Archiv für Dezember 2012

Hallelujah‏

Hi Folks,

Today is a big day, my new album „Hallelujah“ is finally out and available !!
After 2 years of work, it finally happened and I just wanted you to be informed about that.
You can have some previews here and you can even get a CD or a double vinyl : http://www.adnoiseam.net/adn165
I hope you‘ll enjoy it as much as I enjoyed making it.

Happy apocalypse,

Gautier

Anton Pannekoek an Erich Mühsam (1921)

…Wenn ich Ihre Auffassung richtig verstehe, tadeln Sie den Moskauer Kongreß, weil er einen Teil der Revolutionäre ausschloß, damit dem gleichen Fehler der engherzigen Intoleranz verfallend wie der Haager Kongreß 1872 und der Londoner 1896 der 1. und 2. Internationale. Und Sie schlagen vor, daß alle außerhalb der Moskauer Internationale gestellten revolutionären Gruppen und Parteien sich zu einem losen Bund vereinigen, der in gegenseitiger Duldsamkeit jedem seine Freiheit der Agitation und Aktion läßt. Dem möchte ich nun folgendes entgegenstellen:
Was wir an den Beschlüssen des Moskauer Kongresses tadeln, ist nicht seine Intoleranz, sondern seine viel zu große Toleranz. Wir machen den Führern der 3. Internationale nicht zum Vorwurf, daß sie uns ausschließen, sondern daß sie möglichst viele Opportunisten einzuschließen suchen. Nicht um uns handelt es sich in unserer Kritik, sondern um die Taktik des Kommunismus; wir kritisieren nicht die belanglose Tatsache, daß wir außerhalb der kommunistischen Gemeinschaft gestellt werden, sondern die wichtige Tatsache, daß die 3. Internationale für Westeuropa eine falsche Taktik befolgt, die dem Proletariat zum Verhängnis werden kann. Das Ausschließen ist nun einmal die unangenehme Form der notwendigen Trennung dessen, was nicht zusammengehört, was zum gegenseitigen Kampf Ellbogenfreiheit braucht und nicht friedlich auseinandergehen kann. Und der gegenseitige Kampf der Richtungen ist nötig, damit das Proletariat seinen Weg findet. Nötig ist nicht, daß alle revolutionär empfindenden Seelen sich brüderlich umschlingen und sich gegenseitig freuen über ihre Vorzüglichkeit; nötig ist, daß das Proletariat, die große Millionenmasse, sich klar wird über Weg und Ziel, nicht mehr zögert und unsicher hin und her schwankt, sondern fest wird zur Tat. Das kommt nicht durch Gefühlsduselei der Einigkeit; das kommt nur durch eine klare, feste Kampftheorie, die sich durchsetzt, die in der Härte von Not und Streit zu Fleisch und Blut der Massen wird.
Daher hatte die 1. Internationale recht, als sie 1872 die Anarchisten ausschloß; daher hatte auch die 2. Internationale recht — trotzdem der Opportunismus schon in ihren Reihen emporkam — als sie diesen Aussfchluß 1896 wiederholte. Denn die Kampftheorie, die allein das Proletariat zum Siege führen kann, ist der Marxismus. Nur auf dem Boden der umwälzenden Gesellschaftswissenschaft von Marx wächst die klare Erkenntnis der Bedingungen der proletarischen Revolution. Man soll sich nicht dadurch irre machen lassen, wie der Marxismus in den letzten Jahren verhunzt wurde von denen, die seine Lehren als Beschwörungsformeln gegen die Revolution mißbrauchten – zuerst geschah das bei den Hütern der Marxtradition in der USP, später folgte auch die „Rote Fahne“ diesem Weg. Daher muß mal deutlich ausgesprochen werden, daß in der Agitation und Taktik der KAP, die Marx am wenigsten nennt, mehr echter praktischer Marxismus, mehr von Marxens revolutionärem Feuergeist vorhanden ist, als bei den Wortführern der USP und des Spartakusbundes, die seinen Namen stets im Munde führen. Aber gerade weil jetzt durch diesen Mißbrauch der Marxismus bei vielen jüngeren revolutionären Elementen einigermaßen in Verruf gekommen ist, als sei er wirklich eine Lehre der mechanischen Entwicklung und des fatalistischen Sichergebens, gerade deshalb muß seine Bedeutung für die Revolution mit aller Kraft betont werden. Wir meinen das nicht in dem Sinne, daß die buchstabenfestesten Marxgelehrten die besten Kämpfer seien — die Erfahrung beweist hundertmal, daß theoretische Durchbildung und feurige Aktionskraft durch die dem zu Grunde liegenden Charakteranlagen einander oft aussehließen, und daß viele ohne Theorie, durch intuitive Erfahrung die Kraft zum richtigen revolutionären Handeln finden — sondern in dem Sinne, daß die revolutionär-materialistische Welt- und Gesellschaftsanschauung von Marx die Massen durchdringen muß, um ihnen Klarheit und Sicherheit zu geben.
Sie wollen einen Bund aller von Moskau ausgeschlossenen revolutionären Gruppen bilden. Wir wollen das nicht, weil ein solcher Bund von selbst eine Spitze gegen Moskau bekommen würde. Wir fühlen uns, trotzdem der Moskauer Kongreß unsere Richtung ausschloß, völlig solidarisch mit den russischen Bolschewiki. Wir werfen ihnen vor, daß sie die westeuropäischen Verhältnisse, die schwierigen Kampfbedingungen in den Kernländern des Jahrhunderte alten Kapitalismus nicht genügend kennen oder berücksichtigen, und sich daher — in dem Glauben, derart rasch zur Weltrevolution zu kommen — mit den großen opportunistischen Parteien Westeuropas verbündet haben. Wir sagen: nicht diese Leute, sondern wir gehören zu Euch. Sollten wir dann, aus Ärger über ihr Vorgehen, einen Bund gegen sie bilden? Wir werfen ihnen vor, daß sie die enormen Unterschiede zwischen Rußland und Westeuropa, zwischen ihrer bolschewistischen Partei und den westeuropäischen Parteien nicht beachtet haben, und daher den Fehler machten, die Macht der Führer in Westeuropa zu stärken, deren Beseitigung hier die Bedingung der proletarischen Revolution ist. Es wäre aber beschränkter Doktrinarismus, wenn wir in den gleichen Fehler verfallen wollten, die westeuropäischen Streitpunkte auf Rußland übertrügen, und unsere Auffassung des Führerproblems in Westeuropa zum Maßstab unserer Beurteilung der in ganz anderen Umständen aufgewachsenen, und daher eine ganz andere Rolle spielenden Führer der russischen Revolution machten. Wir bleiben daher solidarisch, nicht nur mit dem russischen Proletariat, sondern auch mit seinen bolschewistischen Führern, trotzdem wir ihr Auftreten innerhalb des internationalen Kommunismus aufs Schärfste kritisieren müssen. Es ist offenbar die gleiche Stellung — vollkommene brüderliche Solidarität mit den russischen Kommunisten unter gleichzeitiger schärfster Ablehnung ihrer für Westeuropa befolgten Taktik — die die KAPD versucht hat zum Ausdruck zu bringen in dem Angebot, als ,,sympathisierende“ Partei in Beziehung zur 3. Internationale zu treten. Mag dieser Vorschlag angenommen oder abgelehnt werden: jedenfalls ist damit ausgesprochen, wie auch wir zu Moskau stehen. Und damit ist es ausgeschlossen, daß wir einem Bund beitreten, der logischerweise in Gegensatz zum Bolschewismus treten muß…

(Die Aktion. Jg. 11, Nr. 11/12, 19. März 1921, Sp. 162-168)

Radical Interpretations of the Present Crisis, NYC, 11.14.12 – Loren Goldner ┇ David Harvey ┇ Andrew Kliman ┇ Paul Mattick

Radical Interpretations of the Present Crisis, NYC, 11.14.12 from Platypus Affiliated Society on Vimeo.

The present moment is arguably one of unprecedented confusion on the Left. The emergence of many new theoretical perspectives on Marxism, anarchism, and the left generally seem rather than signs of a newfound vitality, the intellectual reflux of its final disintegration in history. As for the politics that still bothers to describe itself as leftist today, it seems no great merit that it is largely disconnected from the academic left’s disputations over everything from imperialism to ecology. Perhaps nowhere are these symptoms more pronounced than around the subject of the economy. As Marxist economics has witnessed of late a flurry of recent works, many quite involved in their depth and complexity, recent activism around austerity, joblessness, and non-transparency while quite creative in some respects seems hesitant to oppose with anything but nostalgia for the past the status quo mantra, “There is no Alternative.” At a time when the United States has entered the most prolonged slump since the Great Depression, the European project founders on the shoals of debt and nationalism. If the once triumphant neoliberal project of free markets for free people seems utterly exhausted, the “strange non-death of neo-liberalism,” as a recent book title has it, seems poised to carry on indefinitely. The need for a Marxist politics adequate to the crisis is as great as such a politics is lacking.

And 2011 now seems to be fading into the past. In Greece today as elsewhere in Europe existing Left parties remain largely passive in the face of the crisis, eschewing radical solutions (if they even imagine such solutions to exist). In the United States, #Occupy has vanished from the parks and streets, leaving only bitter grumbling where there once seemed to be creativity and open-ended potential. In Britain, the 2011 London Riots, rather than political protest, was trumpeted as the shafted generation’s response to the crisis, overshadowing the police brutality that actually occasioned it. Finally, in the Arab world where, we are told the 2011 revolution is still afoot, it seems inconceivable that the revolution, even as it bears within it the hopes of millions, could alter the economic fate of any but a handful. While joblessness haunts billions worldwide, politicization of the issue seems chiefly the prerogative of the right. Meanwhile, the poor worldwide face relentless price rises in fuel and essential foodstuffs. The prospects for world revolution seem remote at best, even as bankers and fund managers seem to lament democracy’s failure in confronting the crisis. In this sense, it seems plausible to argue that there is no crisis at all, but simply the latest stage in an ongoing social regression. What does it mean to say that we face a crisis, after all, when there is no real prospect that anything particularly is likely to change, at least not for the better?

In this opaque historical moment, Platypus wants to raise some basic questions: Do we live in a crisis of capitalism today and, if so, of what sort — political? economic? social? Why do seemingly sophisticated leftist understandings of the world appear unable to assist in the task of changing it? Conversely, can the world be thought intelligible without our capacity to self-consciously transform it through practice? Can Marxism survive as an economics or social theory without politics? Is there capitalism after socialism?

Questions:

1. Do we live in a crisis of capitalism today and, if so, of what sort — political? economic? social? Is capitalism basically the same in its “laws of motion” and can it be grasped equally well today as it was by Marx? What difference, if any, does the collapse of the socialist workers movement make for our understanding of capitalism?

2. Why are sophisticated leftist understandings of the world seemingly unable to assist in the task of changing it? Conversely, is the world intelligible despite our incapacity to transform it politically? Can the Left survive as an economics or social theory? Is our work more “difficult” today in theorizing capitalism, or of a completely different kind than it was for past generations of leftist intellectuals?

3. Many on the Left welcomed the #Occupy movement in 2011 because, above all, it responded to capitalist austerity in its slogans and characterized itself in class terms. Did #Occupy betoken a renewed salience of class? How did #Occupy and other movements worldwide differ from the political response — whether by the new social movements or other political expressions — to the crisis of Fordism beginning in the late 1960s and crystallizing with the Oil Crisis in 1973?

4. How does the present crisis compare with past crises of capital? What might we expect to be the duration of the present crisis? Is there an end in sight? Or are we witnessing the “terminal crisis” of capitalism? How do we know? If not the end of capitalism as such, does the present crisis at least signal an end to neoliberalism? If so, what will take its place?

5. How do your political views influence your understanding of capitalism and crisis? In what sense is economics as a science or discipline independent and autonomous from those politics? How do you avoid the danger of your theory from simply confirming your politics, rather than allowing our understanding of present circumstances to help push beyond our present political impasse?

6. At different moments of its unfolding the crisis has been differently expressed in different locations — a sub-prime mortgage crisis in North America, then a sovereign debt crisis in Europe, and now in a still different form in China. What is the extent of the present crisis and how has it been distributed globally? Unevenly? What does globalization look like in a period of prolonged crisis? Is the era of US hegemony at an end? If so, what will take its place? How is/was American imperialism connected to first Fordism and, later, post-Fordist capitalism and how does the new capitalism challenge a new American Empire-led global (re-)organization?

Featuring:

• LOREN GOLDNER

// Co-Editor at Insurgent Notes; ┇ Author (complete archive of writings available here): — Ubu Saved From Drowning: Class Struggle and Statist Containment in Portugal and Spain, 1974-1977 (2000), — “The Sky Is Always Darkest Just Before the Dawn: Class Struggle in the U.S. From the 2008 Crash to the Eve of Occupy” (2011), “Globalization of Capital, Globalization of Struggle” (2012)

• DAVID HARVEY

// Distinguished Professor of Anthropology and Geography at the CUNY Grad Center; ┇ Author: — The Condition of Postmodernity (1989), — A Brief History of Neoliberalism (2005), — “Why the US Stimulus Package is Bound to Fail” (2008), — The Enigma of Capital and the Crises of Capitalism (2011), — Rebel Cities: From the Right to the City to the Urban Revolution (2012)

• ANDREW KLIMAN

// Professor of Economics at Pace University; ┇ Contributing author to the Marxist-Humanist Initiative’s (MHI’s) With Sober Senses since 2009; ┇ Author: — Reclaiming Marx’s “Capital”: A Refutation of the Myth of Inconsistency (2007), — The Failure of Capitalist Production: Underlying Causes of the Great Recession (2012)

• PAUL MATTICK

// Teaches Philosophy at Adelphi University; ┇ Former editor of the International Journal of Political Economy (1987-2004), frequent contributor to The Brooklyn Rail ┇ Author: — Social Knowledge: An Essay on the Nature and Limits of Social Science (1986), — Art in Its Time: Theories and Practices of Modern Aesthetics (2003), — Business as Usual: The Economic Crisis and the Failure of Capitalism (2011)

Audio Recording: Download

Sozial.Geschichte Online 9 (2012)

Sozial.Geschichte Online
9 (2012) – Sonderheft für Marcel van der Linden

Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift Sozial.Geschichte Online ist dem Historiker und Protagonisten der Global Labour History, Marcel van der Linden, gewidmet. Sie enthält einen ausführlichen Artikel über die Entstehungsgeschichte und die wichtigsten inhaltlichen Orientierungen seiner wissenschaftlichen Arbeit (Karl Heinz Roth) sowie eine Bibliographie (Frederike Burda). Andrea Komlosy und Dirk Hoerder setzen sich mit der Frage nach dem „Werttransfer“ und der Migrationsgeschichte mit Aspekten des Werkes van der Lindens auseinander, Angelika Ebbinghaus, Berthold Unfried und David Mayer würdigen seine Arbeit als „Netzwerker“. Bettina Engels schließlich hat einen aktuellen Text über hierzulande sehr wenig wahrgenommene soziale Kämpfe in Burkina Faso beigesteuert.

Link zu dieser Ausgabe

Inhalt / Contents

Angelika Ebbinghaus,
Statt eines Editorials / In Place of an Editorial

David Mayer / Berthold Unfried,
Marcel van der Linden und die International Conference of Labour and Social History

Angelika Ebbinghaus,
Marcel van der Linden – Freund der Stiftung Sozialgeschichte

Andrea Komlosy,
Arbeit und Werttransfer im Kapitalismus. Vielfalt der Erscheinungsformen und Operationalisierung

Dirk Hoerder,
Migration Research in Global Perspective: Recent Developments

Bettina Engels,
Brot und Freiheit. Proteste gegen das ‚teure Leben‘ in Burkina Faso

Karl Heinz Roth,
Ein Enzyklopädist des kritischen Denkens: Marcel van der Linden, der heterodoxe Marxismus und die Global Labour History

Frederike Buda,
Bibliographie von Marcel van der Linden / Bibliography of Marcel van der Linden’s Publications

Dead Moon – Walking on my grave