Nerven (Robert Reinert, 1919)

Rekonstruierter Stummfilm, gedreht im Umfeld der Münchner Räterepublik

In seinem 1919 in München gedrehten Monumental-Film Nerven versucht Robert Reinert den Zündstoff, den Krieg und Not im Menschen erzeugt haben, als nervöse Epidemie zu beschreiben, die die Menschen befallen hat und zu allerhand Taten und Schuld treibt. Geschildert werden die Schicksale verschiedener Personen aus unterschiedlichen sozialen Schichten: Im Mittelpunkt stehen der Fabrikbesitzer Roloff, dessen Glauben an den technischen Fortschritt zerbricht, der Lehrer Johannes, in Volksversammlungen soziale Reformen fordert, und die sich zur Revolutionärin wandelnde Marja, die zum bewaffneten Kampf gegen die Herrschenden aufruft. Das Filmmuseum München hat Robert Reinerts von der Zensur verstümmelten Filmklassiker aufwendig rekonstruiert, der Elemente des expressionistischen Stummfilms der 20er Jahre vorwegnimmt und ein einzigartiges Zeitdokument darstellt.

Der Film, der Münchner in den Wahnsinn trieb: „Nerven“

90 Jahre später klingen die Geschichten, die sich um die Premiere von Robert Reinerts 1919 in den Wirren der Räterepublik entstandenem Zeitporträt „Nerven“ ranken, schauermärchenhaft.Der Film soll gleich mehrere Münchner in den Wahnsinn getrieben haben, bis der Polizeipräsident höchstpersönlich eingriff und Reinerts düster delirierendes Drama um den Verfall einer Industriellenfamilie der Zensurbehörde übergeben ließ.Seinen künstlerischen Höhepunkt erreichte der radikale, den Ideen Oswald Spenglers nahestehende Reinert ausgerechnet 1918/19, als Deutschland immer tiefer im Chaos der letzten Kriegsmonate und der aufkommenden Revolution versank.


1 Antwort auf „Nerven (Robert Reinert, 1919)“


  1. 1 21.5. Der anarchistische Lesekreis zeigt Nerven (1919) « Infoladen Jena Pingback am 15. Mai 2013 um 9:23 Uhr
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