Amadeo Bordiga – Mord an den Toten (1951)

Mord an den Toten

In Italien haben wir langjährige Erfahrungen mit „über das Land hereinbrechenden Katastrophen“ und sind gewissermaßen darauf spezialisiert, sie „noch schlimmer zu machen“. Erdbeben, Vulkanausbrüche, Überschwemmungen, Wolkenbrüche, Epidemien… Vor allem bei ärmeren Völkern mit einer hohen Bevölkerungsdichte sind die Auswirkungen zweifellos empfindlich; und wenn auch häufig sehr viel schlimmere Naturkatastrophen als die unsrigen über alle Ecken und Winkel der Erde hereinbrechen, so fallen ungünstige soziale Bedingungen nicht immer mit ungünstigen geographischen und geologischen Bedingungen zusammen. Aber jedes Volk und jedes Land hat seine für uns im „Garten Europas“ unbekannten kleinen Freuden: Taifune, Dürren, Seebeben, Hungersnöte, Hitze- und Kältewellen; schlägt man die Zeitung auf, findet man unvermeidlich mehr als eine Notiz dazu – von den Philippinen bis zu den Anden, vom ewigen Eis bis zur afrikanischen Wüste.

Der italienische Kapitalismus – quantitativ gesehen kaum von Bedeutung, nimmt er in „qualitativer“ Hinsicht jedoch schon lange eine Spitzenstellung in der bürgerlichen Zivilisation ein, die ihre größten Vorläufer im Glanz der Renaissance aufbot – hat die „Ökonomie des Unglücks“ meisterhaft entwickelt. [1]

Wenn Monsune ganze Städte an der Küste des Indischen Ozeans verwüsten oder wenn sie von dem durch Unterwasserbeben aufgewühlten Meer überschwemmt werden, vergeuden wir nicht eine Träne, aber für das Polesine [2] ist es uns gelungen, aus aller Welt Almosen zusammenzukratzen.

Glanzvoll war unsere Monarchie, weil sie es verstand, dorthin zu eilen, nicht wo getanzt wurde (Pordenone), sondern wo man an Cholera starb (Neapel), oder zu den Trümmern der von seismischen Erschütterungen im Jahre 1908 dem Erdboden gleichgemachten Städte Reggio und Messina. Unseren Präsidentenknirps Einaudi [3] haben sie heute nach Sardinien gekarrt und, falls die Stalinisten keinen Blödsinn erzählt haben, ihm Scharen von Potemkin’schen Arbeitern [4] vorgeführt, die von einer Seite der Bühne zur anderen rannten, wie die Krieger in der Oper „Aida“. Zwar schaffte man es nicht, die vor dem steigenden Powasser Flüchtenden rechtzeitig herauszuholen, doch – nachdem Aufnahmegeräte und Mikrophone für die gigantische, weltweite Bettelei bereitstanden – stellten sich dort durchnässte Abgeordnete und Minister dekorativ in Gummistiefeln auf.

Die geniale Formel lautet also: Der Staat muss intervenieren! Diese Formel gebrauchen wir schon seit gut 90 Jahren. Der von Berufs wegen geschädigte Italiener hat an die Stelle der Gnade Gottes und der Vorsehung die Staatshilfe gesetzt und ist überzeugt, dass das nationale Budget nicht an so enge Grenzen wie die Barmherzigkeit des Herrn stößt. Ein guter Italiener spendet mit Freuden 10.000 Lire, die er aus seiner Tasche hervorkramt, um nach vielen Monaten 1.000 Lire von der Regierung „ergattern“ zu können. Sobald bei einer dieser periodischen Gelegenheiten (die heute mit dem Modewort „Notstand“ bezeichnet werden, sich aber in jedem Frühling wiederholen) die unausbleiblichen „Hilfsmaßnahmen“ der Regierung eingeleitet werden, stürzt sich eine Bande professioneller, Ärmel aufkrempelnder „Progressiver“ auf die Kuppelei und Orgie der Auftragsvergaben.

Der derzeitige Finanzminister Vanoni [5] suspendiert kraft seiner Autorität alle anderen staatlichen Aufgaben und erklärt, dass er nicht eine Lira für die anderen „Sondergesetze“ locker machen werde, da alle Gelder für die Maßnahmen des jetzigen Unglücks gebraucht würden.

Ein besserer Beweis dafür, dass der Staat zu nichts nutze ist, lässt sich kaum finden und wenn Gottes Hand über uns wäre, täte sie für die Geschädigten ein wahrhaft gutes Werk, diesen scharlatanischen und dilettantischen Staat durch ein Erdbeben oder einen Bankrott zu ruinieren.

Wenn die Dummheit des Klein- und Mittelbürgers aus allen Knopflöchern strahlt, wenn er der Angst, die ihm das Blut in den Adern gefrieren lässt, mit der schwachen Hoffnung auf ihm von der Regierung zukommende Entschädigung abzuhelfen sucht, so erscheint die Reaktion der kleinen Führer der Arbeitermassen nicht minder töricht, die bei dem Unglück, so schreien sie, alles verloren hätten – nur ihre Ketten haben sie leider nicht verloren.

In diesen extremen Situationen, wo dem Proletariat der aus der normalen kapitalistischen Ausbeutung stammende Wohlstand genommen wird, zaubern jene sich als „Marxisten“ ausgebenden Führer eine ökonomische Formel aus dem Ärmel hervor, die noch blöder ist als die der staatlichen Intervention; sie ist allseits gut bekannt: Die Reichen sollen zahlen!

Vanoni wird nun beschimpft, weil er es nicht verstanden habe, die hohen Einkommen zu besteuern.

Aber eine bloße Ahnung vom Marxismus genügt, um festzustellen, dass die hohen Einkommen dort wachsen und gedeihen, wo große Zerstörungen stattfinden und sich hiermit große Geschäfte machen lassen. „Die Bourgeoisie soll den Krieg bezahlen!“, sagten 1919 jene falschen Hirten, statt das Proletariat aufzufordern, sie zu stürzen. Die italienische Bourgeoisie ist immer noch da, und mit Begeisterung investiert sie ihre Gewinne in Kriege und andere Geißeln der Menschheit – um vervielfacht zu ihnen zurückzufließen.

Gestern

Wenn eine Katastrophe Wohnhäuser, Anbaugebiete und Fabrikanlagen zerstört und die arbeitende Bevölkerung zur Untätigkeit verurteilt, wird ohne Frage Reichtum zerstört. Aber es ist nicht möglich, dem durch Abzug anderswo vorhandenen Reichtums abzuhelfen, wie z.B. durch das jämmerliche Unterfangen, alte Wintermäntel vom Speicher zu holen, wenn die dafür nötige Propaganda, die Einsammlung und der Transport schon sehr viel mehr kosten, als der Wert der abgewetzten Kleider ausmacht.

Der durch eine Katastrophe ausgelöschte Reichtum steht für eine in Jahrhunderten akkumulierte Arbeit. Um die Folgen einer Katastrophe zu beseitigen, ist eine große Masse gegenwärtiger, lebendiger Arbeit notwendig. Wenn wir ihn nicht abstrakt, sondern konkret und gesellschaftlich fassen, erscheint der Reichtum als das Recht gewisser, der herrschenden Klasse angehörenden Individuen sich lebendige Arbeit anzueignen. Dadurch dass wieder Arbeit in Bewegung gesetzt wird, werden neue Einkommen und Reichtümer geschaffen. Die kapitalistische Ökonomie verfügt über keinerlei Mittel, anderenorts akkumulierten Reichtum „umzuschichten“, z.B. um die auf Sardinien oder in Venetien entstandene Lücke zu füllen, ebenso wenig wie die Dämme am Tiber Stück für Stück abgetragen werden können, um damit die vom Po abgetragenen wieder aufzubauen.

Das ist der Grund, warum die Vorstellung einer Vermögensabgabe bei den Besitzern unversehrter Ländereien, Häuser und Büros – um die verwüsteten instandzusetzen – Blödsinn ist.

Kernpunkt des Kapitalismus ist nicht der Rechtstitel auf diese Immobilien, sondern ein Ökonomietypus, der die Aneignung des Profits auf das zugesteht, was die Arbeit des Menschen in unaufhörlichen Zyklen schafft und der Aneignung dieser Arbeit alles unterordnet.

So hat in der Nachkriegszeit die Idee, dem Wohnungsmangel durch einen Mietstopp der Eigentümer unversehrter Häuser zu begegnen, bloß dazu geführt, dass sich die Wohnungen in einem Zustand befanden, als wären sie bombardiert worden. Mit billigen Argumenten machen sich dann die Demagogen bemerkbar und geben für die „arbeitende Masse verständliche“ Sprüche von sich, damit der Stopp bloß nicht angetastet wird.

Grundlage der marxistischen ökonomischen Analyse ist die Unterscheidung zwischen toter Arbeit und lebendiger Arbeit. Wir definieren den Kapitalismus nicht als Eigentumstitel an vergangener, kristallisierter Arbeit, sondern als das Recht auf Aneignung der lebendigen Arbeit. Dies ist auch der Grund, weshalb die bestehende Ökonomie nicht zu einer Lösung führen kann, die mit einem Minimum an Arbeitsmühe die rationale Erhaltung dessen bewirkt, was die vergangene Arbeit übertragen hat und die beste Grundlage für die zukünftige Arbeit bildet. Was die bürgerliche Ökonomie interessiert, ist das bis zum Wahnsinn gesteigerte Tempo gegenwärtiger Arbeit; zu diesem Zweck fördert sie die Zerstörung noch immer nützlicher Massen vergangener Arbeit und kümmert sich einen Dreck um die Nachkommen.

Marx erklärt, dass die antiken Ökonomien, die mehr auf den Gebrauchs- als auf den Tauschwert gegründet waren, nicht wie heute der Notwendigkeit nach Auspressung von Mehrarbeit unterlagen, und er erinnert daran, dass die Tatsache, den Arbeiter bei der Gold- und Silberförderung (nicht umsonst ist der Kapitalismus aus dem Geld entstanden) sich zu Tode arbeiten zu lassen, Ausnahmen in der alten Welt waren (wie „Diodorus Siculus“ berichtet [MEW 23, S. 250]).

„Der Heißhunger nach Mehrarbeit“ [MEW 23, S. 249 ff] führt nicht nur zur Auspressung von Arbeitskraft durch Verkürzung der Lebenszeit der Arbeiter, sondern obendrein bringt die Vernichtung der toten Arbeit – um die noch nützlichen Produkte durch lebendige Arbeit zu erneuern – profitable Geschäfte ein. Wie Maramaldo [6] ist der Kapitalismus, Unterdrücker der Lebenden, auch der Mörder der Toten.

„Sobald aber Völker, deren Produktion sich noch in den niedrigren Formen der Sklavenarbeit, Fronarbeit usw. bewegt, hineingezogen werden in einen durch die kapitalistische Produktionsweise beherrschten Weltmarkt, der den Verkauf ihrer Produkte ins Ausland zum vorwiegenden Interesse entwickelt, wird den barbarischen Gräueln der Sklaverei, Leibeigenschaft usw. der zivilisierte Gräuel der Überarbeit aufgepfropft“ [MEW 23. S. 250].

Der kraft unserer Lehre definierte Heißhunger nach Mehrarbeit des jungen Kapitalismus, enthält bereits vollständig die Analyse der modernen Phase des reifen und maßlos gewordenen Kapitalismus: den wilden Hunger nach Katastrophen und Ruin.

Bei weitem nicht eine unserer Erfindungen (zur Hölle mit den Erfindern, vor allem, wenn sie sich für schöpferisch halten, aber noch nicht mal das Abc richtig aufsagen können), findet sich die Unterscheidung zwischen toter und lebendiger Arbeit in der grundsätzlichen Unterscheidung zwischen konstantem und variablem Kapital wieder. Alle durch Arbeit produzierten Dinge, die nicht direkt, sondern im weiteren Produktionsprozess verarbeitet werden (man nennt das heute Produktionsgüter), bilden das konstante Kapital.

„Durch ihren Eintritt als Produktionsmittel in neue Arbeitsprozesse verlieren Produkte daher den Charakter des Produkts. Sie funktionieren nur noch als gegenständliche Faktoren der lebendigen Arbeit“ [MEW 23, S. 197].

Dies gilt für die Roh- und Hilfsstoffe, für die Maschinen und für jede andere Anlage, die sich fortlaufend abnutzt: Der Verlust durch Verschleiß, der ersetzt werden muss, erfordert vom Kapitalisten eine weitere Masse konstanten Kapitals anzulegen – was die herkömmliche Ökonomie Amortisierung nennt. Die rasche Amortisierung ist das höchste Ideal dieser nekrophilen Ökonomie.

Im Faden der Zeit: „Die Lehre vom Teufel im Leibe“ [7] erinnerten wir daran, dass bei Marx das Kapital die teuflische Funktion hat, der toten, zur Sache gewordenen Arbeit, lebendige Arbeit einzuverleiben. Welch’ eine Freude, dass die Dämme des Po nicht ewig halten und man ihnen heute frohen Herzens „lebendige Arbeit einverleiben kann“! Projektplanungen und Vertragsbedingungen sind in wenigen Tagen fertig! Gut gemacht: Ihr habt den Teufel im Leibe.

„Chef, die Planungsabteilung unseres Unternehmens hat ihre Aufgabe erledigt: die technischen und wirtschaftlichen Studien sind erstellt. Alles ist fix und fertig.“ Und so werden Steine aus Monselice in der Preiskalkulation höher eingeordnet als der Marmor aus Carrara. [8]

„Es ist also eine Naturgabe der sich betätigenden Arbeitskraft, der lebendigen Arbeit, Wert zu erhalten, indem sie Wert zusetzt, eine Naturgabe, die dem Arbeiter nichts kostet, aber dem Kapitalisten viel einbringt, die Erhaltung des vorhandnen Kapitalwerts“ [MEW 23, S. 221].

Das einfach „erhaltene“ Kapital, stets dank der lebendigen Arbeit, wird von Marx konstanter Kapitalteil oder konstantes Kapital genannt. Aber:

„Der in Arbeitskraft“ (Lohn) „umgesetzte“ (vulgo: angelegte) „Teil des Kapitals verändert dagegen seinen Wert im Produktionsprozess. Er reproduziert (…) einen Überschuss darüber, Mehrwert“ [MEW 23, S. 224].

Wir nennen dies daher variablen Kapitalteil, oder einfach variables Kapital.

Hier liegt der Schlüssel. Die bürgerliche Ökonomie setzt den Gewinn ins Verhältnis zum konstanten Kapital, das die ganze Zeit nichts weiter tut, ja zum Teufel ginge, wenn das Tagewerk des Arbeiters es nicht „erhalten“ würde. Die marxistische Ökonomie setzt dagegen den Profit nur zum variablen Kapital ins Verhältnis und zeigt auf, wie die proletarische Tätigkeit a) das konstante Kapital (die tote Arbeit) erhält, und b) das variable Kapital (die lebendige Arbeit) erhöht. Diese Erhöhung, den Mehrwert, steckt sich der Unternehmer ein.

Marx erklärt, dass die Bestimmung der Mehrwertrate, ohne das konstante Kapital in Rechnung zu stellen, dem gleichkommt, dasselbe gleich Null zu setzen [9] Dieses Verfahren, in dem variable Größen behandelt werden, ist in der Mathematik gang und gäbe.

Obwohl das konstante Kapital gleich Null gesetzt wird, bleibt der sich auftürmende kapitalistische Profit bestehen. Das gleiche kann man auch so sagen: Der Unternehmerprofit bleibt auch dann, wenn das Kapital der Mühe, das konstante Kapital zu erhalten, enthoben wird.

Diese Hypothese ist im heutigen Staatskapitalismus real geworden.

Das Kapital an den Staat zu überführen bedeutet, das konstante Kapital gleich Null zu setzen. Am Verhältnis zwischen Unternehmer und Arbeiter ändert sich dadurch nicht das Geringste, denn dieses Verhältnis hängt nur von zwei Größen ab: dem variablen Kapital und dem Mehrwert.

Ist die Analyse des Staatskapitalismus eine neue Sache? Ohne großspurig zu sein, können wir aus unserem ganzen Wissensfond schöpfen, den es seit 1867, und schon davor, gibt. Kurz und knapp: c = 0.

Wir lassen von Marx nicht ab, ohne nach dieser nüchternen Formel eine kraftvolle Textstelle zu nennen:

„Das Kapital ist verstorbne Arbeit, die sich nur vampyrmäßig belebt durch Einsaugung lebendiger Arbeit und um so mehr lebt, je mehr sie davon einsaugt“ [MEW 23, S. 247].

Das moderne Kapital – das Konsumenten braucht, weil es immer mehr produzieren muss – hat natürlich ein großes Interesse daran, die Produkte der toten Arbeit auf schnellstmöglichem Wege unbrauchbar zu machen, damit sie durch lebendige Arbeit erneuert werden – der einzigen, aus der es Profit „saugen“ kann. Genau deshalb freut sich das Kapital wie ein Schneekönig, wenn Kriege ausbrechen, und deshalb ist es bestens im Umgang mit Katastrophen geübt. In den USA ist die Automobilproduktion gewaltig, obwohl alle oder fast alle Familien schon ein Auto haben: Es könnte schnell zum Versiegen der Nachfrage kommen. Also ist es besser, wenn das Auto nicht lange hält. Um das zu erreichen, wird es zunächst einmal schlecht und mit allerlei Pfuschteilen zusammengebaut. Wenn die Benutzer sich dann häufiger das Genick brechen, macht nichts: Man hat zwar einen Kunden verloren, doch gibt es ein Fahrzeug zu ersetzen. Zudem macht man sich mit breiter Unterstützung der verblödenden Werbung die Mode zunutze, dass alle das letzte Modell haben wollen, wie solche Frauen, die sich in Grund und Boden schämen, wenn sie ein Kleid „vom letzten Jahr“ tragen, selbst wenn es völlig in Ordnung ist. Die Dummköpfe beißen an, und es ist nicht wichtig, ob ein Ford, Baujahr 1920, länger hält als ein Wagen, der 1951 zusammengekloppt wurde. Und schlussendlich werden die veralteten Autos noch nicht einmal als Alteisen verwendet, sondern auf den Autofriedhof geschmissen. Derjenige, der es wagt zu sagen: „Ihr habt es weggeschmissen, als wäre es wertlos, weshalb sollte ich es nicht reparieren und damit herumfahren können?“ riskiert einen Schuss vor den Bug und eine Gefängnisstrafe.

Um lebendige Arbeit auszubeuten, muss das Kapital tote und noch nützliche Arbeit vernichten. Indem es heißes, junges Blut begehrlich einsaugt, tötet es die Leichen.

Während also die Instandhaltung der Po-Dämme auf einer Länge von 10 km menschliche Arbeit für, sagen wir, 1 Million pro Jahr erfordert, ist es für den Kapitalismus viel lohnender, alle Dämme zu erneuern und dabei 1 Milliarde zu verausgaben. Sonst wäre er gezwungen, 1000 Jahre zu warten. Soll das jetzt vielleicht heißen, dass die „schwarze Regierung“ [10] die Dämme zerstört hat? Sicherlich nicht. Das heißt allerdings auch, dass niemand Druck auf sie ausgeübt hat, die lächerliche jährliche Million bereitzustellen; sie wurde nicht ausgegeben, weil sie für die Finanzierung anderer „grandioser Werke“ verschlungen wurde – für andere „neue Bauwerke“, für die Milliarden veranschlagt wurden. Jetzt, wo der Teufel die Deiche geholt hat, findet sich schnell einer, der aus den edelsten Beweggründen heraus, wie dem hochheiligen nationalen Interesse, das Planungsbüro aktiviert und die Deiche wiedererrichtet.

Wer ist dafür verantwortlich, dass Großinvestitionen bevorzugt werden? Die Schwarzen, genauso wie die Rotgefärbten. Die einen wie die anderen schwätzen davon, eine Politik der Produktivitätsförderung und der Vollbeschäftigung zu wollen. Nun besteht der „Produktivismus“, liebste Wortschöpfung Mussolinis, gerade darin, „aktuelle“ Zyklen lebendiger Arbeit in Gang zu setzen, in denen Großunternehmen und Spekulanten Milliarden verdienen. Und folglich modernisiert man die veralteten Maschinen der Großindustrie auf Kosten von Pantalone [11], ebenso wie die Dämme, nachdem man zugelassen hat, dass sie brechen. Die Geschichte der letzten Jahre der Regierungsverwaltung der öffentlichen Arbeiten und der Subventionierung der Industrie ist voll von diesen Meisterleistungen, die von der Versorgung mit unter Preis weiterverkauften Rohstoffen bis hin zu den „öffentlichen“ Arbeiten reichen, die im „Kampf gegen die Arbeitslosigkeit“ auf der Basis von „konstantes Kapital gleich Null“ bestehen. Einfach gesagt: Geben wir alles für Löhne aus, und wenn das Unternehmen kein anderes Werkzeug als Schaufeln hat, wird man den „commendatore“ [12] überzeugen müssen, wie nützlich eine einfache „Abtragung der Erde“ wäre: zuerst wird alles von hier nach dort geschaufelt, und gleich darauf alles von dort nach hier.

Wenn der „commendatore“ zögern sollte, kann das Unternehmen auf die Gewerkschaft zählen: Eine Demonstration der Tagelöhner – unter dem Fenster des Ministers, Schaufeln über der Schulter – schon ist alles klar. Dann erscheint der Erfinder auf der Bildfläche und überwindet Marx: Die Schaufeln, bloßes konstantes Kapital, haben Mehrwert erzeugt.

Heute

Ohne Frage war das Ausmaß des Desasters am Po gewaltig und die Schätzungen über die Schäden steigen noch immer an. Wir gehen davon aus, dass die nutzbare Fläche sich um 100.000 Hektar, also 1.000 Quadratkilometer verringert hat, ungefähr 0,3 % oder drei Tausendstel der Gesamtfläche. 100.000 Bewohner mussten ihre Wohnsitze verlassen, d.h. rund 0,2 % oder zwei Tausendstel der Gesamtbevölkerung (die Region gehört nicht zu den am dichtesten besiedelten in Italien).

Wäre die bürgerliche Ökonomie nicht verrückt, könnte man eine kleine, einfache Rechnung aufstellen. Das Nationalvermögen hat zwar einen schweren Schlag erlitten, doch nachdem das Wasser abgelaufen war, zeigt sich, dass die Region nur zum Teil Schäden erlitten hat: Das Ackerland ist weitgehend in Ordnung und die Zersetzung der pflanzlichen Stoffe gleicht, mit Hilfe des Schlamms, den Verlust der Fruchtbarkeit partiell aus. Wenn der Schaden hier ein Drittel des regionalen Gesamtkapitals ausmacht, ist das 0,1 % oder ein Tausendstel des nationalen Kapitals. Dies hat einen durchschnittlichen jährlichen „Gewinn“ von 5 %. Wenn jeder Italiener ein Jahr lang auf knapp 2 % seines Konsums verzichten würde, wäre die entstandene Lücke geschlossen.

Aber die bürgerliche Gesellschaft ist alles, nur keine Genossenschaft, z.B. wenn die großen Freibeuter des einheimischen Kapitals Vanoni ins Leere laufen lassen, indem sie zeigen, dass sie die „Anteile“ ihres Betriebs unter allen Beschäftigten aufgeteilt haben.

Alle produktivistischen Geschäfte der italienischen und internationalen Wirtschaft sind in etwa so zerstörerisch wie die Verheerungen in der Po-Ebene: Das Wasser tritt auf der einen Seite ein und läuft auf der anderen wieder raus.

Doch die oben aufgeworfene Frage ist im Kapitalismus nicht lösbar. Würde es sich um das Projekt handeln, binnen eines Jahres soviel Waffen zu produzieren, um Eisenhowers 100 Divisionen [13] auszurüsten, wäre es sofort gelöst. Denn hierbei geht es um kurzlebige Geschäfte und der Kapitalismus macht Freudensprünge, wenn ein Auftrag über 10.000 Kanonen in einer Frist von 100 statt 1.000 Tagen erledigt werden soll. Nicht umsonst gibt es einen Stahlpool!

Aber ein Pool von hydrogeologischen und seismologischen Organisationen ist nicht machbar, sofern es die hohe bürgerliche Wissenschaft nicht schafft, serienweise, wie bei den Bombardierungen, Überschwemmungen und Erdbeben zu erzeugen.

Hier jedoch handelt es sich um eine langsame und nicht zu beschleunigende, Jahrhunderte dauernde Übertragung, um die von Generation zu Generation weitergegebenen Ergebnisse der „toten“ Arbeit, die das Leben sowie die Lebenden schützt und von ihnen geringe Opfer verlangt.

Wenn wir davon ausgehen, dass das Wasser innerhalb weniger Monate aus der Polesine abläuft und der Dammbruch bei Occhiobello vor dem Frühjahr repariert würde, wäre die Jahresernte zwar verloren und keine produktive „Investition“ könnte sie ersetzen, aber der Verlust hielte sich in Grenzen.

Geht man hingegen davon aus, dass die Dämme des Po und der anderen Flüsse öfter brechen, sowohl aufgrund der Folgen, die dreißig Jahre vernachlässigte Pflege bzw. Instandhaltung bewirkt haben, als auch aufgrund der verheerenden Abholzung in den Bergen, dann ließe sich natürlich nur langfristig Abhilfe schaffen. Bloß um der schönen Augen unserer Nachkommen willen, wird kein Kapital investiert werden.

Unsere Väter warnten vergeblich, dass es nur noch wenige naturbelassene Wälder gebe, die ohne den Eingriff menschlicher Arbeit auskommen. Die Forstwirtschaft wird also beinahe „Menschenwerk“, trotz des minimalen Betriebskapitals. Der Hochstammwald jedoch, der für die Forstwirtschaft wichtigste Wald, braucht sehr viel Zeit bevor er ein nennenswertes Produkt hervorbringt. Obschon die Forstwissenschaft gezeigt hat, dass der günstigste Zeitpunkt für das Fällen eines Baumes nicht sein höchstmögliches Lebensalter ist, sondern das Jahr, in dem das normale Wachstum mit dem durchschnittlichen Wachstum zusammenfällt, muss man z.B. bei einem Eichenwald 80, 100 oder gar 150 Jahre warten. Minimaler Kapitaleinsatz; Wartezeit seines Rückflusses 150 Jahre! Di Vittorio und Pastore [14] hätten das Fachbuch, wenn sie es je aufgeschlagen hätten, aus dem Fenster geworfen.

Wie in der Operette: Rubar, rubar, il capitale (l’amore) non sa aspettar…! [15]

Aber es kommt noch schlimmer. Über die Katastrophen in Sardinien, Kalabrien und Sizilien hat man relativ wenige Worte verloren. Hier sehen die geographischen Daten völlig anders aus.

In der Po-Ebene hat das vergleichweise geringe Gefälle die Stauung des Wassers bewirkt, was den lehmigen, in der Tiefe undurchlässigen Boden versumpfen ließ. In Süditalien und auf den Inseln war es hingegen das enorme Gefälle, mit der die Küste zum Meer abfällt, das – ebenfalls aufgrund der starken Niederschläge und massiven Abholzung – die Zerstörung verursachte. Die Sturzfluten haben innerhalb weniger Stunden Sand und Kies von den Felsen mitgerissen, wobei Felder und Häuser zerstört wurden, auch wenn es wenig Tote gab.

Nicht nur dass die Plünderung der wunderschönen Wäldern von Aspromonte und Sila seitens der alliierten Befreier nicht wieder gutzumachen ist – die Sanierung der überschwemmen Böden ist hier praktisch verunmöglicht worden. Und für die „Investoren“ und „Helfer“ (die, wenn auch kaum vorstellbar, noch gieriger als die Erstgenannten sind) rentiert sich das sowieso nicht.

Außer den bewachsenen Böden sind auch die wenigen nicht steinigen Erdschichten fortgeschwemmt worden; Boden, der – fast unglaublich – von den armen Bebauern im Laufe von Jahrzehnten nach oben geschafft wurde. Jede Pflanzung, jeder Wald, ist zusammen mit der Erde fortgerissen worden; auf dem Meer sah man entwurzelte Orangen- und Zitronenbäume treiben (Basis einer Anbaukultur und Industrie, die in bestimmten Gebieten ziemlich rentabel war).

Ein neuer Weinberg trägt nach zwei Jahren wieder Früchte, Zitrusfrüchte brauchen dagegen 7 bis 10 Jahre: Das Anlagen- und Betriebskapital ist sehr hoch. Natürlich finden sich in den Pachtverträgen nicht die Kosten für die unerlässliche Schufterei wieder, die Erde nochmals Hunderte von Metern nach oben zu schaffen; und das Wasser könnte die Erde abermals fortschwemmen, bevor sie von den Wurzeln gehalten wird.

Nicht mal die Häuser lassen sich dort wiederaufbauen, was technische und nicht ökonomische Gründe hat. 5 oder 6 unglückliche Dörfer in der Reggio Calabria konnten ihre Häuser nicht mehr auf ihren alten Plätzen in den Hügeln wieder aufbauen, sondern mussten sie an der Küste neu errichten.

Im Frühmittelalter, nachdem die Verwüstungen auch die letzten Spuren der schönen Küstenstädte der Magna Graecia [16], auf dem Höhepunkt der Kultur und Kunst der Alten Welt, vernichtet hatten, hatte sich die arme Bauernbevölkerung vor den Einfällen der sarazenischen Piraten in Sicherheit gebracht, indem sie die Dörfer auf die Berggipfel verlegte, wo sie schwerer zugänglich und besser zu verteidigen waren.

Die „piemontesische“ Republik ließ dann längs der Küste Straßen und Eisenbahnlinien bauen, und dort, wo die Malaria – wegen der Nähe der Berge zum Meeresufer – nicht grassierte, hatte jedes Dorf neben dem Bahnhof sein „Seestück“. Holz zu transportieren, war daher lohnend.

Später werden nur diese Küstenstreifen bleiben, wo man mühevoll einige Ortschaften errichtet. Wozu sollten sich denn auch die Bauern an den Hängen wieder ansiedeln, wo es keinen Halt gibt und die von Erde entblößten und rutschigen Felsen keinen Hausbau mehr erlauben? Und die Arbeiter dort, was sollen sie tun? Heute können sie nicht mehr emigrieren; ebenso wenig wie die Kalabrier aus der ungesunden Tiefebene fortgehen können bzw. die Lukanier von der „verdammten Kreide“ wegkommen (eine Gegend, die infolge der maßlosen Abholzung der die Berge bedeckenden Wälder und der über die Bergweiden verstreuten Bäume unfruchtbar geworden ist).

Unter diesen Bedingungen wird dort sicherlich kein Kapital investieren und keine Regierung intervenieren, was der scheinheiligen Lobrede auf die nationale und internationale Solidarität „alle Ehre macht“.

Was dort geschehen ist, ist keine Frage der Moral oder Rührseligkeit, sondern der Widerspruch zwischen der krampfhaften Dynamik des Superkapitalismus und dem normalen Bedürfnis, die Ansiedlung von Menschen zu ermöglichen, und zwar derart, dass mit der Zeit immer bessere Lebensbedingungen weitergegeben werden.

* * *

Der „Nobelpreisträger“ Bertrand Russel, der in gelassenem Tonfall in der internationalen Presse pontifiziert, beklagt, dass der Mensch die Naturressourcen zu sehr ausplündere und ihre Erschöpfung schon abzusehen sei. Er sieht, dass die Großmächte eine absurde und verrückte Politik betreiben, beklagt die Verirrung der individualistischen Ökonomie und erzählt den irischen Witz: Warum soll ich mich um meine Nachkommen kümmern? Haben sie je etwas für mich getan?

Für eine Verirrung hielt er neben dem mystischen Fatalismus auch den Kommunismus, der ja erklärt: Räumen wir den Kapitalismus aus dem Weg und die Frage ist gelöst. Nach so viel Schaumschlägerei der physikalischen, biologischen und soziologischen Wissenschaft vermag Russel nicht zu sehen, dass der enorme Verschwendungsgrad an Ressourcen, ob in der Natur oder in der Gesellschaft, der einen bestimmten Produktionstypus kennzeichnet, ebenso eine Tatsache ist: Er glaubt, alles ließe sich mit Hilfe einer moralischen Standpauke und einem „fabianischen“ Appell an die Weisheit der Menschen da oben und da unten regeln.

Dieser Zurückweichen ist erbärmlich: Die Wissenschaft wird ohnmächtig gegenüber menschlichen Problemen!

Die Unterdrücker und Herrscher, die es noch immer wagten, ihren Machtwillen zu rühmen, seien nicht diejenigen, die wirkliche Fortschritte erreichten und entscheidende Schritte in der Organisierung des Lebens machten; dies seien vielmehr all die bescheidenen Wohltäter und Initiatoren des Europäischen Wiederaufbauprogramms [17], und jener, die beständig zur Brüderlichkeit, wie die Pazifisten, mahnten etc.

Wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkehrend und zur Ökonomie übergehend, kritisiert Russell die liberalen Illusionen über das Allheilmittel der Konkurrenz und muss zugeben: „Marx sagte voraus, dass die freie Konkurrenz ins Monopol einmünde, eine Voraussage, die sich als richtig erwies, als Rockefeller praktisch ein Erdölmonopol errichtete“.

Ausgehend von der Explosion der Sonne, die uns eines Tages von einer Sekunde zur nächsten in Gas verwandeln wird (was den irischen Witz bestätigen würde), landet Russel in jämmerlichem Friedensgesäusel: „Nationen, die Prosperität wünschen, müssen mehr die Kollaboration als die Konkurrenz suchen“.

Ist es ein Zufall, Herr Nobelpreisträger, der Sie Werke über Logik und wissenschaftliche Methodologie geschrieben haben, dass Marx den Anbruch des Monopolismus gut 50 Jahre früher ansetzt?

Wenn dies richtig angewandte Dialektik war, ist der Gegensatz zur Konkurrenz nicht Kollaboration, sondern Monopol.

Nehmen Sie zur Kenntnis, dass Marx die Aufhebung der kapitalistischen Ökonomie (ein Klassenmonopol) nicht in der Kollaboration vorhersah, die Sie mit allen Trumans und Stalins, die guten Willens sind, beweihräuchern, sondern im Klassenkrieg.

So wie Rockefeller kam, wird auch „der große Schnurrbart“ [18] kommen. Aber nicht aus dem Kreml. Er rasiert sich schon, Marx zum Trotz, wie ein Amerikaner.

Quellen:

„Omicidio dei morti“: Battaglia comunista, Nr. 24, Dezember 1951.

MEW 23: Marx – Das Kapital I, 1867.

Fussnoten:

1) „Die erste kapitalistische Nation war Italien“ MEW 4, S. 590.

2) Polesine: Landschaft der östlichen Po-Ebene. Im Spätherbst und Frühjahr führt der Po Hochwasser und es kommt, besonders im Unterlauf, regelmäßig zu Überschwemmungen. Der Name leitet sich ab aus dem Lateinischen pollìcinum oder polìcinum, was Sumpf bzw. Feuchtgebiet bedeutet.

3) Einaudi, Luigi (1874-1961): italienischer Staatspräsident und Finanzwissenschaftler.

4) Potemkin, Grigori (1739-91): russischer Feldmarschall, Vertrauter und Günstling der Zarin Katharina der Großen. Die Anspielung bezieht sich auf die Dorfattrappen („Potemkin’sche Dörfer“), die der Fürst erbauen ließ, um den tatsächlichen, verheerenden Zustand der russischen Dorfarmut zu verbergen.

5) Vanoni, Ezio (1903-56): italienischer Politiker der DC, u.a. Finanzminister. Das 1951 erlassene „Legge Vanoni“ machte die Steuererklärung zur Pflicht.

6) Maramaldo, Fabrizio: Söldnerführer im Italien des 16. Jahrhunderts, bekannt dafür, besonders gegenüber verwundeten und wehrlosen Gegnern gewalttätig gewesen zu sein. In den italienischen Kriegen zwischen Florenz und Kaiser Karl V. wendeten die von Maramaldo herangeführten Verstärkungen das Blatt zugunsten der kaiserlichen Truppen. Der schwer verwundete Heerführer der Florentiner Francesco Ferrucci wurde nach der Schlacht von Maramaldo getötet. Durch diesen kaiserlichen Sieg konnten die Medici wieder die Macht in Florenz übernehmen.

7) Siehe: „1951-11-01 – Die Lehre vom ‚Teufel im Leibe’“: Battaglia comunista, Nr. 21, 1951.

8) Monselice: ein Steinbruch in der Nähe des Po. Carrara: Zentrum der Marmorproduktion in Italien.

9) Siehe: MEW 23, S. 226 ff.

10) Schwarze Regierung: Regierung unter Führung der Democrazia Cristiana.

11) Pantalone: Gestalt der Commedia dell’ Arte, um 1550 in Italien entstandene Stegreifkomödie, in der der Handlungsverlauf festlag, aber die Dialoge improvisiert wurden. Die Darsteller spielten meistens komische Charaktere; fast jede italienische Region trug ihren Typus bei. Die Gestalt des Pantalone steht für den reichen und geizigen venezianischen Kaufmann. Daraus hat sich im Laufe der Zeit die Redewendung „paga Pantalone“ (Pantalone bezahlt) abgeleitet, was heißt: Der gemeine Steuerzahler muss für die „Fehler der Regierung“ aufkommen.

12) commendatore: früher Schutzherr. Ehrentitel: vergleichbar mit dem österreichischen Kommerzialrat. Hier im Sinne eines für die öffentlichen Arbeiten Verantwortlichen.

13) Anspielung auf den Beginn des Korea-Krieges.

14) Vittorio, Giuseppe Di (1892-1957); Pastore, Giulio (1902-69): die damaligen „kommunistischen“ bzw. katholischen Gewerkschaftsführer.

15) „Rauben, rauben, das Kapital (die Liebe) kann nicht warten…“ (Rückübersetzung).

16) Magna Graecia (lat.): großes Griechenland. Bezeichnung für die Regionen im antiken Süditalien und Sizilien, die durch griechische Siedler ab dem 8. Jahrhundert v.u.Z. kolonisiert wurden.

17) Europäischen Wiederaufbauprogramm: European Recovery Plan (ERP), besser bekannt als „Marshall Plan“.

18) Bezieht sich auf Stalin: „Und der Schnurrbart wird doch kommen!“. Hierin drückte sich die leere Hoffnung der Arbeiter aus, dass „bei einem wiederaufflammenden Weltbrand die Rote Armee die kapitalistischen Grenzen zu überrollen versuchen“ würde. Siehe: „1956-03-03 – Dialog mit den Toten“, V. Dritter Tag (später Nachmittag), Kapitel: Trostloser Utopismus.

(via Alter Maulwurf)

Version française