[Übertreibung als philosophische Methode]

Diese Darstellungen, mindestens einige von ihnen, werden nämlich den Eindruck von „Übertreibungen“ machen. Und zwar aus dem einfachen Grunde, daß sie „Übertreibungen“ sind. […]
Was bedeutet das?
Daß es Erscheinungen gibt, bei denen Überpointierung und Vergrößerung sich nicht vermeiden lassen; und zwar deshalb nicht, weil sie ohne diese Entstellung unidentifizierbar oder unsichtbar bleiben würden; Erscheinungen, die uns, da sie sich dem nackten Auge versagen, vor die Alternative: „Übertreibung oder Erkenntnisverzicht“ stellen.

(Günther Anders, Die Antiquiertheit des Menschens, München, C. H. Beck, 1961, Bd. I, S. 14-15)