Giorgio Cesarano – Der erotische Aufstand (1974)

Ogni volto parla di ciò che non è stato.
Jedes Gesicht spricht von dem, was nicht gewesen ist.

(Gior­gio Ce­sa­ra­no, Der ero­ti­sche Auf­stand)

Donne Profonde di passione e di lotta
doci amici rabbiosi d’amore
vado con cuore pieno di voi
verso le vostre tracce.
G. C.
21. Januar 1975

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[…] Weil die kritische Kohärenz mehr denn je die einzige Garantie eines Umsturzes der gegebenen Bedingungen und einer revolutionären Veränderung der Welt darstellt:

[…] Es geht nicht darum, das Ich zu befreien, es geht darum, sich vom Ich zu befreien; so befreit man die Geschichte vom Prinzip. Und das absofort. Es gibt nichts zu erwarten.

[…] Aber wehe dem, der wegen dieser Banalität des eigenen Schicksals in die Falle gerät, in der überhaupt jedes Schicksal stirbt. Wer aufhört, den Ausbruch zu planen, wer aufhört, es zu wagen, dorthin zu streben und das Elend der Einkerkerung im Selbst zu verabscheuen, stirbt eingeschlossen im Selbst, macht von sich die Geschichte eines Todes, ist für die Geschichte tot, setzt seinem Weg ein Ende, irgendein Kieselstein des grossen Weges bleibt übrig.

[…] Die Art und Weise der »sozialen Person«, sich zu produzieren, das Sich-Verkörperlichen der Entfremdung und des Mangels, hat immer gleichzeitig im »Inneren« und im »Äusseren« stattgefunden, und die vereinigenden und damit subversiven Möglichkeiten der verbotenen Leidenschaft unversehrt überstanden. Nur jenseits der vollständigen Vernichtung des Kapitals im Körper und in der Welt, die heute gänzlich entwirklicht und symbolifiziert sind, können die Individuen – und in ihnen die Gattung – die eigene tätige Wirklichkeit erobern, in der Leidenschaft einer tätigen Welt.

[…] Es wird sich dann zeigen, dass die Welt längst den Traum von einer Sache besitzt, von der sie nur das Bewusstsein besitzen muss, um sie wirklich zu besitzen« (Karl Marx, Brief an Ruge, September 1843). Diese Sache ist heute, ausserhalb jedes Traumes, der lebendige Kampf gegen die kerkerhafte Anordnung vollständig materialisierter Alpträume. […]denn man muss darauf bestehen, dass jedes Projekt des Entkommens aus einem direkten und unmittelbaren Zusammenstoss mit der absolut herrschenden Negativität hervorgeht.

[…] Es ist schliesslich Zeit, auf allen Ebenen zu verstehen, – und alle Konsequenzen daraus zu ziehen, und zwar zuerst die weniger erbaulichen – dass für niemand eine im vorhinein konstruierte und garantierte Äquivalenz besteht zwischen seiner Auflehnung gegen die generalisierten Bedingungen der Entfremdung und seinen Chancen, sich ihnen zu entziehen […]


1 Antwort auf „Giorgio Cesarano – Der erotische Aufstand (1974)“


  1. 1 Neues aus den Archiven der radikalen (und nicht so radikalen) Linken « Entdinglichung Pingback am 30. Oktober 2009 um 12:34 Uhr
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