Club der französischen Versager

«Hier Revolution! Wer dort?» – Gustav Landauer, Erich Mühsam und der Anarchismus

Albert Auerbach (… – 1925)

Vorwärts, Jhg. 42, Nr. 278, 15.06.1925.

(Materialien zu einem biographischen Wörterbuch der deutschen Arbeiterbewegung II)

Andreas Kleinlein (1864-1925)

Andreas Kleinlein ┼

Am 28. Aug. ist nach schwerem Leiden Andreas Kleinlein aus dem Leben geschieden. Mit ihm ist ein aufrechter unermüdlicher Streiter aus unseren Reihen gegangen, der seit frühester Jugend in der Arbeiterbewegung seine Schuldigkeit getan hat. Im Jahre 1864 in Nürnberg geboren, verließ er die Heimat, nachdem er ausgelernt, im Alter von 17 Jahren, um auf Wanderschaft zu gehen. Hier wurde er mit den Ideen der Arbeiterbewegung vertraut. Er war noch unter dem fluchwürdigen Sozialistengesetz. Überall, wo er sich betätigen konnte, tat er es unter vollem Einsatz seiner Persönlichkeit. Andreas Kleinlein war ein geborener Klassenkämpfer. Die großen Fragen der Arbeiterbewegung nahm er nicht nur verstandes, sondern mehr gefühlsmüßig. Es war bei ihm, als ob er das ganze Leid seiner Klasse in sich trug, und so wurde er überall, wo er in Versammlungen und Zusammenkünften als Referent oder Diskussionsredner auftrat, ein Rufer im Kampf seiner Klassengenossen. Im Jahre 1890 nach Berlin verschlagen, fand er hier schnell den Anschluß an seine Berufsorganisation, den „Verein zur Wahrung der Interessen der Klavierarbeiter“. Diese Organisation steht heute noch, vereint mit anderen Berufsgenossen, als „Vereinigung der Holzarbeiter Berlins“ in unseren Reihen, und hier war bis an sein Lebensende sein engeres Betätigungsfeld. Aber darüber hinaus wurde er als Vertreter der Holzarbeiter auf vielen Kongressen den Genossen im Reich bekannt. 1905 an die verantwortliche Stelle des Kassierers der Geschäftskommission gestellt, versah er diesen Posten mit großer Gewissenhaftigkeit über 10 Jahre lang. In den schwierigen Situationen, die unsere Bewegung um die Mitte des ersten Jahrzehntes dieses Jahrhunderts durchmachte, stand Andreas Kleinlein fest und unentwegt zur anarcho-syndikalistischen Ideenwelt. Die Entbehrungen der Kriegszeit, die Aufregungen der revolutionären Nachkriegsepoche sowie ein schwerer familiärer Verlust, den er nicht überwinden konnte, setzte seinen körperlichen Kräften im Alter von 61 Jahren ein Ziel.
Mit Andreas Kleinlein ist ein braver Mitkämpfer und gewissenhafter Mitarbeiter aus unseren Reihen geschieden, der nach bestem Können Jahrzehnte hindurch seine volle Pflicht und Schuldigkeit getan hat.
Am Mittwoch, den 2. September, wurde, was sterblich an Andreas Kleinlein war, im Krematorium Berlin-Baumschulenweg den Flammen übergeben. Seine Opferfreudigkeit soll weiter in unseren Reihen fortleben!

Ehre seinem Andenken!

Die Geschäftskommission

Der Syndikalist, VII. Jahrgang, Nr. 37, 12.09.1925.

(Materialien zu einem biographischen Wörterbuch der deutschen Arbeiterbewegung I)

Blaise Cendrars – Les Pâques à New-York



Referer der letzten 24 Stunden:
  1. google.com (18)
  2. fr.m.wikipedia.org (3)