Paul Lafargue – Die Religion des Kapitals (1887)

Da die Kirche ihren Einfluß auf die Menschen immer mehr verliert, treffen sich unter dem Vorsitz des päpstlichen Nuntius die führenden Kirchenmänner, Politiker, Unternehmer und ihre wissenschaftlichen „Kopflanger“, um eine neue, wahre Religion zu schaffen, die ihre Aufgabe auch wirklich erfüllt. Sie beschließen einmütig, das Kapital zum Gott zu ernennen, da es alle die Eigenschaften in der Realität besitzt, welche die Gläubigen ihrem „Gott“ zuschreiben, nämlich Allmacht, Allgegenwart und Einheit. Das Kapital ist der wahre „lebendige Gott“ und das Bargeld seine göttliche Gnade. Die Kapitalisten sind seine Auserwählten und die Bankiers die Priester und Bischöfe seiner Kirche.
Gleichzeitig beschließen sie auch die ersten heiligen Schriften der neuen Religion: einen „Katechismus der Arbeiter“, ein Glaubensbekenntnis, ein „Kapital unser“, die „Klagen Hiob Rothschilds, des Kapitalisten“ und so weiter. Der päpstliche Nuntius (wer sonst?) steuert eine „Predigt der Kurtisane“ bei.

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