Omar Khayyam – Sinnsprüche (Rubaiyat )

Omar Khayyām (u. 1048 – 1123)

Welt ist ein Schachbrett, Tag und Nacht geschrägt,
Wie Schicksal Menschen hin und her bewegt,
Sie durcheinander schiebt und schlägt,
Und nacher in die schachtel legt.

Den Koran in der einen, den Becher in der andern Hand,
Sind wir bald dem Erlaubten, bald dem Verbot´nen zugewandt.
Sind weder ganze Ketzer, noch ganz des wahren Glaubens voll;
So daß der Himmel selber nicht weiß, wie er es nehmen soll.

Glaub nicht, daß Furcht vor der Welt mich quäle,
Oder Furcht vor dem Tod und der Flucht der Seele!
Nichts fürcht´ ich, als, wenn sie mich einst begraben:
Nicht würdig genug gelebt zu haben.

Die Lieder und Sprüche des Omar Chajjam (1882)

Rubáiyát of Omar Khayyám: English, French, German, Italian, and Danish Translations (2 Bde, 1897)
Bd. 1
Bd. 2