Archiv für April 2018

ZAD – Die dunkle Seite der Macht

Was für ein gutes Gefühl, wenn man auf dem Land ist… Warum habe ich meine kleine Heimat überhaupt verlassen?

Die Polizisten, die in Moabit massakriert haben, sind Menschen wie wir. Die Streikbrecher sind genau dieselben Menschen wie die Streikenden, und oft genug die nämlichen Personen, nur in verschiedenen Jahren. An unsrer Natur, unserm Wesen, unsrer Menschenart liegt’s nicht, daß es so grauenhaft zwischen uns hergeht. Das ist schuld, was zwischen uns hergeht, daß wir nicht das halten, was wir versprechen; daß wir nicht das sind, was wir doch sind. Besser wird’s erst, wenn die Menschen keine Rolle mehr spielen; wenn sie sich so zu einander verhalten, das heißt so ihre Verhältnisse zu einander ordnen, wie jeder in Wahrheit ist. Heute ist’s so, daß die Kleider, die wir umhängen haben, einander auf Leben und Tod bekämpfen, daß aber die lebendigen Menschen an Leib und Seele die Wunden davontragen. Der Waffenrock und die Arbeitsbluse sind heute die Dirigenten des Lebens; das Fleisch und Blut, das darin steckt, ist der mechanische und folgsame Automat. Stellt die Ordnung der Natur wieder her; verstehet das Wort des weisen Sokrates: Erkenne dich selbst! Erkenne dich selbst, wie du wahrhaft bist, hinter all dem Plunder, den du umhängen hast, und handle nicht nach den Gesetzen des Plunders, sondern nach dem Wesen des Menschen. Erkenne dich selbst, deinen Nächsten und Gleichen, in dem, der vor dir steht; erkenne ihn hinter der Larve, die er angetan hat wie du. Alle mit einander sind wir nackte Menschenleiber und lassen uns tief ins Fleisch hinein peinigen und ins Blut hinein vergiften von den Nessusgewändern dieser verruchten Fratzengesellschaft, die keiner sein will und die jeder doch ist. (Gustav Landauer)