Armand Robin – Das Programm einiger Jahrhunderte (1946)

Das Programm einiger Jahrhunderte

Im Namen des Lichts
Löscht man die Zuversicht
Und dann das Licht.

Im Namen des Verstandes
Wird die Seele verbrannt
Und dann der Verstand.

Im Namen der Gerechtigkeit
Vernichtet man das Mitleid
Und dann die Gerechtigkeit

Im Namen der Freundschaft
Wird die Liebe abgeschafft
Und dann die Freundschaft

Im namen der Kritik
Bricht man der Wahrheit das Genick
Und dann auch der Kritik

Im Namen der Sprache
Wird das Wort zur toten Sache
Und dann auch die Sprache.

Im Namen der Kunst
Wird das Schöne verhunzt
Und dann auch die Kunst.

Im Namen der Kommentare
Legt man die Schriften in die Bahre
Und dann auch die Kommentare

Im Namen des Genies
Wird der Heilige hingerichtet
Und dann auch das Genie vernichtet

Im namen des Poeten
Tötet man den Propheten
Und dann den Poeten

Im namen des Denkers
Muss der Feurige zum Henker
Und dann auch der Denker.

In der Materie Namen
Wird der Geist erlahmen
Und dann der materielle Rahmen.

Im Namen des Nichts
Wird der Mensch abgeschafft
Und selbst der Name der Menschlichkeit

Es gibt keinen Namen mehr weit und breit:
Wir sind so weit!

Le programme en quelques siècles
Erste Veröffentlichung in: Les Poèmes indésirables (1946)
Übersetzung und Nachdichtung: Die Freie Gesellschaft (1949)

RADIO – Gustav Landauer, l’anarchiste de l’envers (par Freddy Gomez)

Lundi 18 juin, 16h00 ---- Anarchie et anarchistes ---- Dans l’histoire sociale, l’Allemagne est connue essentiellement comme le terreau de la social-démocratie. Pourtant le socialisme ne s’y résumait pas à sa version marxienne et son dogmatisme économique. Le socialisme libertaire y avait sa place dans journaux, brochures, conférences, organisations telle la «Ligue socialiste». Parmi ses activistes, Gustav Landauer est surtout connu pour avoir participé à la République des conseils de Bavière, avant d’être sauvagement assassiné par la soldatesque du socialiste Noske le 2 mai 1919. Les contributions et textes réunis dans l’ouvrage collectif «Gustav Landauer un anarchiste de l’envers» font connaître toute la richesse de réflexions qui vont d‘une critique sans concessions du marxisme à des propositions de réalisations «ici et maintenant», démontrant la possibilité d‘un socialisme basé sur la solidarité et la fraternité dans une fédération de communes libres. Sa pensée ouverte et lucide interroge les anarchistes d’hier et d’aujourd‘hui. Freddy Gomez, de la revue À contretemps qui a réalisé ce dossier, échange avec nous autour de cette importante parution.

http://trousnoirs-radio-libertaire.org/

ZAD – Die dunkle Seite der Macht

Was für ein gutes Gefühl, wenn man auf dem Land ist… Warum habe ich meine kleine Heimat überhaupt verlassen?

Die Polizisten, die in Moabit massakriert haben, sind Menschen wie wir. Die Streikbrecher sind genau dieselben Menschen wie die Streikenden, und oft genug die nämlichen Personen, nur in verschiedenen Jahren. An unsrer Natur, unserm Wesen, unsrer Menschenart liegt’s nicht, daß es so grauenhaft zwischen uns hergeht. Das ist schuld, was zwischen uns hergeht, daß wir nicht das halten, was wir versprechen; daß wir nicht das sind, was wir doch sind. Besser wird’s erst, wenn die Menschen keine Rolle mehr spielen; wenn sie sich so zu einander verhalten, das heißt so ihre Verhältnisse zu einander ordnen, wie jeder in Wahrheit ist. Heute ist’s so, daß die Kleider, die wir umhängen haben, einander auf Leben und Tod bekämpfen, daß aber die lebendigen Menschen an Leib und Seele die Wunden davontragen. Der Waffenrock und die Arbeitsbluse sind heute die Dirigenten des Lebens; das Fleisch und Blut, das darin steckt, ist der mechanische und folgsame Automat. Stellt die Ordnung der Natur wieder her; verstehet das Wort des weisen Sokrates: Erkenne dich selbst! Erkenne dich selbst, wie du wahrhaft bist, hinter all dem Plunder, den du umhängen hast, und handle nicht nach den Gesetzen des Plunders, sondern nach dem Wesen des Menschen. Erkenne dich selbst, deinen Nächsten und Gleichen, in dem, der vor dir steht; erkenne ihn hinter der Larve, die er angetan hat wie du. Alle mit einander sind wir nackte Menschenleiber und lassen uns tief ins Fleisch hinein peinigen und ins Blut hinein vergiften von den Nessusgewändern dieser verruchten Fratzengesellschaft, die keiner sein will und die jeder doch ist. (Gustav Landauer)

Schwarzer Faden – Nummer 0-77 (1980-2004)

Schwarzer Faden – Nummer 0-77 (1980-2004)

Club der französischen Versager



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