Moses Hess – Von dem Gelde und der Knechtschaft (1844)

Von dem Gelde und der Knechtschaft

Was ist Geld?

Es ist der in Zahlen ausgedrückte Wert menschlicher Tätigkeit, der Kaufpreis oder Tauschwert unseres Lebens.

Kann die Tätigkeit der Menschen in Zahlen geschätzt werden?

Die menschliche Tätigkeit ist ebenso wenig, wie der Mensch selbst zu bezahlen; denn die menschliche Tätigkeit ist das menschliche Leben, dieses aber kann durch keine Summe Geld aufgewogen werden; es ist unschätzbar.

Was ist der, welcher für Geld verkauft werden kann oder sich selbst für Geld verkauft ?

Wer verkauft werden kann, ist ein Sclave, und wer sich selbst verkauft, ist eine Sclavenseele.

Was müssen wir aus dem Dasein des Geldes schliessen?

Wir müssen das Dasein der menschlichen Sclaverei daraus schliessen, denn es ist selbst das Zeichen der menschlichen Sclaverei, weil es der in Zahlen ausgedrückte Wert ist.

Wie lange noch werden die Menschen Sclaven bleiben und sich mit allen ihren Fähigkeiten für Geld preisgeben?

Sie werden es so lange, bis jedem Menschen die Mittel, welcher er bedarf, um in menschlicher Weise leben und wirken zu können, von der Gesellschaft geboten und verbürgt werden, damit der einzelne nicht mehr nötig hat, sich alle diese Mittel auf eigene Faust zu verschaffen und zu diesem Zwecke seine Tätigkeit zu verkaufen. Dieser Menschenhandel, diese gegenseitige Ausbeutung, dieser sogenannte Privaterwerb kann durch kein Decret, er kann nur durch Bildung der communistischen Gesellschaft aufgehoben werden, in welcher jedem die Mittel geboten werden, seine menschlichen Fähigkeiten zu entwickeln und anzuwenden.

Ist in der communistischen Gesellschaft das Dasein des Geldes möglich oder denkbar?

Ebensowenig, wie das Dasein der menschlichen Sclaverei. Wenn die Menschen sich nicht mehr mit ihren Kräften und Fähigkeiten gegenseitig zu verschachern nötig haben, dann brauchen sie auch ihren Wert nicht mehr nach Zahlen zu schätzen, nicht mehr zu zählen und zu bezahlen.
An die Stelle des in Zahlen geschätzten menschlichen Wertes tritt alsdann der wahre, unschätzbare menschliche Wert — an die Stelle des Zinsenwuchers das Wuchern der menschlichen Fähigkeiten und Lebensgenüsse — an die Stelle eines feindseligen Konkurrenzkampfes mit unehrlichen Waffen ein harmonisches Zusammenwirken und edler Wettkampf — an die Stelle des Ein-mal-Eins : Kopf und Herz und Hände freier, tätiger Menschen.

[Zitiert nach: Dokumente des Sozialismus, Bd. IV, 1904, S. 166-167]

Traduction française


1 Antwort auf „Moses Hess – Von dem Gelde und der Knechtschaft (1844)“


  1. 1 Neues aus den Archiven der radikalen (und nicht so radikalen) Linken « Entdinglichung Pingback am 11. Januar 2010 um 15:08 Uhr
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