Archiv für Juli 2018

Georges Navel – Erdarbeiter (1945)

Auf der Baustelle des Invalidenplatzes hoben die Erdarbeiter der Ausstellung von 1937 ein Grabennetz für Abflussrohre aus, die an die städtische Kanalanlage angeschlossen werden sollten.
Ich war in eine starke Arbeitskolonne von Kumpels aus dem Anjou, aus der Bretagne und der Pikardie eingetreten. Es war die charakteristische Zusammensetzung einer Gruppe Pariser Erdarbeiter, die in ihrer großen Mehrheit bäuerlicher Abstammung sind.
Sie tragen ihre Heimat mit sich. Ihr Schnabel bleibt bäuerlich. Sie sprechen langsam. Die Namen der Dinge erhalten in ihrem Munde eine unmittelbare, anschauliche Kraft. Was sie auch sagen mögen: Straße, Wein, Brot, Flasche, alles, was sie nennen, wird greifbar. Selbst wenn sie der Mundart ihrer Heimat nicht treu bleiben, tönt aus ihren Worten noch ein Widerhall ihrer Heimat. Mit ihnen steht man auf bezwungenem, gepflegtem, aufgeteiltem Boden, der zu bäuerlichem Land, zu Feldern, zu Wiesen wurde, in einer Welt, wo der Mensch wie ein Gärtner in seinem Gehege leben kann. Mag ihr Klang auch verschieden sein: die Stimmen dieser Männer, die auf einem Weizen-, einem Kartoffel- oder einem Rübenacker sprechen gelernt haben, wirken doch immer beruhigend.
Die Pariser Erdarbeiter verbinden die bäuerliche Gesundheit mit der Großherzigkeit des Arbeiters. Sie sind herzlich und sogar brüderlich. Mitten im Frieden sind ihre Umgangsformen die von Männern im Kriege, von Männern des gleichen Schützengrabens: von Kameraden. Auf allen Baustellen findet man rasch kameradschaftlichen Anschluss.
Nicht durch Zufall wird man Erdarbeiter, das Handwerk lockt unabhängige Naturen. Ein Erdarbeiter wird eingestellt, ohne vor einem Portal demütig Schlange zu stehen. Er braucht keine Zeugnisse zu sammeln, um sie im Büro eines Personalchefs vorzulegen. Er wird eingestellt, ohne die Mütze abzunehmen. Wenn er sich vorstellt, sagt er nicht: „Verzeihung, bitte, würden Sie …“ Der Meister ist auch Kumpel wie er, nur meistens älter, dicker, röter im Gesicht. Gewöhnlich hat er selbst früher den Spaten in der Hand gehabt. Er hat breite Schultern und trägt auch Bluse und Joppe. Die beiden Männer betrachten einander prüfend. Rasch haben sie sich gegenseitig durchschaut.
„Ich wollte mal fragen, ob du Leute einstellst“, sagt der Erdarbeiter mit trockenster Stimme.
Er bittet nicht um Arbeit wie ein Bettler um Almosen.
Er bückt sich nur bei der Arbeit, nicht vor dem Menschen. Je aufrechter er sich hält, um so besser arbeitet er. Wenn der Meister Leute braucht, und wenn sein Urteil günstig ausfällt, antwortet er:
„Wenn du willst, mein Junge, kannst du morgen kommen. Bring deine Gewerkschaftskarte mit, damit die Kumpels dich arbeiten lassen.“
So ungefähr ist es, wenn es Arbeit gibt. Der Beruf lockt stolze und derbe Naturen. In vielen anderen Berufen verdient man mehr, selbst wenn man nicht so stark und auch nicht schlauer ist. Aber in jenen Berufen ist man weniger stolz als ein Erdarbeiter.
Diese Bauernsöhne haben ein Bedürfnis nach Kraftentfaltung, nach Freiheit und frischer Luft, das sie von der Arbeit im Büro oder in der Fabrik zurückhält. In der heutigen Zeit sind sie eine Rasse für sich. Eine Rasse, die nicht eingesperrt leben kann. Wie die Kolonialarmee oder die Marine zieht die Erdarbeit jene Abenteuerlustigen an, die das Bedürfnis nach ständig neuen Horizonten haben. Fast in jedem Erdarbeiter steckt ein Mensch, der nicht von der Natur getrennt leben kann, nicht leben kann, ohne herumzuziehen. Früher waren die Erdarbeiter noch mehr unterwegs, zu Fuß auf der Landstraße, mit Schaufel und Spitzhacke über der Schulter und ihrem Bündel an einem Stiel — einen Tag hier, acht Tage dort. Sie lernten Frankreich, die Niederlande und das Elend besser kennen. Sie waren Habenichtse. Wollte man in der Welt der Arbeit nach einer echt proletarischen Geisteshaltung suchen, würde man sie nirgendwo reiner als bei den Erdarbeitern finden. Sie können nicht die gleiche Lebensauffassung haben wie Beamte, wie kleine Besitzer, seien es Bauern oder Handwerksmeister. Sie entstammen dem verarmten Bauernstande, den kinderreichen Familien von Häuslern und kleinen Pächtern. Sie haben nichts, sie besitzen nichts, sie werden nie etwas haben. Sie sind nicht so töricht, ans Sparen zu denken. Ein Missgeschick, Unfall oder kurze Arbeitslosigkeit, können sie aushalten. Die Zukunft scheint ihnen vorgezeichnet wie Notenpapier. Sie werden bis zur Erschöpfung ihrer Kräfte arbeiten, ohne wie der Krämer vom Geldmachen für den Bau eines Häuschens auf dem Land zu träumen.
Beinahe alle müssen Vorschuss nehmen auf den vierzehntägig ausgezahlten Lohn. Manche holen sich Tag für Tag ihr Geld. Der Lohn eines Bauarbeiters ist nicht gleichmäßig, besonders im Winter. Sie verdienen nicht genug, um das Geld zu lieben und es beiseite zu legen. Viele von ihnen sind freigebig. Sie versagen sich nie der Solidarität. Es sind gute Kerle. Das erklärt sich aus ihrer Herkunft, aus der Unsicherheit ihrer Lebensbedingungen, aus der Arbeit im Freien und der brüderlich geteilten Mühsal. Wie aber könnte man den Geist kennzeichnen, der ihnen eigen ist, der sie von den Notaren, den Krämern und sogar von den Fabrikarbeitern unterscheidet? In ihrem Herzen finden sie, was sie nicht aus den Büchern gelernt haben. Die Welt hat sich verändert, sie aber gehören noch dem Mittelalter an, Söhne von Leibeigenen, echte Bauernrebellen.
Sie waren die ersten, die sich gewerkschaftlich zusammengeschlossen haben, die dem Ruf der ersten Arbeiterinternationale gefolgt sind. Sie brauchten keinen Geistesballast abzuwerfen, um den revolutionären Gedanken zu begreifen. Sie trugen ihn in sich. Für sie war er kein System, keine Theorie. Er entsprach ihrem Streben. Sie sind immer sprungbereit. Man kann nicht den Stolz eines einzigen antasten, ohne dass die ganze Gruppe wie eine Feder losschnellt. Sie trinken gern Wein, doch während der Streiks halten sie bis zum Ende durch und trinken Wasser. Was für ein Opfer!
Ich bewunderte die Kumpels meiner Kolonne, ihre Geschicklichkeit im Verschalen der tiefen Gräben. Sie verstanden es, sie mit Brettern und Balken so zu festigen, dass sie nicht einstürzten. Die Wände fielen lotrecht ab. Sie gruben kleine Nischen hinein, um darin ein Feuerzeug, ein Päckchen Zigaretten abzulegen, die ihre Taschen beschwerten.
In ihrem Benehmen fiel mir oft wohlbedachte Lebensart auf. Ein sturer Kerl — in jeder Menschengruppe gibt es Kroppzeug — nahm seine Schaufel, um sie als Deckung zu benutzen, während er in den Graben pinkelte. Das war unerwartetes Feingefühl.
In Paris ist die Schaufel breit, die Spitzhacke ist lang, schwerer als im Süden. Ich fragte mich ein wenig besorgt, ob meine Kräfte ausreichen würden. Die Erdarbeiter sind hier stattlichere Kerle als die in der Provinz. Sie richten sich nicht oft auf, um sich zu verpusten. Ich hielt mich nicht für stark genug, um es ihnen gleichzutun. Ich rechnete mit kritischen Bemerkungen, mit mürrischen Anrempeleien, mit Grobheiten von Seiten der Kräftigsten. Doch ganz im Gegenteil, sie waren die gutmütigsten, zartesten und jungenhaftesten Kerle, die vor ihrer Mutter Angst hatten wie Schulkinder — gute Söhne, die noch nicht geheiratet hatten, um die Ernährer ihrer „Alten“ zu bleiben.
Alle stecken sie voller Geschichten, die sie nicht erzählen. Einer aus der Bretagne, ein ehemaliger Seemann, der neben mir die Spitzhacke schwang, sagte zu
mir:
„Ich habe alles erlebt, mir fehlen nur noch zehn Jahre Zuchthaus, um das Leben von Grund auf zu kennen.“
Auf der Baustelle kennt man seinesgleichen besser als in der Fabrik. Die einzelnen Charaktere treten stärker hervor, sind vielfältiger. Die Erdarbeiter haben ein erlebnisreiches Leben. Viele sind weitgereist. Es sind auch genug solche darunter, die aus Militärstrafanstalten kommen, Aufsässige aus Prinzip oder aus Starrsinn. Ihre Zunft ist ein wenig das Freikorps der Arbeiterbataillone. Sie haben kein Talent zum Kuschen.
Wenn ich nach Verlassen der Baustelle nicht mehr unter Erdarbeitern, Maurern und Zimmerleuten war, fühlte ich mich entwurzelt in einer unbeteiligten, steifen, abweisenden, verschlossenen und farblosen Menge. Mir waren zufällige Bekanntschaften auf der Baustelle lieber, Bekanntschaften mit Kumpels in klobigen Stiefeln und Holzschuhen, in Joppe, in Kittel, in schwarzer oder weißer Leinenjacke, Bekanntschaften mit Erdarbeitern, Anstreichern und Mauerleuten. Man tauscht einen Gruß aus, drückt einander die Hand und spricht einander an, ohne sich jemals gesehen zu haben. Ich fühlte mich wie in einer Familie, in einer Gemeinschaft tätiger Hände und lockerer, spaßiger, gutmütiger Zungen. Ich war in meiner wahren Welt, einer Welt, die vielleicht die zukünftigen Formen der menschlichen Beziehungen in sich trug und bereits sichtbar werden ließ. Die Straße, die steifen Menschen, die Sakkoanzüge und die starren Gesichter — das alles war nicht so lustig wie die Baustelle.
Auch mein Vorarbeiter war aus der Bretagne. Er sprach ein gewähltes Französisch. Er war Priesterschüler gewesen. Von Beruf Dreher, war er seit der Krise Erdarbeiter und fühlte sich jetzt auf der Baustelle wohler als in der Fabrik. Wenn er seinen blauen Monteuranzug ausgezogen hatte und den Umkleideraum des Betriebes in Mantel, Kragen und Hut verließ, war er der saubere Arbeiter, der sich vom Angestellten nicht unterscheidet. Die Erdarbeiter sind stolz auf ihren Beruf. Sie tragen gern zur Schau, dass sie vom Bau sind. Im Umkleideraum wechselten sie ihre Pluderhosen, die so bequem für ihre Art von Arbeit sind: weit über den Knien und eng am Knöchel anliegend, mit kleinen Taschen für den Zollstock und den flachgepreßten Löffel zum Abkratzen der Schaufel. Den blauen Arbeitsanzug oder den schwarzen Kittel vertauschten sie mit einem schönen Manchester von gleichem Schnitt, darum wickelten sie den breiten, wollenen Zuavengürtel, den schönen roten oder blauen Gürtel, der Bauch und Kreuz bei der Arbeit schützt. Sie wechselten die schweren Stiefel gegen Halbschuhe. Das kleine schwarze Wams über den Pullover gezogen, gingen sie davon, und ihre schönen Gestalten schmückten Omnibus, Bürgersteig und U-Bahn, wenn sie mit tönender, voller, unbefangener Stimme in Gruppen auftraten. Urwüchsige Burschen. Pierrot, mein Vorarbeiter, der sich in Kleidung und Sprache dem bürgerlichen Typ näherte, verlor bestimmt dadurch, dass er sich von den Erdarbeitern abhob, um dem amerikanischen Arbeiter oder dem gesichtslosen Angestellten in einer gesichtslosen Menge zu ähneln. Ich bewunderte die Erdarbeiter, die so stolz auf ihren Beruf waren, dass sie ihre Tracht auf der Straße trugen. Aus der Tasche ihres Wamses schaute eine Zeitung hervor, meistens die „Humanite“, der „Populaire“ oder der „Libertaire“.
Die meisten von ihnen wohnten in den Vororten, weil man dort billiger lebt als in Paris und weil sie dort ein Stück Garten haben konnten, drei Kohlköpfe, zwei Hühner, einen Kaninchenstall. Sie kamen aus dem Roten Gürtel, der Paris umgibt. Sie wählen kommunistische Bürgermeister und Abgeordnete, die sie beim Vornamen nennen. Ihre Vertreter sind für sie nicht Vorgesetzte, sondern Genossen. Ihre Neigung, bewundernd aufzublicken, verbindet sich mit ihrem Hang zur Gleichheit. Ich wüsste nicht, vor wem unser Vertrauensmann, ein ehemaliger Matrose, die Augen niedergeschlagen hätte. Den Papst hätte er geduzt, wenn er ihm begegnet wäre. Sie sind zutiefst davon durchdrungen, dass der Mensch immer nur ein Mensch ist, gleich in welchem Kleid. Schöne Sätze und Reden blenden sie, sie sind nicht unempfindlich für die Musik der Worte. Wenn sich aber einer zuviel darauf einbildet und sich für mehr hält als sie, dann finden sie sich zu ihrer Grundhaltung zurück. Sie wissen, dass auch sie mit höherer Schulbildung eine vorteilhaftere Figur in der Welt hätten abgeben können. Sie fühlen sich nicht gedemütigt. Wer ihnen mit Verachtung begegnet, dem können sie mit gleicher Münze heimzahlen. Zu ihrem Arbeitstag kommen die ermüdenden Untergrund- und Stadtbahnfahrten hinzu. Viele aßen aus Sparsamkeit nicht im Restaurant, sondern brachten sich ihre Mahlzeiten in einem Brotbeutel mit. Andere aßen zwar im Restaurant, mäßigten aber, gleichfalls um zu sparen, ihren Appetit. Der Liter Wein glich die Spärlichkeit der Fleischration aus.
Der Lärm der Stadt in den verkehrsreichen Vierteln, das Getöse der Maschinen auf den großen Baustellen, die langen Fahrten, das Fehlen einer etwas ausgedehnteren Mittagspause, des Mittagsschläfchens, das sich alle im Freien arbeitenden Menschen gönnen, machen das Dasein des Erdarbeiters in Paris härter als in der Provinz. Es hat schon seinen guten Grund, dass die Erdarbeiter den Wein lieben und ihn vertragen, damit sie sich in der Kneipe an der Ecke etwas aufmuntern können.
Das Handwerk ist ermüdend, aber weder blöde noch stumpfsinnig. Man muss geschmeidig arbeiten, seine Bewegungen überwachen. Nur wenn man die Spitzhacke gut kennt, handhabt man sie richtig. Die Erdarbeiter bedienen sich ihrer mit sparsamem Kraftaufwand. Ihre Bewegungen sind überlegt und wohlbemessen. Es verlangt Geschicklichkeit, die Schaufel ohne übermäßige Anstrengung zu handhaben und täglich das gleiche Arbeitspensum zu schaffen. Wenn aus einem sehr tiefen Graben Erde herausgeschleudert wird, dann gibt es keinen Erdarbeiter, der sich nicht am Schwung seiner Schaufel freut. Aus der Wiederholung der gleichen kraftvollen Bewegung entsteht ein Rhythmus, ein Takt, der dem Körper sein Vollgefühl verleiht. Es ist nicht leichter, seine Schaufel richtig zu schwingen, als einen Diskus zu werfen. Wenn die Erde gut ist, schön rutscht und auf der Schaufel singt, gibt es, bevor die Ermüdung einsetzt, wenigstens eine Stunde am Tag, in der sich der Körper glücklich fühlt.
Das Handwerk ist hart, härter als das der Bauern. Es ist härter, in einem Graben zu schaffen, als hinter einem Pferde den Pflug zu führen. Trotzdem haben die Erdarbeiter ein inneres Leben. Sie leben wie die Bauern, sind wie diese jedem Wechsel der Witterung ausgesetzt. Ihr Wesen ändert sich mit der Jahreszeit, der Stunde, dem Licht, dem Wetter. Aber ihr Denken ist nicht von den praktischen Sorgen erfüllt, mit denen sich die Bauern herumplagen. Es ist philosophischer. Ihre Lebensweisheit ist großzügiger. „Wenn sie hacken, bewegen sie Ewiges. Wie die Bauern sprechen sie schwerfällig, können sie nur ihre einfachsten Gedanken, das Unwesentlichste ihres Wesens ausdrücken. Das Handwerk packt seinen Mann an der Kehle und lässt nur den Gliedern Bewegungsfreiheit. Viele dieser wortkargen Träumer, die man auf der Baustelle trifft, haben nicht mehr Worte für ihre Träumereien als für die Begebenheiten ihres Lebens. Nur ihr Schweigen und bei einigen eine gewisse herbe Schönheit des Gesichts sprechen für sie.
Und doch haben sie erstaunlicherweise einige feurige Redner, die ihren großen Versammlungen Schwung geben. Bei allen hochherzigen Protestbewegungen sind sie vorne an. Sie verteidigen nicht nur ihre Löhne. Das Herz des arbeitenden Paris schlägt stark in ihnen, stärker als irgendwo sonst.

Aus: Georges Navel,Werktage, Übersetzt von Hans Joachim Lange, Aufbau Verlag, Berlin 1950, S. 161-170.

Armand Robin – Das Programm einiger Jahrhunderte (1946)

Das Programm einiger Jahrhunderte

Im Namen des Lichts
Löscht man die Zuversicht
Und dann das Licht.

Im Namen des Verstandes
Wird die Seele verbrannt
Und dann der Verstand.

Im Namen der Gerechtigkeit
Vernichtet man das Mitleid
Und dann die Gerechtigkeit

Im Namen der Freundschaft
Wird die Liebe abgeschafft
Und dann die Freundschaft

Im namen der Kritik
Bricht man der Wahrheit das Genick
Und dann auch der Kritik

Im Namen der Sprache
Wird das Wort zur toten Sache
Und dann auch die Sprache.

Im Namen der Kunst
Wird das Schöne verhunzt
Und dann auch die Kunst.

Im Namen der Kommentare
Legt man die Schriften in die Bahre
Und dann auch die Kommentare

Im Namen des Genies
Wird der Heilige hingerichtet
Und dann auch das Genie vernichtet

Im namen des Poeten
Tötet man den Propheten
Und dann den Poeten

Im namen des Denkers
Muss der Feurige zum Henker
Und dann auch der Denker.

In der Materie Namen
Wird der Geist erlahmen
Und dann der materielle Rahmen.

Im Namen des Nichts
Wird der Mensch abgeschafft
Und selbst der Name der Menschlichkeit

Es gibt keinen Namen mehr weit und breit:
Wir sind so weit!

Le programme en quelques siècles
Erste Veröffentlichung in: Les Poèmes indésirables (1946)
Übersetzung und Nachdichtung: Die Freie Gesellschaft (1949)