei, und somit auch vom Standpunkt des Klassenkampfes aus behandelt werden müsse, sondern diesen Gedanken einmal konkret durchzuführen und zum ersten Male ein ganzes Rechtsgebiet bis in seine konkreten Einzelheiten unter dem methodisch streng durchgeführten Ge-sichtspunkt des Klassenkampfes darzustellen. Das vorliegende Buch, welches auf diesem methodischen Grundprinzip nun wirklich aufgebaut ist, hat gleichwohl einen anderen‘Titel annehmen müssen. Ich glaubte, meine proletarischen Leser nicht fälschlich in den Glauben setzen zu dürfen, daß sie in diesem, vorwiegend mit organisatorischen und juristischen Fragen befaßten Büchlein nun alles, oder auch nur das Wichtigste finden würden, was der Betriebsrat in der Praxis des Klassenkampfes braucht. Umso weniger mochte ich diesem Irrtum Vorschub leisten, als ich in meinen Kursen sehr stark den Eindruck gewonnen habe, daß das Interesse der deutschen Arbeiterschaft für Fragen der Organisationstechnik und der juristischen Konstruktion schon an sich ein übermäßig großes ist und den sonstigen, teilweise viel wichtigeren Fragen des proletarischen Klassenkampfes zuviel Raum wegnimmt. Um also von vornherein Klarheit darüber zij schaffen, daß nur die Rechtsfragen des proletarischen Klassenkampfes in diesem Buche behandelt werden, habe ich den neuen Titel ,‘,Arbeitsrecht für Betriebsräte“ gewählt. Auch dieser Titel ist noch etwas zu weit, da das vorliegende Büchlein nur ein Teilgebiet des Arbeitsrechts, das Recht der Arbeitsverfassung, vollständig zur Darstellung bringt. Weil aber dieses Problem der „ArbeitsVerfassung“, vom Standpunkt des proletarischen Klassenkampfes aus betrachtet, zweifellos das Grundproblem des gesamten Arbeitsrechtes überhaupt ist, und zugleich dasjenige Problem des Arbeitsrechts, welches speziell den „Betriebsräten“ am nächsten liegt, so mag diese kleine Ungenauigkeit des Titels immerhin in den Kauf genommen werden. Vielleicht ist es mir möglich, diesem Bändchen noch andere nachfolgen zu lassen, so daß dann schließlich die ganze Reihe auch die größeren Erwartungen einmal erfüllt, die der Titel des ersten Bandes erregt hat. Der großen Mängel dieses ersten Versuches bin ich mir schmerzlich bewußt, und für alle kritischen Hinweise, besonders wenn, sie aus der Praxis des Klassenkampfes kommen, werde ich herzlich dankbar sein.
Wie sein Titel deutlich sagt, ist dieses Buch für Proletarier geschrieben. Sollten bürgerliche Gelehrte es gleichwohl lesen, um den Standpunkt ihres Gegners kennen zu lernen, so ist dagegen an sich nichts einzuwenden. Sie mögen sich aber bei der Kritik dieses Buches nicht allzu lange bei seiner ausgesprochen politischen Tendenz aufhalten, sondern lieber mit dem sachlichen Gehalt sich auseinandersetzen. Ohnedies weiß heute jeder Verständige, daß in Büchern über sozialrechtliche Fragen, die angeblich „rein wissenschaftlich“ und „voraussetzungslos“ geschrieben sind, die unausgesprochene politische Tendenz des Autors seine sachliche Stellungnahme häufig in fast lächerlicher Weise beeinflußt, während umgekehrt in ausgesprochenen Tendenzschriften exakte wissenschaftliche Untersuchungen angetroffen werden. Wie es aber überhaupt möglich ist, daß in einem ausgesprochen politischen Buch zugleich eine exakt wissenschaftliche Erforschung geltenden Rechts enthalten ist, oder am Ende gar nur in einem solchen politischen Buch eine wirklich exakte wissenschaftliche Rechtsforschung enthalten sein kann, dieses Geheimnis vermag nur der zu begreifen, der sich mit der marxistischen Gesellschaftsauffassung. auseinandergesetzt und die Konsequenzen erfaßt hat, die sich aus dieser Auffassung für die Rechtsbetrachtung ergeben. Alle anderen, die sich selbst noch für „voraussetzungslose“ Rechtsforscher halten, dreschen leeres Stroh, wenn sie sich an der Widerlegung der Grundgedanken dieses Buches versuchen. Sie werden von ihrer „Voraussetzungslosigkeit“ niemanden überzeugen, als diejenigen, die sie gar nicht erst zu überzeugen brauchen, da sie mit ihnen schon von vornherein auf dem gemeinsamen Boden einer und derselben unbewußten Voraussetzung stehen: Aus guten Gründen hat Karl Marx schon im Jahre 1845 speziell den Juristen als den eigentlichen „Ideologen des Privateigentums“ bezeichnet!

Jena, Ende Juni 1922.

Karl Korsch.