Archiv der Kategorie 'Domela-Nieuwenhuis'

Gedenkboek opgedragen aan F. Domela Nieuwenhuis (1904)



N.B. Cette brochure reproduit également une nouvelle d’Alexander Cohen, en français et en néerlandais, datée du 7 février 1904 : « Roudoudou » (pp. 13-15) et « Kapittelstokkie » (pp. 74-75).

Ainsi qu’un dessin de Kaya :

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„Wir wollen keine Knechtschaft, auch keine Liebknechtschaft“

„Der Zukunftsstaat von Bebel und Liebknecht ist ein Zwangsstaat, und ich habe Abscheu vor die Tyrannei des Herrn Liebknecht wie vor die des Herrn von Hohenzollern. Wir wollen keine Knechtschaft, auch keine Liebknechtschaft.

(F. Domela Nieuwenhuis an Robert Seidel, Amsterdam 12.03.1893).

Alexandre Cohen – Lettre au Figaro (1892)

A Monsieur le Rédacteur en chef du Figaro

Paris, 12 février.

Monsieur le Rédacteur,

J’ai l’honneur de vous prier, en ma qualité de fondé de pouvoirs de M. Domela Nieuwenhuis, de bien vouloir insérer dans votre prochain numéro la rectification suivante :
Dans son article « Un bon Socialiste », paru dans le Figaro du jeudi 11 février, M. de Wyzewa, en traitant de la doctrine de Tolstoï, s’exprime ainsi :
« Qu’ils y prennent garde cependant, car il me semble que l’anarchisme du comte Tolstoï se prépare à leur disputer l’avenir.
Déjà même il a commencé de contrarier leurs progrès. dans toute l’Europe il a détaché d’eux les âmes supérieures : il est en train de leur prendre l’élite des jeunes gens de leur parti, MM. Morris et Crane en Angleterre, M. Domela Nieuwenhuis en Hollande, MM. Wille et Hauptmann en Allemagne; tous ces hommes ont quitté la doctrine de Marx pour la doctrine de Tolstoï… » etc.
Après avoir dit, dans les points 1 et 2 de son analyse de la doctrine tolstoïenne, certaines choses plus ou moins acceptables, M. de Wyzewa, dans son 3° point, continue ainsi :
« 3° Enfin, le but à poursuivre n’est pas l’abaissement des grands. Pour que l’humanité soit heureuse, les lettrés doivent oublier la science, et les riches renoncer à leur fortune : à cela doit tendre la future éducation sociale. Car ce n’est point de l’intelligence ni de la richesse que vient le vrai plaisir : le moment est prochain où l’intelligence et la richesse apparaîtront comme des sources de malheur. Il faut que l’humanité arrive à comprendre que ce n’est point de savoir ni de posséder qui peut la rendre heureuse, mais bien de ne désirer que ce qu’on peut atteindre sans mécontenter son voisin. Pareillement, Pascal a dit : Abêtissez-vous, et Jésus-Christ : Heureux les pauvres d’esprit. »
Or, tout ceci est absolument contraire aux idées communistes-révolutionnaires de ce dernier, qui n’a jamais préconisé et ne préconisera jamais une société ayant pour critérium égalitaire : la misère et l’ignorance.
L’« abêtissez-vous » de Pascal et le « Heureux les pauvres d’esprit » du Christ sont l’antithèse la plus absolue de la moderne conception communiste, basée sur, et se réclamant de la science.
Domela Nieuwenhuis (pas plus que William Morris et que tous les véritables communistes) ne veut nullement supprimer le luxe, le bien-être et le développement intellectuel, mais il en préconise au contraire la généralisation pour que tous les êtres humains en jouissent, et non plus exclusivement une infime minorité au détriment de la masse productive.
Nous voilà bien, bien loin de la maladive mystique religiosâtrerie pseudo-socialiste et résignée du comte Tolstoï qui, avant tout, est un chrétien doublé d’un Slave.
Si Domela Nieuwenhuis s’est éloigné, non de la critique sociale de Karl Marx, mais de la tactique suivie depuis quelque temps par beaucoup de soi-disant marxistes, ce n’est uniquement que pour aller à gauche, là où les autres ont viré à droite.
Veuillez agréer, Monsieur le Rédacteur, avec mes remerciements, mes salutations distinguées.

Alexandre Cohen
Rédacteur-fondé de pouvoir au Recht von Allen

Le Figaro, 15 février 1892.

T. de Wzzewa, « Un bon socialiste », Le Figaro, 11 février 1892.

Ferdinand Domela Nieuwenhuis – Der staatssozialistische Charakter der Sozialdemokratie (1909)

« Der staatssozialistische Charakter der Sozialdemokratie », Archiv f. Sozialwissenschaft und Sozialpolitik Bd. XXVIII (1909), S. 101-145.

Rudolf Großmann – F. Domela Nieuwenhuis (1919)

Vorbemerkung: F. Domela Nieuwenhuis, ein Fackelträger im Kampfe der Menschheitsbefreiung aus den Banden des Kapitals, ist dank der sonderbaren Revolutionierung der Gehirne unserer Arbeiterschaft durch die Sozialdemokratie, hierzulande fast unbekannt. Diese Schuld der die Massen seit über 30 Jahren unentwegt korrumpierenden österreichischen Sozialdemokratie sei hier festgehalten. Der 70. Geburtstag Nieuwenhuis fiel in die große Zeit, in der die verbrecherische Zensur ihr schändliches Werk an dem nachfolgenden Aufsatz verübt hätte. Umsomehr ist es nun Ehrenpflicht, den Deutsch-Oesterreichern. die der vollkommenen Vertrottelung so nahe sind, als sie der vollständigen Freiheit und Befreiung fernestehen, Kunde von diesem Mann und seiner Bedeutung zu geben.
Karl F. Kocmata

„Millionen beschäftigen sich, daß die Gattung bestehe, aber durch wenige nur pflanzt die Menschheit sich fort.“ (Friedrich Schiller)

In dem Sturmgebraus des Weltkrieges soll — notgedrungen nur in. kurzen Worten, flüchtig — eines Mannes gedacht werden, dessen ganzes Leben nicht nur der Sache der Arbeiterbewegung geweiht war und ist, sondern der auch vor rund einem Vierteljahrhundert das Emporsteigen des Weltkrieges am Horizont der europäischen Geschichte voraussah; — eines Holländers, dessen Vorschläge und Lehren unbedingt die einzigen gewesen wären, jenen — den Weltkrieg — bannen zu können.

Darum ist das Leben von F. Domela Nieuwenhuis, der am 31. Dezember 1918 ein Alter von 72 Jahren erreicht, ein bedeutsames Symbol.
Große Teile des holländischen Volkes ließen dieses Ereignis nicht vorübergehen, ohne ein Jubelfest zu feiern. Sie ehrten in F. Domela Nieuwenhuis einen der ersten, aufopferungsvollsten Vorkämpfer und Begründer des Sozialismus in Holland, der als Bannerträger dieses Ideals aber eine über die engeren Grenzen seines Heimatlandes hinausreichende, internationale Bedeutung besitzt.

Umso bemerkenswerter, daß sowohl die reichsdeutsche, als auch die österreichische Sozialdemokratie, deren Leitartikel oft den nichtigsten Zwergen des Alltages und der Scheingröße Weihrauch spenden, über F. Domela Nieuwenhuis nichts zu sagen wußte; kein Wort, auch nicht die bescheidenste „objektive“ Würdigung.

Diejenigen, die Nieuwenhuis aus seinem Leben, seinen Schriften und aus seiner fast vier Jahrzehnte umfassenden Betätigung im Dienste der sozialen Befreiung kennen, wird diese Wertschätzung für eine der gigantischsten Gestalten der Idee und Weltanschauung der Freiheit nicht überraschen.

Nieuwenhuis ist sich nämlich treu geblieben — und man weiß es allgemein: dieser Mann wird sich treu bleiben bis zum Grabe. Nur durch diese ihn durchglühende Treue zu seinem Ideal ist es überhaupt erklärlich, woher seine robuste Kraft und zähe Ausdauer stammt, mit der er auch heute noch an der Spitze der holländischen, wahrhaft freisozialistischen Bewegung zu stehen vermag, als Redakteur an deren wöchentlich zweimal in großem Format erscheinenden Hauptorgan, dem „Vrije Socialist“ („Freier Sozialist“) — ungebeugt, trotz der Last der Jahre, in Wahrheit nur ein zweimal Sechsunddreißigjähriger.

Aus seiner prächtigen, 600 Oktavseiten umfassenden Autobiographie (erschienen 1911) erfahren wir, daß Nieuwenhuis am 31. Dezember 1846 zu Amsterdam das Licht der Welt erblickte. Er war der Sprößling einer begüterten Familie und wurde von dieser der Kirche geweiht, der er, als Prediger der lutherischen Gemeinde im Haag, mehrere Jahre voranstand.

Doch noch in jungen Jahren wandte er sich von der Kirche ab. Schon in der zweiten Hälfte der Siebzigerjahre des verflossenen Jahrhunderts finden wir ihn, Fühlung gewinnend, in der Arbeiterbewegung. Bald darauf als aktiven Pionier des Sozialismus — die ersten Samenkörner der modernen und künftigen Bewegung desselben in Holland ausstreuend.

Als solcher wurde er in die holländische Parlamentskammer gewählt. Hier beginnt nun die Eigenart von Nieuwenhuis, die ihn zu einer bleibenden Säule in der Geschichte der sozialen Idee aller Länder macht. Seine bleibende Bedeutung, das Ragende seines Lebens ist vor allem darin zu erblicken, daß er dem Volke und dessen Interessen treu blieb. Um nicht in dem Sumpfe des Parlamentarismus unterzugehen, der die gesamte Sozialdemokratie verschlungen hat — entsagte er dem Parlamentarismus, das Volk auf den Weg sozialwirtschaftlicher Eigenkraft, der geistigen Selbsterziehung und Initiative verweisend.

Allein die volle Wucht seiner Persönlichkeit liegt in einem zweiten Moment. Seine schon heute unvergängliche Größe ist darin zu erblicken, daß Nieuwenhuis schon vor rund 25 Jahren die kommende Katastrophe des Weltkrieges wahrhaft prophetisch voraussah und darauf hinarbeitete, daß die Völker aller Länder von ihr verschont bleiben mögen, für die Friedenserhaltung reif, aktionskräftig gemacht und dazu erzogen würden! Die Tragweite dieser seiner Lebensarbeit für uns alle können wir nur ermessen — heute mehr als je! —, wenn wir wissen, daß alle seine, auf jene Aufgabe abzielenden Vorschläge und Anregungen am grimmigsten von den Wortführern der deutschen und österreichischen Sozialdemokratie — von Wilhelm Liebknecht, August Bebel und Viktor Adler — bekämpft wurden.

Gegenwärtig und an dieser Stelle kann der Kampf Wider Nieuwenhuis nicht näher ausgeführt, dargelegt werden. Nur eines sei gesagt. Ein künftiger Kulturchronist unserer unglücklichen und sich selbst vertilgenden Zeit wird sein Urteil über die Frage nach den wahren Schuldtragenden an dem Ausbruche des Weltkrieges nicht fällen können, ohne die Materialien zu Rate zu ziehen, in denen jener Kampf niedergelegt ist.

Es sind dies die Protokolle der internationalen sozialdemokratischen Kongresse von 1891 (Brüssel) und 1893 (Zürich). Wer immer sich der Mühe unterzieht, jene Protokolle zu lesen, wird aus ihnen ersehen, daß es eine der boshaftesten Scheinheiligkeitsmethoden der Sozialdemokratie ist, wenn sie die Schuld an dem Weltkriege nur den Regierungen in die Schuhe zu schieben trachtet. Jedermann wird, nach Lektüre jener Protokolle, zu der klaren Erkenntnis gelangen müssen, die einstmals das Urteil des künftigen Kulturhistorikers bilden und also lauten wird: Das unvermeidliche Herannahen der Katastrophe des Weltkrieges wurde rechtzeitig signalisiert und vorausgesehen — eben von Nieuwenhuis; daß sie sich entladen konnte, daran tragen weder die Regierungen noch die Völker — beide: gemeinsame Opfer des gleichen Taumels ungeheuerster Interessenkonflikte! —, sondern vielmehr alle, die die Schuld, die 25 Jähre Alles hinderten, verleumdeten, schändeten und hintertrieben, was den Ausbruch des Weltkrieges hätte unmöglich gemacht.

Die Schuldigen an der Möglichkeit eines Weltkrieges, ja an seiner Inszenierung sind diejenigen, die Nieuwenhuis auf jenen Kongressen bekämpften und verlachten; die ihn und seine Mitkämpfer bis in die jüngste Vergangenheit hinein für die breiten Massen mundtot zu machen suchten, um die letzteren ungestört als sozialdemokratisches Rohmaterial ausnützen zu können. Die nichts taten, um die Anschauungen eines F. Domela Nieuwenhuis zum Gemeingut des Volkes zu machen, im Gegenteil Alles, um jene Lehren und deren Träger zu verunglimpfen. Freilich, sie haben gesiegt, diese tapferen Bekämpfer eines Nieuwenhuis und seiner Jünger, das ist unbestreitbar. Nur wollen wir .nicht übersehen und vergessen, daß sie gesiegt haben, indem sie — die Bahnbrecher, die Wegbereiter nicht des Sozialismus, sondern des Weltkrieges geworden sind. Und „das war kein Heldenstück, Oktavio!“ Nieuwenhuis hat getan, was nur menschenmöglich, um das sich nun vor unseren Augen vollziehende Fatum. Dieses Resultat der gesamten letzten 25 Jahre verfehlter Arbeiterbewegung unter sozialdemokratischer Führung, hinanzuhalten, abzuwenden, zu hintertreiben. Es ist ihm nicht geglückt — das Verhängnis nahm seinen Lauf, mußte ihn nehmen. Es wird die Zeit kommen, wo wir den Völkern deutscher Zunge deutlicher werden sagen können, was Nieuwenhuis für sie wollte, was sie in ihm zu ehren haben. Heute können wir es nicht. Vorläufig genüge, daß wir ihm danken, als einem Apostel des Friedens und — was sicherlich wichtiger — der Kraft der Arbeiterklasse, den Frieden zu wahren, welcher Kraft wir es in einem kaum allgemein bekannten Maßstabe zu verdanken haben, wenn Holland heute noch seihe Neutralität zu wahren gezwungen ist.

Ein leuchtendes Vorbild des reinsten, edelsten Ideals, so weit es in dem geistigen Reichtum einer Persönlichkeit verkörpert werden kann — das ist uns F. Domela Nieuwenhuis. Wir grüßen ihn im Zeichen des wahren Freiheitsgeistes, als Bannerträger der Menschheitssache!

Ver! III (1919), S. 3-6.