Wilhelm Reich – Massenpsychologie des Faschismus (1933)

Das kleinbürgerliche Schlafzimmer, das sich der Prolet anschafft, sobald er Möglichkeiten dazu hat, auch wenn er sonst klassenbewusst ist, die dazugehörige Unterdrückung der Frau, auch wenn er Kommunist ist, die „anständige“ Kleidung am Sonntag, der kleinbürgerliche Tanz und tausend andere „Kleinigkeiten“ haben bei chronischer Wirkung unvergleichlich mehr konterrevolutionären Einfluss, als tausende von Versammlungsreden und Flugzetteln gutmachen können. Das kleinbürgerliche Leben wirkt unausgesetzt, dringt in jede Ritze des Alltags ein, die Fabriksarbeit und der Flugzettel wirken dagegen nur stundenweise […]. Wir müssen mehr, viel mehr, auf diese Dinge des Alltagslebens achten. An ihnen formiert sich das Klassenbewusstsein oder das Gegenteil konkret, nicht an den Phrasen und Worten, die nur augenblickliche Begeisterung wecken. Hier wartet wichtige und fruchtbare Arbeit.

(Massenpsychologie…, Junius, o.J., S. 105-106)

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„Wenn Reich, wiedergeboren, die »sexuelle Befreiung« sähe, würde er niedergeschmettert in einer Ecke zittern“. :smiley_biggrin:
Giorgio Cesarano, Der erotische Aufstand [1974], Zürich, 2006, S. 14.


2 Antworten auf „Wilhelm Reich – Massenpsychologie des Faschismus (1933)“


  1. 1 Neues aus den Archiven der radikalen (und nicht so radikalen) Linken « Entdinglichung Pingback am 23. Oktober 2009 um 10:36 Uhr
  2. 2 From the archive of struggle, no.36: radical America « Poumista Pingback am 26. Oktober 2009 um 18:39 Uhr
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